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Tanzen

1. TC Ludwigsburg dreht den Spieß um

Der 1. Tanz-Club Ludwigsburg hat den Spieß umgedreht. Beim Bundesliga-Auftakt 2018 in der Rundsporthalle kassierte der Gastgeber von sechs der sieben Wertungsrichter die Eins und hielt Vizeweltmeister Braunschweiger TSC überraschend deutlich in Schach.

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Eleganz und Harmonie bestimmt die Darbietung der Ludwigsburger Standardformation.Foto: Baumann

Ludwigsburg. Bei der Schlussszene verlor Kapitän Dominik Kirchniawy total den Durchblick. Masha Novikova, auf der Schulter ihres Tanzpartners ins Publikum strahlend, wickelte ihm die Federboa samt Kleid so kunstvoll um die Nase, dass dem 23-Jährigen die Sicht auf die Haupttribüne und die begeistert applaudierenden Zuschauer verwehrt blieb.

Das köstliche Missgeschick konnte den großartigen Auftritt der Standardformation des 1. TC Ludwigsburg beim Bundesliga-Auftakt nicht trüben. Mit einer beeindruckenden Steigerung im großen Finale wurde das Team des Trainer-Ehepaares Norman und Dagmar Beck von sechs der sieben Wertungsrichter auf Platz 1 gesetzt und revanchierte für die bei der Weltmeisterschaft gegen den Erzrivalen Braunschweiger TSC erlittene Niederlage.

Dritter wurde der TSC Schwarz-Gold Göttingen, der Braunschweig immerhin zwei Zweier abluchste und bestätigte, dass Platz 2 bei den deutschen Titelkämpfen im November – hinter Ludwigsburg und vor Braunschweig – keine Eintagsfliege gewesen war.

Der 1. TCL brillierte mit tänzerischer Qualität, Dynamik, Athletik und der Ausdruckskraft der Emotionen. 4:30 Minuten zeigten die Gastgeber die von Coach Beck immer wieder geforderte Deckungsgleichkeit mit der Musik und jene Mischung aus Tempo und Innehalten, die die Choreografie Kontraste auszeichnet.

Auch Braunschweig (Light and Darkness) und Göttingen (Postmodern Jukebox) entwarfen präzise Bilder und fließende Übergänge. Doch ihnen fehlte ein Spannungsbogen, der die Zuschauer wie beim Ludwigsburger Vortrag von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln vermag. „Im Finale sind wir ganz aufgeblüht und haben richtig Kontraste gezeigt“, stellte Dominik Kirchniawy nach einem „stressigen Tag“ strahlend fest.

Ein Kompliment zollte der Kapitän dem „Frischling“ im Team. Erst vor vier Wochen war der 17-jährige Andrej Cicoare ins Formationstraining eingestiegen und meisterte seine Premiere an der Seite der ins Team zurückgekehrten Milena Wiederhold mit Bravour: „Die Aufregung war groß, aber sobald man auf den Parkett ist, hat man einen Tunnellblick.“ Cicoare, der in Bietigheim-Bissingen wohnt und am Otto-Hahn-Gymnasium dem Abitur entgegengeht, tanzt seit zehn Jahren beim TCL.

Von einer besonderen Ehrung wurden Manuel Weber (29) und Patrick Esch (26) nach dem Finale überrascht. Für 50 Team-Einsätze erhielten beide die Formationsehrennadel des Tanzsportverbandes Baden-Würrttemberg. Esch hat die meisten Auftritte für Gießen absolviert und nun nach dem Wechsel nach Ludwigsburg die runde Zahl voll gemacht.

Den Titel seiner sportlichen Choreografie durchlebt der TCL in diesen Tagen auf schreckliche Art und Weise. Präsidentin Gaby Wulff bat die Zuschauer um einen Moment des Gedenkens an die beim Skifahren tödlich verunglückten Vereinsmitglieder Mia und Petra Theurer. Die elfjährige Mia wäre am Samstagabend im Rahmenprogramm tänzerisch in Aktion getreten. Trauerfeier am Freitag in Remseck-Aldingen, tags darauf tanzten die Sportlerinnen und Sportler mit Trauerschleifchen zum Sieg. Das Leben zeichnet manchmal sehr bittere Kontraste.