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„Bodenrichtwert wird scharf geschaltet“

Gutachterausschuss: Angaben spielen bei der Grundsteuerreform eine zentrale Rolle, da sie die Basis der künftigen Steuerbewertung sind

In Ludwigsburg auf der Hartenecker Höhe befindet sich die teuerste Wohnlage im Gebiet Ludwigsburg, Freiberg und Remseck. Der Bodenrichtwert beträgt dort pro Quadratmeter 980 Euro. Foto: LKZ-Archiv/Luftbild Werner Kuhnle
In Ludwigsburg auf der Hartenecker Höhe befindet sich die teuerste Wohnlage im Gebiet Ludwigsburg, Freiberg und Remseck. Der Bodenrichtwert beträgt dort pro Quadratmeter 980 Euro. Foto: LKZ-Archiv/Luftbild Werner Kuhnle

Ludwigsburg/Remseck/Freiberg.. Mit einem Appell hat sich der Gutachterausschuss Ludwigsburg und Umgebung an Grundstückseigentümer gewandt: „Kümmert euch um die Bodenrichtwerte“, sagt zum Beispiel Gerhard Waldbauer, der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses. Der Grund: Künftig soll unter anderem auf der Basis der Grundstücksflächen und der Bodenrichtwerte die Grundsteuer ermittelt werden. Das sieht die Grundsteuerreform in Baden-Württemberg vor, die bis 2025 umgesetzt werden soll.

„Der Bodenrichtwert wird, wenn man so will, scharf geschaltet“, erklärt Hans Schmid, der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Und auch Grundstückseigentümer würden in Zukunft verstärkt gefordert, denn sie müssen selbst den Bodenrichtwert gegenüber dem Finanzamt angeben. „Die Sache wird komplex“, lautet die Meinung im Gutachterausschuss, der die Bodenrichtwerte beschließt. Deshalb empfiehlt er Grundstückseigentümern, einen Blick auf die Homepage der Stadt zu werfen, wo die Werte veröffentlicht sind, um sich mit der Materie vertraut zu machen. Ab dem 1. Juli 2022 sollen gemäß dem neuen Grundsteuergesetz die Grundstückseigentümer unter anderem ihren Grundsteuerwert (Grundstücksgröße mal Bodenrichtwert) auf den Stichtag 31. Dezember 2021 den Finanzämtern zur Ermittlung des Steuermessbetrags mitteilen. Deshalb muss der Gutachterausschuss auch nächstes Jahr wieder Bodenrichtwerte zu diesem Stichtag ableiten und beschließen. Dies geschah bisher alle zwei Jahre. Die Abstände, zu denen die Werte festgesetzt werden müssen, werden also kürzer.

Der Gutachterausschuss Ludwigsburg, Remseck und Freiberg, der sich Anfang vergangenen Jahres zusammengeschlossen hat, hat nun für die drei Kommunen die neuen Bodenrichtwerte zum 1. Januar 2021 festgestellt. Stichtag ist der 31. Dezember 2020. Laut Ausschuss sind in Ludwigsburg die Bodenrichtwerte für Wohnbauland im Vergleich zum Stichtag 31. Dezember 2018 im Durchschnitt um 16 Prozent gestiegen. Der Anstieg im Jahr 2019 sei allerdings stärker als im Jahr 2020 gewesen. Ob sich die Kurve weiter abflacht, müsse abgewartet werden, hieß es.

Nach Angaben des Gutachterausschusses sind die Städte Ludwigsburg, Freiberg und Remseck hinsichtlich der Bodenrichtwerte in Gebiete eingeteilt, in denen die Grundstücke in Art und Charakter weitgehend übereinstimmen. Dies sind die sogenannten Richtwertzonen, von denen es insgesamt 250 gibt. Für jede Zone ist ein Bodenrichtwert für unbebautes, erschlossenes Bauland auszuweisen, der den dortigen durchschnittlichen Lagewert wiedergibt. „Der Bodenrichtwert ist Ausgangsbasis für fast jede Art der Immobilienbewertung, sei es für ein Verkehrswertgutachten, für die Beleihung des Grundstücks oder für steuerliche Zwecke“, stellt der Ausschuss fest. Der Wert ist allerdings nicht gleichzusetzen mit dem Verkehrswert, also dem aktuellen Marktwert einer Immobilie. „Der Bodenrichtwert ist das Fundament zur Ermittlung des Bodenwertes“, erklärt Olaf Dienelt, Geschäftsstellenleiter und stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses. Zur Ermittlung des Bodenrichtwertes hat der Gutachterausschuss Kaufverträge aus Ludwigsburg, Remseck und Freiberg ausgewertet. 1500 Verträge waren es für 2020, die der Ausschuss von Notaren erhalten hat.

Die Vertragsauswertungen haben ergeben, dass in Ludwigsburg die Hartenecker Höhe mit einem Bodenrichtwert von 980 Euro pro Quadratmeter die teuerste Wohngegend ist. In der Oststadt liegt der Quadratmeterpreis bei 975 Euro, in der Südstadt bei 970 Euro und in der Innenstadt bei 950 Euro. In Remseck ist Pattonville das teuerste Viertel mit 760 Euro pro Quadratmeter. In Freiberg wohnt man am teuersten im Ortsteil Geisingen am westlichen Ortsrand mit 800 Euro pro Quadratmeter.

Die günstigsten Wohngebiete liegen in Eglosheim mit 500 Euro pro Quadratmeter und in Neckarweihingen mit 550 Euro. In Poppenweiler gibt es eine Bodenrichtwertzone, in der der Quadratmeter nur bei 528 Euro liegt.

In Freiberg hat die günstigste Wohngegend einen Bodenrichtwert von 460 Euro. Und in Remseck im Stadtteil Hochdorf gibt es eine Richtwertzone, in der der Quadratmeterpreis 510 Euro beträgt.

INFO: Die neuen Bodenrichtwerte sind für jedes Grundstück im Internet kostenlos abrufbar unter https://bodenrichtwerte.ludwigsburg.de oder unter der Telefonnummer (07141) 910-4620.

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