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Ringen

Trotz Coronavirus ist Leben auf der Matte

Kaum eine Sportart ist von der Coronakrise so sehr betroffen wie das Ringen. Aufgrund des engen Körperkontaktes wurde die Matte erst spät freigegeben. Trotzdem kämpfen die Vereine für die Veranstaltungen von Wettkämpfen. Der Verband stellt die Teilnahme an der Verbandsrunde frei. Die Entscheidungen der Clubs im Kreis fallen unterschiedlich aus.

Neckarweihingens Safet Ferad (oben) gegen Sokratis Carmelo Kazantzidis (Korb) Archivfoto: Baumann
Neckarweihingens Safet Ferad (oben) gegen Sokratis Carmelo Kazantzidis (Korb) Foto: Baumann

Ludwigsburg. Zuschauer, die dicht gedrängt bei schummrigem Licht am Mattenrand stehen. Laute Zwischenrufe, wie „Blau passiv“, wenn der Gastringer aus Sicht des Heimpublikums mal wieder zu wenig Aktionen startet. Ringkämpfe der herbstlichen Mannschaftsrunde haben eine besondere Atmosphäre. Doch seit Jahren werden die Mannschaftszahlen weniger. In einstigen Hochburgen wie Gemmrigheim, Kornwestheim oder Marbach gibt es derzeit keinen Sportbetrieb, Vereine wie der ASV Oßweil, der RSV Hessigheim oder die Ringerabteilung des TSV Ludwigsburg sind längst Geschichte. „Im Ringkampfsport ist die Perspektive nicht allzu rosig. Wir werden sicher Probleme bekommen in den nächsten Jahren“, sagt der Bezirksvorsitzende Hans-Michael Raiser, betont aber auch: „Wir haben viele Vereine verloren, aber die letzten fünf Jahre waren die Mitgliederzahlen relativ stabil.“

Zu allem Übel kommt die Coronaviruspandemie. Ringen als Vollkontaktsportart wurde erst im Juli wieder erlaubt. Eine Mannschaftsrunde soll unter besonderen Bedingungen trotzdem stattfinden. Die Teilnahme ist freiwillig, am 17.Oktober geht es los. Wer aussetzt, darf in einem Jahr wieder einsteigen, als sei er nie weggewesen. Davon machen der RSV Benningen in der Oberliga und die KG Neckarunion Remseck/Münster in der Landesliga Gebrauch. Trotz allen Widrigkeiten haben sich der KSV Neckarweihingen (Verbandsliga), der TSV Asperg (Bezirksklasse) und der KSV Kirchheim (Bezirksklasse) entschieden, in die Runde zu starten. Absteiger soll es keine geben, der Aufstieg ist möglich. Ein Überblick über die Lage vor Ort.

RSV Benningen: Der klassenhöchste Ringerclub im Kreis Ludwigsburg schickt keine Mannschaft ins Rennen. Der RSV wird in der Oberliga und mit der Zweitvertretung in der Landesliga ein Jahr lang aussetzen. „Wir sind im Moment stark gebeutelt. Es ist viel zu wenig an Training, um in eine leistungsstarke Runde zu gehen“, sagt der sportliche Leiter des RSV, Bert Kluge. Die Gesundheit der Sportler habe Vorrang. Leicht sei die Entscheidung trotzdem nicht gewesen. „Es hat wirklich lange gedauert. Jeder möchte ringen“, erklärt Kluge.

Langfristig gesehen, macht Kluge sich aber keine Sorgen. In einem Jahr wollen die Benninger wieder in der Oberliga einsteigen: „Wir werden irgendwie durchkommen, auch wenn es schwierig wird.“ 32Athleten sind derzeit für Benningen ringberechtigt, dazu kommen 20 bis 25 Jugendliche. Normalerweise strömen zu den Kämpfen der Benninger 120 bis 150 Zuschauer in die Halle. „Ohne Zuschauer funktioniert es nicht“, betont Kluge.

KSV Neckarweihingen: Den Neckar aufwärts fiel die Entscheidung anders aus. Der KSV Neckarweihingen tritt in der Verbandsliga an. „In manche Hallen passt gerade so die Ringerhalle. Wir in der Schulsporthalle könnten das so machen, dass der Abstand eingehalten werden kann und wir die Hygienemaßnahmen umsetzen können“, sagt der KSV-Vorsitzende Eberhard Bez. Auch in Neckarweihingen kommen zu gutbesuchten Kämpfen bis zu 200Menschen. Um den vielen talentierten Jugendlichen eine Perspektive zu geben, trete man an. Elf Nachwuchskräfte rücken laut Bez auf. Dafür sind nach dem Abstieg aus der Oberliga auch drei schmerzhafte Abgänge zu verzeichnen: Beat Schaible, Alexander Jakob (beide zur SG Weilimdorf) und Ramaz Darchidze (zum TSV Ehningen).

Finanziell sieht der Vorsitzende den Verein trotz hoher Einnahmeausfälle gut aufgestellt. „Es hat uns jetzt nicht so sehr getroffen, dass wir aufhören müssten. Aber vor allem das fehlende Marktplatzfest ist schon ein Verlust, den man so nicht einkalkuliert hat“, berichtet Bez.

KG Neckarunion Remseck/Münster: Die Kampfgemeinschaft wollte eigentlich in der Landesliga an den Start gehen, entschied sich dann aber doch dagegen: „Wir haben den engen Austausch mit den Sportlern gesucht, die stehen auf der Matte und setzen sich dem Risiko aus“, erklärt die Pressewartin des KVA Remseck, Bianca Buch. „Einigen war es zu riskant und dazu kam ein Hallenproblem. In Remseck war es fraglich, Stuttgart hat signalisiert, es nicht zu erlauben.“ Im kommenden Jahr wolle die KG aber wieder in der Landesliga starten und auch eine zweite Mannschaft melden.

Auch abseits des Sportlichen hat die Coronakrise ihre Spuren hinterlassen, wie Buch berichtet: „Wir konnten kürzlich Gott sei Dank mal wieder eine Altpapiersammlung machen, was uns finanziell etwas entlastet. Vieles ist aber ungewiss, zum Beispiel, ob wir das Nikolausturnier machen können. Aber wir kommen durch.“

TSV Asperg: „Wenn es klappt, bestreiten wir die Mannschaftsrunde“, sagt Ute Chelo, Vorsitzende des TSV Asperg und hofft dabei auch auf Publikum: „Beim Ringen gehören Zuschauer dazu, genau das ist ja das Spannende.“ Knapp 60 Mitglieder hat die Abteilung, die Auswirkungen der Coronakrise sind laut Chelo überschaubar. „Bei uns in der Abteilung ist der Ausfall der Feste kein großer Verlust. Wir haben keine bezahlten Ringer. Bei uns geht es um den Spaß.“

KSV Kirchheim: Beim KSV Kirchheim an der nördlichen Kreisgrenze ist die Freude über die Rückkehr auf die Matte groß: „Die Mannschaft war richtig froh. Deswegen war für uns auch klar, dass wir an der Runde teilnehmen wollen“, sagt der Vorsitzende Stephan Hennig. Er hofft auf Zuschauer, würde die Kämpfe notfalls aber auch ohne Publikum machen. „Das gehört im Herbst dazu, dass man sich bei den Ringkämpfen trifft“, betont Hennig, dessen Verein vor allem von der guten Jugendarbeit lebt. Nachhaltigen Schaden hat der KSV bisher nicht genommen. „Wir sind da gut durch die Krise gekommen und haben auch keine Unterstützung durch den WLSB beantragt. Da gibt es andere Vereine, die es eher brauchen.“

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