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Radsport

Rückschläge und neue Chancen für Widmann

Ein Jahr lang alles für den Sport: Das war Oliver Widmanns Plan. Doch die Coronakrise machte die Hoffnungen des Bönnigheimer Fahrrad-Trial-Fahrers zunichte. Dennoch haben sich dem 19-jährigen zweifachen Weltmeister neue Chancen eröffnet.

Gute Laune am Strand: Dominik Oswald (links) und Oliver Widmann. Foto: Manuel Kleinmann/p
Gute Laune am Strand: Dominik Oswald (links) und Oliver Widmann. Foto: Manuel Kleinmann/p

Bönnigheim. Eigentlich wollte sich Oliver Widmann über die Sommermonate belohnen. Nach dem Abitur im Sommer 2019 hatte sich der Bönnigheimer ein Ziel gesetzt: Ein Jahr lang volle Konzentration auf seine Leidenschaft, das Trial-Fahren. Dabei springt man mit einem Fahrrad in Parkours auf mehrere unterschiedlich anspruchsvolle Hindernisse. Zwei Weltmeistertitel bei den Junioren kann der 19-Jährige vorweisen. Seit diesem Jahr geht er in der 26-Zoll-Klasse bei den Erwachsenen an den Start. Durch den Fokus auf den Sport, sollten gleich im ersten Jahr in der neuen Klasse Erfolge her. So war der Plan, dann kam die Coronakrise.

„Das ist gelaufen. Ich werde nicht aufhören, aber so viel Zeit wie jetzt, werde ich wahrscheinlich nicht mehr haben. Das ist ärgerlich“, sagt Widmann, der bald ein Maschinenbaustudium in Stuttgart beginnen wird. Gerade als er auf dem Weg zum Trainingslager in Spanien war, spitzte sich im März die Lage zu. „Für mich war es sehr schlimm. Ich musste in Südfrankreich umkehren“, blickt er zurück.

Viele Wettkämpfe wurden abgesagt. „Man trainiert den kompletten Winter wirklich hart und dann kann man sein Können nicht zeigen.“ Auch viele Veranstaltungen, bei denen man einen Auftritt des Hindernisfahrers buchen kann, fielen aus – damit fehlte dem jungen Athleten eine wichtige Einnahmequelle. Statt der 25 jährlichen Wettkämpfe kommt er bisher auf drei. Wenigstens die deutschen Meisterschaften am 26./27. September in Schönborn bei Dresden sollen stattfinden. „Ich werde mein Bestes geben aber ich weiß nicht genau, wo ich stehe.“

Doch die Coronakrise hat Widmann auch neue Chancen eröffnet. „Weil ich keine Wettkämpfe machen konnte, habe ich angefangen, Videos auf Youtube hochzuladen“, berichtet der kreative Sportler. In einem Mini-Film springt Widmann mit dem Fahrrad durch Stuttgart. Die Sequenz kommt im Internet gut an. So gut, dass ein radsportbegeisterter Zahnarzt aus Magstadt (Landkreis Böblingen) darauf aufmerksam wird und begeistert ist. „Er hat mich kontaktiert und in seine Villa nach Kroatien eingeladen, um dort ein Videoprojekt zu machen. Er wollte ein Video mit aktionreichen Szenen in seinem Haus.“

Gemeinsam mit den 20-Zollfahrern Dominik Oswald und Noah Sandritter sowie Fotograf Manuel Kleinmann geht es im Juni für acht Tage auf die kroatische Urlaubsinsel Hvar. „So eine Unterkunft könnten wir uns eigentlich nicht leisten. Das war mega cool.“ Mehrere Videos entstehen. Für Widmann ist es auch eine willkommene Abwechslung zum Trainingsalltag auf dem elterlichen Hof im Bönnigheimer Ortsteil Hohenstein. Dort hat sich der Fahrer des MSC Marbach in der alten Scheune und dem Platz davor mehrere Hindernisse gebaut.

Obwohl Widmann nicht wie geplant durchstarten konnte, will er seinen Studienstart nicht verschieben: „Man weiß ja nicht, wie es weitergehen wird. Deswegen werde ich anfangen, zu studieren. Da viel online abläuft, bleibt vielleicht trotzdem noch viel Zeit, zum Trainieren.“

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