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Zwei Haudegeninden besten Jahren

Ehemalige Tischtennis-Ikone Seppl Gauder wird 80, Elmar Stegmann bald 85

Tischtennisschläger als Lebenselixier: Elmar Stegmann (links) und Seppl Gauder im Sportgeschäft in Bietigheim-Bissingen. Foto: Wagner
Tischtennisschläger als Lebenselixier: Elmar Stegmann (links) und Seppl Gauder im Sportgeschäft in Bietigheim-Bissingen. Foto: Wagner

Bietigheim-Bissingen. Zum Gespräch im Vorfeld seines 80. Geburtstags hatte Seppl Gauder auch einen alten Weggefährten eingeladen. Mit Elmar Stegmann, dem früheren Tischtennis-Nationalspieler, taucht er immer wieder gerne ein in die Erinnerungen an gemeinsame sportliche Stationen, an besonders spannende Ballwechsel und an das prickelnde Flair von Meisterschaften.

Beim Interview wird auch die außergewöhnliche Kameradschaft spürbar, die im Lauf der Jahrzehnte bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist. Stegmanns Satz sagt alles: „Der Seppl ist mein bester Freund.“ Heute feiert Gauder seinen 80. Geburtstag. „Ich hatte in meinem ganzen Leben keine Zeit, darüber nachzudenken, wie alt ich bin, weil ich immer Ziele hatte und diese verfolgt habe.“

Gauder erinnert sich, wie er als junger Kerl oft stundenlang vor dem Schaufenster des damaligen Sportgeschäfts Eisenhardt in Ludwigsburg gestanden ist, sich nicht sattsehen konnte an dem Angebot hinter der Scheibe und sich dabei wünschte, selber einmal einen solchen Laden zu besitzen. Tatsächlich wurde „Sport Gauder“ 1973 in Schwieberdingen eröffnet. Der „Seppl“ unterstreicht, welch wichtige Stütze ihm seine Frau Liane in all den Jahren gewesen ist. Heute führen Sohn Frank und dessen Frau Heike in Bietigheim-Bissingen ein Unternehmen mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche auf zwei Ebenen. „Die Schlägerproduktion hat die Grundlage geschaffen für all dies hier“, erklärt Heike Gauder mit Blick auf die erst kürzlich renovierten Räumlichkeiten.

Tischtennisschläger sind Seppl Gauders Lebenselixier. In seinen Werkstätten – erst in Schwieberdingen, später in Enzweihingen – stellte er jahrzehntelang im Verborgenen die Schlägerhölzer für große Marken wie Joola, Hanno und Sunflex her. Offensivhölzer, Defensivhölzer, aus fünf oder gar sieben verleimten Schichten bestehend, mit unterschiedlich geformten Griffen – Gauders geschicktes Händchen wussten Insider zu schätzen.

Antiquiertes Schlägerholz

Die Lastwagenladung mit großen Spezial-Holzplatten, die er sich vor 20 Jahren aus dem italienischen Como heranschaffen ließ, hat er mit langem Atem aufgearbeitet. Erst vor ein paar Wochen ist er damit fertig geworden. Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit haben Gauder immer ausgezeichnet. Erstaunlich ist, dass er persönlich immer auf ein antiquiertes Schlägerholz setzte, und zwar auf ein nur dreifach verleimtes „Barna-Brettle“ (Noppen außen), das dem Defensivspezialisten die bestmögliche Ballkontrolle ermöglichte. Mit dem typischen Klang erregte Gauder immer wieder Aufsehen in den Sporthallen.

Das Highlight mit der SpVgg 07 Ludwigsburg: der süddeutsche Vizemeistertitel im Jahr 1959, der die Qualifikation für die „Deutschen“ bedeutete. Schon der Flug nach Berlin war für den blutjungen Seppl Gauder eine aufregende Geschichte. Ludwigsburg belegte den vierten Platz unter den besten deutschen Mannschaften.

Gemeinsam wurden Gauder und Stegmann württembergischer Pokalsieger. Dabei schalteten sie im Halbfinale Titelverteidiger SV Reutlingen aus. Elmar Stegmann eroberte mit dem PSV Stuttgart 1963 sogar den deutschen Pokal. Bei deutschen Einzelmeisterschaften hat Stegmann einen dritten Rang als beste Platzierung in seiner Bilanz. Er wurde ins Nationalteam berufen, das 1963 bei den Weltmeisterschaften in Prag den dritten Platz belegte. Heute ist Tischtennis nach zwei Schulteroperationen tabu für den in Freiberg wohnenden Stegmann. Dafür hält er sich dreimal pro Woche im Sportstudio fit. Am 30. September wird er 85. Die beiden Haudegen sind in die Jahre gekommen.

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