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Wintersport

Mit viel Kraft und Tempo bergauf

Es ist eine Premiere – und gleichzeitig eine Rückkehr zu den Wurzeln des Skisports. In Berchtesgaden geht der erste deutsche Weltcup im Skibergsteigen über die Bühne.

Den Berg hinauf statt hinunter: Silvia Berra aus Italien und Maria Costa Diez (rechts) aus Spanien beim Bergsteigen. Foto: Chloe Knott /dpa
Den Berg hinauf statt hinunter: Silvia Berra aus Italien und Maria Costa Diez (rechts) aus Spanien beim Bergsteigen. Foto: Chloe Knott /dpa

München. In den Nachrichten tauchen Skibergsteiger oft als Lawinenopfer auf – tot oder verschüttet. Unter Uneingeweihten gilt winterliches Bergsteigen als lebensgefährliche Harakiri-Unternehmung. Am Wochenende will die Weltspitze der Skibergsteiger in Berchtesgaden beim ersten Weltcup auf deutschem Boden beweisen, dass es sich bei ihrem Sport keineswegs um Nervenkitzel handelt.

„Das sind nicht die Verrückten, die Narrischen, die den Berg hinaufrennen“, sagt Bundestrainer Thomas Bösl vor dem Wettkampf vom 7. bis 9. Februar. Die Disziplin hat Chancen, ihr Randdasein in der öffentlichen Wahrnehmung hinter sich zu lassen. 2026 könnte „Skimo“ – die Abkürzung für „Ski Mountaineering“ – sogar olympisch werden. Bei den Olympischen Jugendspielen stand die Sportart jüngst auf dem Programm und begeisterte. 2022 wird entschieden, ob Skimo auch zu den richtigen Winterspielen vier Jahre später in Italien zugelassen wird.

Der Berchtesgadener Weltcup ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Die Athleten treten beim „Jennerstier“ an, einem seit 15 Jahren ausgetragenen Wettkampf, an dem sowohl Breiten- als auch Spitzensportler teilnehmen können. Deutsche Meisterschaften gab es dort schon, einen Weltcup aber noch nie. „Endlich mal ein Weltcup zu Hause, das ist schon etwas anderes“, meint Bundestrainer Bösl.

Große Kraftanstrengung nötig

Der Jenner ist ein knapp 2000 Meter hoher Gipfel mit kleinem Skigebiet in unmittelbarer Nachbarschaft des Königssees. „Stier“ heißt die Veranstaltung, weil die Teilnahme an Skitourenrennen große Kräfte verlangt, allerdings keineswegs auf Männer beschränkt. Es starten auch Frauen. Skibergsteigen ist keine modische Neuerung. Bis in die Fünfzigerjahre bedeutete Skifahren ohnehin in aller Regel Bergsteigen, weil Lifte und Gondeln noch nicht weit verbreitet waren. Bei den Skirennen der Frühzeit mussten die Sportler grundsätzlich zuerst den Berg mit Muskelkraft erklimmen. In den Alpenländern ist Skitourengehen ohne Zeitnahme traditioneller Breitensport, der sich seit einigen Jahren wieder zunehmender Beliebtheit erfreut. Für den Aufstieg werden Felle auf die Unterseite der Ski geklebt, die das Abrutschen verhindern. Vor der Abfahrt werden die Felle wieder abgenommen. Das Tempo beim Fellwechsel kann über Sieg oder Niederlage entscheiden und wird daher eigens trainiert – im Sommer.

Als Wettkampf ähnelt Skibergsteigen einem Langlaufrennen, wenn auch mit sehr viel mehr Höhenmetern. Es zählen sowohl Aufstiegs- als auch Abfahrtszeit. Abgefahren wird nicht auf präparierten Pisten oder Loipen, sondern im freien Gelände. Es gibt mehrere Unterdisziplinen, beim „Jennerstier“ stehen drei davon auf dem Programm: Sprint, Vertical und Individual. Beim Individual-Rennen müssen die Sportler knapp 1700 Höhenmeter hinauf und wieder hinunter. „Wir rechnen mit einer Siegerzeit von 1:30, 1:40 Stunden“, sagt der Sportliche Leiter Hermann Gruber vom DAV. Ein Breitensportler rechnet mit einer Faustformel von einer Stunde Aufstiegszeit pro 300 bis 400 Höhenmeter.

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