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Amazon: Vom Strohgäu aus auf die letzte Meile?

Onlineversandhändler prüft Ansiedlung eines Verteilzentrums mit 80 Arbeitsplätzen in Münchingen – Kein Einfluss auf Verkehrsbelastung

Auf diesem Areal nahe dem Münchinger Freizeitbad könnte Amazon bauen. Bis Sommer des vergangenen Jahres war es der Standort des Logistikunternehmens Agility.Foto: Holm Wolschendorf
Auf diesem Areal nahe dem Münchinger Freizeitbad könnte Amazon bauen. Bis Sommer des vergangenen Jahres war es der Standort des Logistikunternehmens Agility. Foto: Holm Wolschendorf

Korntal-Münchingen. Kommt ein Verteilzentrum von Amazon nach Münchingen? Und damit möglicherweise mehr Verkehr in den Stadtteil direkt an der A81-Anschlussstelle Zuffenhausen, der von einer Ansiedlung wie viele andere Standorte kaum steuerlich profitieren dürfte? Offiziell bestätigen will man entsprechende Gerüchte zwar nicht. Vielmehr heißt es, dass man eine Ansiedlung derzeit prüft, so ein Amazon-Sprecher auf Anfrage. Man stehe in einem „guten Austausch mit Stadt und Vermieter“. Standort wäre im Gewerbegebiet, zwischen der Aral-Tankstelle und dem Freizeitbad. Dort hatte bis zum Sommer 2020 die Firma Agility Logistics ihren Sitz, ehe sie nach Stuttgart-Zuffenhausen umzog. Mittlerweile ist das Gebäude umzäunt und bewacht, im Innern sind Abbrucharbeiten angekündigt, außen wurden die Anlieferbereiche saniert.

Mit einem Verteilzentrum – bundesweit gibt es mehr als 30, ein neues wird in Sindelfingen gebaut – kämen laut Amazon etwa 80 Arbeitsplätze nach Münchingen. Bei jenen Gebäuden, von denen aus Waren auf die „letzte Meile“ zum Kunden gebracht werden, kommen Pakete in Lkws auf einer Seite an, im Innern werden sie auf Förderbänder gelegt und nach Touren sortiert – nach Effizienz organisierte Routen, die der Fahrer eines lokalen Lieferpartners – laut Amazon kleine und mittlere Unternehmen – an einem Tag fährt. Der Amazon-Sprecher betont, dass an einem Verteilzentrum (in dem es kein Lager gibt) die Fahrer nicht gleichzeitig an- und zurückkommen und es deshalb keine Rückstaus gebe: „Die Auslieferung erfolgt in Wellen.“

Das einzige Amazon-Logistikzentrum samt Lager in Baden-Württemberg befindet sich in Pforzheim. Dass es nicht allzu weit entfernt künftig einen weiteren Standort geben soll, hält man bei der Gewerkschaft Verdi zwar für wenig plausibel, so die Antwort auf die ersten LKZ-Recherchen. Allerdings: Der Münchinger Standort hätte eine andere Funktion. Und im Frühjahr soll die auf vier Jahre terminierte Hauptphase der Sanierung des Engelbergtunnels beginnen, Lieferzeiten von Pforzheim aus auf der A81 in die Regionen vor allem nordwestlich von Stuttgart könnten sich aufgrund der erwarteten Staus verlängern.

Und auch bei der Stadtverwaltung von Korntal-Münchingen hat man den Verkehr im Blick, nicht zuletzt aufgrund des anstehenden Umbaus der überlasteten Tampoprint-Kreuzung als wichtiger Verbindung vom Gewerbegebiet zur B10 und A81. Dort sieht man durch die – nicht explizit dementierte – Ansiedlung von Amazon insgesamt aber keine höhere Belastung, sondern vielmehr „eine Verschiebung mit weniger Schwerlastverkehr und dafür mehr Kleintransporter-Fahrten“. Und auch Amazon selbst würde sich nicht ansiedeln, falls die üblichen Verkehrsgutachten ergeben, dass die vorhandene Infrastruktur nicht ausreiche, so das Unternehmen.

Dennoch: Hätte die Stadt einen Einfluss, hätte sie sich wohl gegen Amazon entschieden. „Natürlich wäre uns die Ansiedlung beispielsweise eines technischen Entwicklungszentrums mit vielen hochwertigen Arbeitsplätzen, hoher Wertschöpfung, geringem Flächenverbrauch und keinem Güterverkehr lieber gewesen. Aber erstens hat die Stadtverwaltung bei privaten Bestandsobjekten darauf keinen Einfluss, zweitens handelt es sich um eine auf Logistik ausgelegte Immobilie und kein Büroobjekt“, heißt es.

Infobox: 15 Logistikzentren

Mit dem ersten Verteilzentrum in München-Olching wurde 2015 die Zustellsparte Amazon Logistics gegründet. Das erste Logistikzentrum des Unternehmens wurde bereits 1999 in Bad Hersfeld eröffnet. Derzeit gibt es deutschlandweit 15 Logistikzentren, in denen Händler noch nicht bestellte Ware lagern. (wd)

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