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Autoverwerter fürchten um Existenz

Der Einbruch des Exportmarktes und geringe Schrottpreise machen den Autoverwertern zu schaffen. Die nächsten Monate werden wohl zeigen, welches Unternehmen in der Branche noch eine Zukunft hat.

Mendo Islami von der Autoverwertung Mack in Oßweil bekommt kaum noch Autos zum Ausschlachten. Fotos. Holm Wolschendorf
Mendo Islami von der Autoverwertung Mack in Oßweil bekommt kaum noch Autos zum Ausschlachten. Fotos. Holm Wolschendorf
Für ihren Schrott erhalten Autoverwerter nur noch wenig Geld.
Für ihren Schrott erhalten Autoverwerter nur noch wenig Geld.

Ludwigsburg. „Die Schrottindustrie sitzt in der Patsche“, sagt Mendo Islami, Inhaber der Autoverwertung Mack in Oßweil. Genau wie viele andere Schrotthändler im Umkreis bangt er um seine Existenz. Die Umsätze bewegen sich schon längere Zeit abwärts, doch seit Beginn der Coronakrise steht es noch schlechter um die Betriebe. Dabei waren die Schrotthändler einmal Teil eines selbstverständlichen Kreislaufs. Islami berichtet von Zeiten, in denen bei ihm jährlich noch etwa 1200 Autos abgegeben wurden. Heute seien es um die 300 Fahrzeuge. „Man kann von Einbußen um die 90 Prozent sprechen“, sagt der Autoverwerter.

Auch das Ehepaar Ketenci von der Autoverwertung (AV) Aldingen kann keine positiveren Zahlen nennen. Früher seien es ungefähr 50 Fahrzeuge in der Woche gewesen, heute nur noch ein oder zwei. Vor allem zwei Gründe machen sie für die Entwicklung verantwortlich. Autobesitzer fahren ihre Vehikel länger. Und ist der Tag dann doch gekommen und das Fahrzeug muss weg, versuchen sie dieses eher ins Ausland zu verkaufen. „Wenn jemand noch 50 bis 100 Euro für sein Auto bekommt, ist das immer noch besser, als für das Verschrotten Geld zu bezahlen“, versteht Islami diese Entscheidung. Gerade in Zeiten der Krise hätten die Menschen andere Sorgen und würden ihr Geld zusammenhalten. Doch die Branche profitiert davon, dass möglichst viele Autos im Umlauf sind. Derzeit kommen allerdings kaum noch welche auf den Schrottplatz.

Die Krise hat zudem den Exportmarkt einbrechen lassen. Es gebe zum Beispiel Probleme bei den Häfen, manche seien nur zweimal die Woche belieferbar. Andere, wie ein Containerhafen in Afrika, seien ganz geschlossen, so Cemal Ketenci. Seine Frau Aynur Ketenci erinnert sich noch an die Zeit, als sie sogar noch Autos einkauften. Das gaben sie jedoch auf, weil der Absatzmarkt inzwischen fehlt. Auch Islami klagt über die mittlerweile geringen Preise beim Verkauf des Schrottes an Großhändler. Die Preise würden sich immer der Nachfrage anpassen, gerade würde aber keine Nachfrage existieren. „Teilweise müssen wir sogar noch Gebühren zahlen, dass der Schrott abgeholt wird. Das ist ein doppelter Verlust", sagt er.

Die Schrotthändler haben heute keine Planungssicherheit mehr, können nicht abschätzen, wie es mit ihren Unternehmen weitergeht. In der AV Aldingen wurden schon einige Mitarbeiter entlassen, die restlichen acht sind in Kurzarbeit. Ursprünglich bestand das Team einmal aus 34 Leuten. Es sei wichtig vorauszuschauen, um rechtzeitig und fair zu handeln, sagt Cemal Ketenci. „Wir versuchen Mitarbeiter zu behalten, müssen natürlich aber unternehmerisch rechnen." Wie die meisten Betriebe konzentrieren sie sich nicht nur aufs Verschrotten, sondern engagieren sich auch in anderen Bereichen. Ihr Speditionsunternehmen halte sie über Wasser und decke die täglichen Kosten. „Ein Jahr würden wir schon noch durchhalten, aber dann ist Schluss“, sagt Ketenci.

Auch Islami weiß, dass sich in der Branche viele Kleinunternehmen tummeln, die allenfalls geringe Rücklagen haben. Seiner Prognose nach müssten sich Ende des Jahres die meisten Schrotthändler entscheiden, ob sie weitermachen oder aufgeben. Seine Mitarbeiter sind ebenfalls in Kurzarbeit, er musste aber noch niemanden entlassen. Islami hofft auf eine neue Prämie, wie zum Beispiel die Diesel-Abwrackprämie vor zwei Jahren. Sie habe mehr Arbeit gebracht, doch seitdem sei die Tendenz fallend.

Cemal Ketenci hofft ebenfalls auf bessere Zeiten: „Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, wir müssen das Beste draus machen. Aber ich denke, die klassischen Schrottplätze wird es in der Zukunft nicht mehr geben“, so der Autoverwerter aus Aldingen.

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