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Blumenhändler verlieren Kunden

Der Valentinstag naht, die Nachfrage nach Blumen bei den Bundesbürgern ist laut einer Umfrage ungebrochen. Die meisten Blumenhändler bekommen von diesem Geschäft jedoch kaum etwas ab.

Händler klagen darüber, dass viel vom Geschäft mit Blumen zum Valentinstag dieses Jahr wohl an die Supermärkte geht. Foto: Matt Crossick/dpa
Händler klagen darüber, dass viel vom Geschäft mit Blumen zum Valentinstag dieses Jahr wohl an die Supermärkte geht. Foto: Matt Crossick/dpa

Kreis Ludwigsburg. Geht man nach einer aktuellen Umfrage der Düsseldorfer Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners, wollen auch in diesem Jahr gut zwei Drittel der Befragten ihre Liebsten mit etwas Schönem überraschen. Jeder Vierte will demnach Blumen verschenken. Damit liegt der Bedarf an Blumen in diesem Jahr trotz der Pandemie kaum unter dem Vorjahresniveau.

Eine Umfrage unter Blumenhändlern im Landkreis Ludwigsburg zeigt: Nicht alle von ihnen verzeichnen eine besonders schwache Nachfrage zum 14. Februar. Alle bieten „Click & Collect“ an, doch fängt dies kaum den Umsatzrückgang durch die Geschäftsschließung auf. Zudem klagen die Händler darüber, dass ihnen Discounter und Supermärkte das Geschäft abnehmen würden, denn diese hätten ihr Blumenangebot in der Pandemiezeit aufgestockt.

Das Sortiment der Großhändler sei kaum eingeschränkt, wie Thabea Seitel von Thabea Floristik in Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg berichtet. „In den meisten anderen Bundesländern dürfen die Blumenläden öffnen, daher haben die Großhändler mit wenigen Ausnahmen ihr übliches Sortiment“, sagt Seitel. Durch den eingeschränkten Flugverkehr ist gerade vieles aus Übersee schwieriger zu bekommen. Das große Geschäft zum Valentinstag bleibt bei ihr aus: „Es ist bei Weitem nicht so viel Nachfrage wie in den Jahren ohne Corona.“

Für Blumengroßhändler Adrian Hoffmann von Blumen Hoffmann aus Ludwigsburg ist es schwer abzuschätzen, was er für seine Privat- und Geschäftskunden einkaufen soll. „Wir können nicht wirklich voraussagen, was Absatz finden wird“, so Hoffmann. So habe er schon vor Monaten für den Valentinstag rote Rosen bestellt, doch ist das Geschäft ruhiger als in den vergangenen Wochen.

Auch bei der Produktion in der eigenen Gärtnerei bereite die Pandemie Schwierigkeiten. Um das Wachstum der Pflanzen zu hemmen, haben seine Mitarbeiter und er die Temperatur in den Gewächshäusern etwas gekühlt. „Das verschiebt zwar die Blüte um einen Monat, aber irgendwann müssen wir ernten“, sagt Hoffmann. Durch die Geschäftsschließungen um die Weihnachtszeit musste er schon viel von seiner Produktion wegwerfen oder hatte sie gar nicht erst geerntet. „Einen Teil der Blumen haben wir auch an Altenheime verschenkt.“

Unter den Kunden herrscht laut Angelika Strecker von Blumen Strecker aus Sersheim wegen des „Hin und Her“ der Politik Unsicherheit, ob die Blumenläden überhaupt offen sind. Im Moment mache sie nur rund ein Viertel ihres Umsatzes. „Das reicht bei uns nicht zum Überleben“, sagt Strecker. Der Lockdown bis voraussichtlich März falle in alle Zeiträume, wo sie die meisten Einnahmen mache. „Ab Juli kommt das Sommerloch.“ Es fehle Planungssicherheit, klagt sie. Das Geschäft für den 14. Februar ist auch bei ihr verhalten. „Viele Käufe finden spontan im Laden statt, was ja im Moment nicht geht.“

Ein Unding findet Thabea Seitel, dass keine „Vertrauenskässle“ aufgestellt werden dürfen. Dies zu erlauben liege im Ermessen der kommunalen Ordnungsämter. „Gerade dieses Modell ist ein coronakonformer Weg, dass Kunden an ihre Blumen kommen“, sagt Seidel. Andere Gemeinden im Südwesten würden das lockerer nehmen. Auch Angelika Strecker hat im ersten Lockdown ein „Vertrauenskässle“ angeboten. Kunden hätten dies gut angenommen.

Wer bei Blumen Kocher in Ludwigsburg einkauft, der hat neben der Onlinebestellung außerdem die Möglichkeit, sich an deren Blumenautomaten zu bedienen. „Wir haben diesen Automaten schon seit über 20 Jahren“, sagt Inhaber Matthias Kocher. Dieser werde im Moment auch deutlich mehr genutzt. „Sonst frequentieren die Leute den Automaten am Wochenende und abends. Während der Pandemie kommen nun auch viele tagsüber“, sagt Kocher.

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