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Tanzsport

WM-Krone bleibt in Westsibirien

Mit einer starken Vorstellung ist der 1. Tanz-Club Ludwigsburg auf die internationale Bühne zurückgekehrt. Bei der WM gewann die Standardformation die Bronzemedaille. Gold ging an Vera Tyumen (Russland) vor Gastgeber Braunschweig, der vom Heimvorteil profitierte.

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Glänzende Darbietung des 1. Tanz Clubs Ludwigsburg, aber am Ende reicht es in Braunschweig nur für WM-Bronze.Foto: Frank Rieseberg

Ludwigsburg. Braunschweig. Die Krone im Standardtanzen bleibt in Westsibirien. Die Athletinnen und Athleten von Vera Tyumen überzeugten vor über 4000 Zuschauern in der Volkswagenhalle durch tänzerische Perfektion und Synchronität. Für die deutschen Teams gab es erneut kein Vorbeikommen an der russischen Tanzmaschine, die ihr Programm robotergleich herunterspult.

Als frischgebackener deutscher Meister hatte der 1. TC Ludwigsburg mit seiner gefühlvollen Choreografie Kontraste mit der Silbermedaille spekuliert, doch es gab lange Gesichter, als der DM-Dritte Braunschweiger TSC im Finale vorbeizog und sich Platz 2 sicherte. Danach begann wieder die Diskussion um Wertungsrichter und Benotungen, trotz des neuen Systems mit vier Beurteilungskriterien.

„Mit dem Ergebnis von Tyumen kann ich leben. Die sind wirklich bärenstark“, fasste TCL-Trainer Norman Beck zusammen und schüttelte dann den Kopf: „Aber mit dem Ergebnis von Braunschweig komme ich nicht klar. Dessen Zuwachs an Punkten von der Vorrunde bis zum Finale kann ich nicht nachvollziehen.“

Das internationale Wertungsrichter-Gremium aus zwölf Nationen setzte offenbar andere Akzente als die Juroren vor zwei Wochen bei den deutschen Titelkämpfen in Bremen, wo die Braunschweiger hinter Ludwigsburg und Göttingen auf Platz 3 gelandet waren. „Wir haben zum Schluss unsere beste Leistung gezeigt“, unterstrich Kapitän Dominik Kirchniawy die Steigerung seines Teams im Verlauf des Wettkampfs am Samstagabend. Und Manuel Weber stellte klar: „Von unserem Gefühl her haben wir uns vor Braunschweig gesehen.“ Zum hochklassigen WM-Finale marschierten die Top 3 der Welt gleich zu Beginn hintereinander auf die Fläche. Die perfekt eingespielten Russen legten mit „Always Shining Star“ 35,292 von 40 möglichen Zählern vor. Es folgten die acht Ludwigsburger Paare, die den Langsamen Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep sechs Minuten lang mit Herzblut aufs Parkett zeichneten.

Kirchniawy und Co. feuerten sich gegenseitig an, gaben alles und beeindruckten selbst das einheimische Publikum mit fließenden Übergängen, mit Dynamik und athletischen Elementen. „Man erlebt es nicht oft, dass man in Braunschweig Standing Ovations bekommt. Mit dem zweiten Platz wären wir zufrieden gewesen“, schilderte Olga Woltschanskaja ihre zwiespältigen Gefühle. Es blieb ein schaler Beigeschmack.

„Ich bin erstaunt, dass wir nur mit 34,625 Punkten rausgehen“, kommentierte ein enttäuschter Norman Beck das Resultat, das seinem Widerpart Rüdiger Knaack den Konter ermöglichte. Mit 35,158 Zählern zogen die Braunschweiger mit ihrer neuen Choreografie Light&Darkness völlig überraschend noch an den Ludwigsburgern vorbei. Dahinter hatten Triumph Ufa (Russland), DSV Dance Impression (Niederlande) und Szilver TSE (Ungarn) nichts mit der Medaillenvergabe zu tun.

Norman Beck würdigte den enormen Trainingsaufwand der TCL-Sportlerinnen und Sportler in den vergangenen Monaten: „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Für acht Leute von uns ist es das beste Ergebnis ihrer Laufbahn. Die Mannschaft hat gefightet und braucht sich nichts vorzuwerfen.“ In der Tat: Ludwigsburg verließ erhobenen Hauptes das Parkett in der Volkswagenhalle. „Wir können stolz sein auf unsere Leistung“, betonte Manuel Weber.