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Schwimm-WM

Wellbrock bejubelt Silber: «Noch nie so gut geklappt»

Es geht auch über 800 Meter. Florian Wellbrock holt bei der WM Silber. Das deutsche Beckenteam hat nun schon mehr Medaillen gewonnen, als bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften.

Siegerehrung
Der Zweitplatzierte Florian Wellbrock (l-r), Sieger Bobby Finke aus den USA, und der Ukrainer Michailo Romantschuk auf dem Podium. Foto: Petr David Josek

Budapest. Glücklich über WM-Silber auf seiner Sorgen-Strecke klatschte Florian Wellbrock mit seinem ukrainischen Trainingskumpel Michailo Romantschuk ab.

Gleich in seinem ersten WM-Finale von Budapest zeigte Wellbrock in deutscher Rekordzeit, dass mit ihm bei diesen Schwimm-Weltmeisterschaften so richtig zu rechnen ist. «Das war ein super Einstand», sagte der 24-Jährige. «Es hat über die 800 Meter noch nie so gut geklappt wie heute.» Wellbrock schlug am Dienstag über 800 Meter Freistil in nationaler Rekordzeit von 7:39,63 Minuten an und bescherte dem Deutschen Schwimm-Verband bereits die dritte Medaille dieser WM.

«Nochmal ne andere Farbe hier aus dem Becken holen»

«Es ist die dritte Silbermedaille fürs Team», stellte Wellbrock in den Katakomben der Duna Arena zufrieden fest und ergänzte mit einem Lächeln: «Vielleicht können wir nochmal ne andere Farbe hier aus dem Becken holen, sonst ist es langweilig.» Drei WM-Podestplätze für das deutsche Beckenteam hatte es zuletzt 2015 und damit noch zu aktiven Zeiten von Freistil-Ass Paul Biedermann gegeben.

Wellbrock musste sich nur dem siegreichen Bobby Finke aus den USA geschlagen geben. Bronze ging an Romantschuk. «Im ersten Moment habe ich mich ein bisschen geärgert, dass ich Gold verloren habe, obwohl die Zeit so schnell war», sagte Wellbrock. «Aber dennoch: Mit dem deutschen Rekord bin ich super zufrieden.»

Im Finale setzte sich Romantschuk nach etwa der Mitte des Rennens an die Spitze. Wellbrock, Gregorio Paltrinieri aus Italien und Finke bildeten das Verfolger-Trio. Im Schlussspurt war Finke wie schon bei seinem Olympiasieg im vergangenen Sommer der Stärkste, doch auch Wellbrock schwamm stark.

Die Besondere Beziehung zu Romantschuk

Zu Bronzegewinner Romantschuk hat Wellbrock eine besondere Beziehung. Die beiden sind nicht nur Kollegen und Konkurrenten, sondern auch Freunde. Wellbrock hatte den Ukrainer wegen des Krieges in dessen Heimat nach Rücksprache mit Bundestrainer Bernd Berkhahn in seine Trainingsgruppe aufgenommen. «Wenn zwei Leute aus einer Trainingsgruppe aufs Podium schwimmen, dann spricht das für sich», sagte Wellbrock. «Das freut mich natürlich für ihn mit.»

Romantschuk hatte in Budapest in einem emotionalen Interview bereits gesagt: «Wenn mich kein deutsches Team eingeladen hätte, wäre ich nicht hier.» Bei der Siegerehrung klopfte er sich auf das ukrainische Wappen über dem Herzen und weinte. Nach der US-Hymne für Finke lächelten die drei Medaillengewinner in die Kameras.

Eine spezielle Silbermedaille für Wellbrock

Für Wellbrock war seine Silbermedaille auch deshalb etwas Spezielles, weil es seine erste Medaille bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften auf dieser Strecke war. Der Ausnahmeschwimmer, der bei Langstrecken-Fachmann Berkhahn in Magdeburg trainiert, war bei der vergangenen WM in Südkorea über 800 Meter noch völlig überraschend im Vorlauf ausgeschieden. Bei Olympia in Tokio hatte er Rang vier belegt. Ein Platz auf dem Treppchen sei sein «Anspruch», hatte Wellbrock als Ziel formuliert.

Das erfüllte er und durfte sich nach Gold über 1500 Meter im Becken und zehn Kilometer im Freiwasser 2019 über sein insgesamt drittes Edelmetall bei Langbahn-Weltmeisterschaften freuen. Für den Freiwasser-Olympiasieger soll die Medaille erst der Anfang in Ungarn sein. «Jetzt heißt es erstmal regenerieren. 1500 Meter sind mein bestes Steckenpferd», sagte Wellbrock am vierten Wettkampftag von Budapest, an dem der Ungar Kristof Milak in 1:50,34 Minuten seinen eigenen Weltrekord über 200 Meter Schmetterling verbesserte.

Wellbrock will seine Titel verteidigen und in der zweiten WM-Hälfte im Lupa-See auch über fünf Kilometer und mit der Staffel um das Podium mitschwimmen. Die «andere Farbe» könnte nicht nur einmal Gold sein.

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