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Spieler in die Winterpause verabschiedet

Manche Vereine rechnen nicht mit einer Rückkehr zum Spiel- und Trainingsalltag in diesem Jahr – Verständnis und Kritik

Otto Rossbacher. Foto: Baumann
Otto Rossbacher. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Der Württembergische Fußballverband hat gestern auf das ab 2. November geltende Spielverbot für Amateurclubs reagiert und auf seinem Verbandsgebiet mit sofortiger Wirkung den Trainings- und Spielbetrieb untersagt. Bereits am Mittwoch hatte der Handballverband Württemberg bis auf weiteres alle Spiele abgesagt. Die Vereine stehen wie schon im Frühjahr vor ungewissen Monaten.

„Für die Vereine ist das eine Katastrophe, denn man hat sich gerade erst vom ersten Lockdown erholt. Wir haben extra Absperrgitter angeschafft“, sagt etwa Otto Rossbacher, der Abteilungsleiter des TV Pflugfelden. Nicht nur die Finanzen hat er dabei im Blick, auch die sozialen Bindungen. „Wir hatten schon letzten Sonntag überraschend wenig Zuschauer“, findet er.

Sein Kollege Timo Balle vom TSV Schwieberdingen kann dies nicht bestätigen: „Der Besuch war zuletzt richtig gut. Die Leute schienen nach dem ersten Lockdown regelrecht ausgehungert“, sagt er und fügt an: „Die Einnahmen von Eintritt und Bewirtung werden uns jetzt fehlen. Und unser großes internationales Jugendturnier, das finanziell für uns wichtig ist, fiel im Sommer ins Wasser.“

Arne Läubin, Finanzvorstand des VfB Neckarrems, kennt die Problematik: „Weinfest, Wintergrillen, Après-Ski-Party“ führt er drei fest im üblichen VfB-Jahresablauf verankerte Veranstaltungen an, die diesmal ausfielen. „Diese Einnahmen gehen uns genauso wie diejenigen aus dem Spielbetrieb ab“, erklärt er und kündigt an, auch das Gespräch mit den Spielern suchen zu wollen. Balle ergänzt: „Unser Trikotsponsor ist zum Beispiel ein Reisebüro. Der Branche geht es gerade gar nicht gut. Und bei der Bandenwerbung werden wir es im Etat für nächste Saison merken.“

„Vor allem für kleinere Vereine wird es schwierig“, glaubt Frank Schneider, der Sportliche Leiter des TV Aldingen. „Wir sind zum Glück groß und haben viele Mitglieder, die ihre Beiträge bezahlt haben“, sagt er. Marijo Martincic, Abteilungsleiter beim MTV Ludwigsburg, ergänzt: „Andere Abteilungen, in denen mit Kursgebühren gearbeitet wird, trifft es bei uns sicher noch schlimmer.“ Einig sind sich alle Befragten, dass der Spielbetrieb wohl kaum schon im Dezember weitergehen wird: „Wir haben die Spieler in die Winterpause verabschiedet“, bestätigen Balle und Schneider unisono.

„Für uns ist es im Moment verheerend, auch weil es für die Männer um den Aufstieg geht und wir viel Aufwand betrieben haben“, sagt André Zwirner, Vorstandsmitglied des Handball-Bezirksligisten HB Ludwigsburg. Schon das Frühjahr sei wegen der vielen ausgefallenen Feste schlimm gewesen: Wir werden ein dickes rotes Loch in unserer Kasse haben, aber wir werden es überstehen.“ Zwirners Verständnis hält sich dennoch in Grenzen: „Wir Amateursportler haben bewiesen, dass bei uns alles ordnungsgemäß abgelaufen ist. Da werden wir in Allgemeinhaftung genommen.“

Auch für die etwa 500 Nachwuchshandballer der Jugendspielgemeinschaft Handballregion Bottwar ist Pause angesagt. „Klar ist es schade, dass nachdem wir in Schwung gekommen sind, alles gestoppt wurde“, sagt der Jugendverantwortliche Andreas Schädlich. „Aber es ist nachvollziehbar. Wir haben damit gerechnet.“ Normalerweise werden die Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren zwei- bis dreimal pro Woche betreut. Nun bekommen die 30 Teams über das Smartphone Tipps, wie sich fit halten können. Schädlich hofft, dass ausgefallene Spieltage nachgeholt werden.

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