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Ein unmoralisches Angebot?

Mega-Deal der FIFA wirft viele Fragen auf

FIFA-Chef Infantino will einen Mega-Deal abschließen, der dem Weltverband 25 Milliarden Dollar bringen soll. Das klingt extrem verlockend. Doch welche Konsequenzen hätte das Geschäft? Moralisch wie ökonomisch sind noch sehr viele Fragen offen.

Gianni Infantino
Mächtigter Mann im Weltfußball: FIFA-Präsident Gianni Infantino. Foto: Matthias Schrader/AP

Kaiserau (dpa) - DFB-Chef Reinhard Grindel ist ein Kritiker des von FIFA-Boss Gianni Infantino forcierten Milliarden-Deals um die Rechte an neuen Wettbewerben und weiteren Lizenzen. Immer noch fehlen laut Grindel wichtige Informationen.

Bevor über wirtschaftliche Details entschieden wird, müssen laut Grindel ohnehin diverse sportliche Fragen geklärt werden. Vieles an dem Geschäft wirkt weiter nebulös.

Worum geht es bei der Milliarden-Offerte?

Das Angebot klingt verlockend. Investoren bieten der FIFA 25 Milliarden Dollar für die Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams und einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Wie nun erst detailliert durch die Berichte von «Süddeutscher Zeitung» und WDR publik wurde, wollen die Geldgeber aber auch noch viel mehr andere Lizenzrechte zum Beispiel zur weltweiten Digitalvermarktung oder Archivmaterial aus dem FIFA-Fundus als bislang angenommen. Der Weltverband würde damit grundlegende Ressourcen seiner Vermarktungsmöglichkeiten veräußern.

Wer steckt hinter dem Deal?

Das ist weiter nicht ganz klar. FIFA-Boss Infantino verweist auf eine Verschwiegenheitsklausel. Durch Medienrecherchen wurde publik, dass ein Technikkonzern in Japan und ein Konsortium aus England das Angebot lancierten. Allerdings kommen die tatsächlichen Geldgeber wohl aus der Golfregion und da angeblich vornehmlich aus Saudi-Arabien. Das würde die FIFA vor moralische Probleme stellen, angesichts der internationalen Kritik nach der Ermordung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Warum will FIFA-Präsident Gianni Infantino das Geschäft?

Infantino, da macht er kein Geheimnis draus, geht es ums Geld. Das Geschäft würde dem Weltverband auf einen Schlag enorme Finanzmittel in die seit der Skandalzeit um Ex-Chef Joseph Blatter nicht mehr prall gefüllten Kassen spülen. Kritiker werfen dem Schweizer aber vor, durch den Deal auf lange Sicht die ökonomische Unabhängigkeit des Weltverbandes zu gefährden. Im Raum steht auch der Vorwurf, Infantino würde sich durch den Deal gute Verbindungen in der Geschäftswelt erhalten - möglicherweise auch für die Zeit nach seinem FIFA-Amt.

Warum wehren sich die europäischen Funktionäre um DFB-Boss Reinhard Grindel?

So merkwürdig es klingt, die Europa-Fraktion im FIFA-Council ist so etwas wie das moralische Gewissen des Weltverbandes. Schon bei der Vergabe für die WM 2026 mussten Grindel und seine Kollegen Infantino in einer Council-Sitzung an die Regeln erinnern. Man habe verhindert, dass Infantino ein «Mandat ins Blaue» erhalten habe, sagte Grindel nun über die Kontrollfunktion beim Mega-Deal. Die Skepsis hat aber auch pragmatische Gründe. Club-WM und globale Nationenliga hätten einen massiven Einfluss auf die reichen europäischen Top-Clubs und Nationalmannschaften. Gegenwind von Real Madrid, FC Bayern und Co. sowie Nachteile für eigene UEFA-Wettbewerbe wie die gerade gegründete europäische Nations League sollen unbedingt vermieden werden.

Was würden die neuen Wettbewerbe sportlich bedeuten?

Auch hier liegt noch vieles im Ungewissen. Unklar ist, ob die Club-WM alle vier oder alle zwei Jahre stattfinden soll. Format und Ablauf der globalen Nations League sind auch nicht im Detail formuliert. Interessenkonflikte sind nicht ausgeschlossen. So ist eine Verschiebung der Club-WM in den Sommer problematisch, da in den turnier-freien ungeraden Jahren wie 2021 die UEFA ihr Final-Turnier der eigenen Nations League veranstaltet und ein fixer Spieltag der WM-Qualifikation vorgesehen ist. Die Clubs würden hohe Kompensationen fordern - ihre Top-Spieler wären dann in jedem Sommer im Turnier-Einsatz.

Wie geht es weiter mit dem Mega-Deal?

Grindel und seine Kollegen haben Infantino zur Gründung eine Task Force gedrängt. Dieses Gremium mit Vertretern aus allen sechs Konföderationen und der FIFA tagte erstmals am Donnerstag per Telefonschalte. Für Dezember ist ein Meeting in Paris geplant. Beim Council-Treffen am 14. und 15. März in Miami hofft Infantino auf eine Entscheidung. Grindel hat es nicht so eilig. Die Task Force berät nämlich nur die sportliche Machbarkeit der Wettbewerbe. Die ökonomischen Unwägbarkeiten müssen noch separat diskutiert werden.

FIFA-Pressemitteilung zur Task Force

FIFA-Council