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Corona

Warnstufe trifft den Breitensport

Chancenungleichheit? Hohe Kosten? Spielausfälle? Die Corona-Warnstufe hat Auswirkungen auf den Breitensport. Zumindest rechtlich scheinen die Verbände laut einem Experten abgesichert zu sein.

Mit der Warnstufe brechen für Amateurhandballer womöglich schwierige Zeiten an. Foto: Eibner
Mit der Warnstufe brechen für Amateurhandballer womöglich schwierige Zeiten an. Foto: Eibner

Ludwigsburg. Wenn ab heute die Corona-Warnstufe gilt, hat das Auswirkungen auf den Sportbetrieb der erwachsenen Amateure. Sport im Innenraum und Kabinennutzung ist nur für Geimpfte, Genesene und durch einen PCR-Test getestete Sportler möglich. Freiluftsport ist weiter mit Antigen-Schnelltests möglich. Betroffen sind also vor allem Hallensportarten.

„Ich befürchte schon, dass es Auswirkungen auf den Spielplan hat“, sagt André Zwirner, Vorstandsmitglied des Handballvereins HB Ludwigsburg. Hat eine Mannschaft mehrere ungeimpfte Spieler, wirft das einige Fragen auf: Wer bezahlt die zwei bis drei nötigen PCR-Tests pro Woche (ab ca. 30 Euro)? Was passiert, wenn sich Spieler die Tests nicht leisten können oder wollen und ausfallen? Wird eine ganze Mannschaft dafür bestraft, wenn sich Einzelne im Team nicht impfen lassen wollen? „Das ist eine Wettbewerbsverzerrung. Wir haben keine Impfpflicht, dann sollte man nicht so stark in die Persönlichkeitsrechte eingreifen“, gibt Zwirner zu bedenken. Er plädiert dafür, es bei Schnelltests zu belassen und die verstärkt zu schützen, die akut gefährdet sind. „Bei uns sind aber meines Wissens nach fast alle geimpft.

Auch beim TV Möglingen sind laut Abteilungsleiterin Stephanie Bermanseder die meisten geimpft. Die Drittligahandballerinnen fallen unter Spitzensport und unterliegen anderen Hygienevorschriften, doch der Breitensport im Verein ist betroffen. „Es gibt auch im Handball ungeimpfte Spieler, Trainer und Schiedsrichter“, betont Bermanseder – hauptamtlich beim Handballverband angestellt –, und sieht auf den Spielbetrieb vor allem bei der Alarmstufe Probleme zurollen. Denn sollte sich die Entwicklung weiter zuspitzen, ist Innensport nur noch unter 2G-Voraussetzungen möglich, Freiluftsport unter 2G oder mit PCR-Test. Der Handballverband hat im Vorfeld Regeln getroffen. Solange unter den gültigen Vorschriften fünf Spieler zur Verfügung stehen, muss angetreten werden, notfalls in Unterzahl.

Der Bezirksvorsitzende der Ringer, Hans-Michael Raiser, sieht die größte Gefahr ebenfalls in der möglicherweise in einigen Wochen drohenden Alarmstufe. „Ich befürchte, dass es beim einen oder anderen Verein Probleme geben könnte.“ Der Verband habe Regelungen erlassen. So könne in diesem Fall die Zahl der Ringer reduziert werden. „Die meisten Sportler sind geimpft, und deshalb hoffe ich, dass wir den Wettbewerb aufrechterhalten können“, betont Raiser. „Die Vereine halten sich an die Vorgaben und haben sehr gute Konzepte. Ich war am Wochenende beim KSVNeckarweihingen, dort waren Sportler und Zuschauer strikt getrennt und trotzdem eine gute Stimmung.“

Sorgen im Amateurfußball richten sich auf die Alarmstufe

Auch im Fußball richten sich die Sorgen auf die Alarmstufe, wobei Sascha Becker, Trainer des Landesligisten SV Kornwestheim, anmerkt: „Massive Auswirkungen hat es auf das Soziale untereinander. Die einen sind in der Kabine, die anderen sind ausgeschlossen“, sagt der Coach und betont dabei, dass er ein Impfbefürworter sei und hinter allen Maßnahmen stehe, die der Gesundheit helfen.

In seiner Mannschaft gebe es drei, vier ungeimpfte Spieler. „Wir sprechen darüber und über die Konsequenzen. Aber es ist nicht meine Aufgabe, Spieler zum Impfen zu zwingen“, so Becker weiter. „Es ist ein Impfzwang durch die Hintertür, da würde ich mir lieber eine klare Entscheidung der Politik wünschen. So wird unterschwellig ein Keil dazwischen getrieben.“

Allzu große Auswirkung hat die Warnstufe indes nicht für den SGV Freiberg. Der Fußball-Oberligist hat nach Angaben des Sportdirektors Christian Werner nur einen nichtgeimpften Spieler im Kader. Dass der Oberliga-Spitzenreiter in der Zukunft Kosten für PCR-Tests übernehmen könnte, schließt Werner aus. „Wir lassen den Spielern die Möglichkeit offen, eine Meinung zu haben, aber sie müssen die Konsequenzen tragen. Wir werden als Verein keine PCR-Test-Kosten übernehmen“, sagt Werner. Unfaire Bedingungen im Falle des Ausrufens der Alarmstufe befürchtet er nicht: „Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wenn der eine oder andere das nicht wahrnehmen möchte, ist das sein gutes Recht.“

Bleibt die Frage, ob den Sportverbänden womöglich Klagen von Vereinen drohen, die sich durch die Maßnahmen benachteiligt fühlen. Etwaigen juristischen Beschwerden wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung räumt der Ludwigsburger Sportrechtsexperte Christoph Schickhardt kaum Chancen auf Erfolg ein. „Ich kenne keinen Fall, in dem ein Gericht einem Amateurverein bei einem Angriff auf solch eine Regelung recht gegeben hat“. Der Rechtsanwalt hat schon etliche Fußball-Bundesligisten vertreten und glaubt nicht daran, dass wegen möglicher Chancenungleichheit oder Ähnlichem ein Nachspiel droht. „Die Gerichte akzeptieren bislang die Entscheidungen der Verbände auf breiter Fläche. Bei der Schwierigkeit der Materie gibt es immer einzelne Ungereimtheiten, die aber nicht geeignet sind, die Richtigkeit des Ganzen infrage zu stellen.“ Schickhardt selbst sei gegen einen Impfzwang, „aber jeder muss die Konsequenzen selbst tragen, wenn er eine Entscheidung trifft, und die Rechtsordnung akzeptieren“.

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