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Die Spritpreise steigen und steigen

Die hohen Preise für Benzin und Diesel werden hier an einer Ludwigsburger Tankstelle angezeigt .Foto: H. Wolschendorf
Die hohen Preise für Benzin und Diesel werden hier an einer Ludwigsburger Tankstelle angezeigt .Foto: H. Wolschendorf
Auswirkungen des Ukraine-Krieges – Debatte um Pendlerpauschale erneut entbrannt – ADAC: Abends tanken

Ludwigsburg/München.. Russlands Krieg in der Ukraine und die daraus resultierende zunehmende Nervosität am Rohölmarkt lassen den Rohölpreis steigen. Im Tagesrhythmus klettern in Deutschland inzwischen die Benzin- und Dieselpreise auf immer neue Rekordhöhen. Hauptursache für die stark steigenden Spritpreise seien die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf die Rohölnotierungen, sagte Alexander Schnaars zu unserer Redaktion. „Hinzu kommen wachsende Sorgen um mögliche Lieferausfälle“, ergänzte der ADAC-Sprecher.

Der Preis für Super E10 kletterte in Deutschland am Dienstag auf durchschnittlich 1,827 Euro pro Liter, wie der Autoclub ADAC mitteilte, gut ein Cent mehr als am Montag und 8,6 Cent mehr als vor einer Woche. Diesel verteuerte sich auf 1,756 Euro, zwei Cent mehr als am Montag und gut zehn Cent mehr als vor einer Woche. Der Spritpreis hat mancherorts die Zwei-Euro-Marke übersprungen, eine neue Rekordhöhe. Tanken wird noch teurer werden, befürchten Experten.

Super Plus über zwei Euro

Im Kreis Ludwigsburg müssen die Autofahrer für Sprit zum Teil noch tiefer in den Geldbeutel greifen. Ausgewählte Tankstellen von Aral, Agip, Jet, Ran oder Shell wiesen am Mittwoch im Kreisgebiet je nach Tageszeit und Ort Literpreise zwischen 1,859 und 1,979 je Liter Super (E10) aus, beim Diesel reichten die Preise von 1,799 bis 1,879 Euro pro Liter. Die Zwei-Euro-Grenze wurde allerdings nur bei Super Plus überschritten, das bei Aral in Gerlingen 2,039 Euro je Liter kostete. Auch bei Tankstellen in Ludwigsburg war Super Plus mit Preisen zwischen 1,989 Euro und 2,039 Euro teuer.

Bei Ran in Ditzingen waren gestern auf den Hinweis-Displays Literpreise von 1,809 Euro für Diesel und 1,889 Euro für Super E10 zu sehen. Vor einem Monat kosteten der Diesel hier noch 1,669 Euro, 1,739 Euro Super E10 und 1,799 Super E5. Bei Jet in Ludwigsburg zeigten die Anzeigen für Super E10 gestern 1,859 Euro je Liter und 1,819 Euro für Diesel. Zum Vergleich: Anfang Februar war hier Super E10 im Schnitt sechs Cent günstiger, Diesel elf Cent der Liter. Bei Shell in Asperg lagen die Preise in diesem Zeitfenster bei 1,829 für Diesel und 1,879 Euro für Super E10. Bei der Ludwigsburger Agip-Tankstelle kostete der Liter Diesel 1,809 Euro und Super E10 1,869 Euro. 1,909 Euro für Super E10 und 1,849 Euro für Diesel mussten die Fahrer bei Aral in Möglingen ausgeben. Bei Hoffmann Tankstellen in Ludwigsburg kostete der Liter Diesel 1,799 Euro und Super E10 1,859 Euro.

„Autofahrer sollten alle Möglichkeiten zum Sparen nutzen“, so Schnaars. „Auswertungen zeigen, dass Benzin und Diesel morgens gegen sieben Uhr am meisten kosten, in den Abendstunden zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten sind. Wer dann tankt, kann im Schnitt bis zu sieben Cent je Liter sparen.“ Auch zwischen den Markentankstellen gebe es Preisunterschiede von bis zu sechs Cent. Allerdings haben die Markentankstellen keinen Einfluss auf die Preise, da diese von den Konzernzentralen aus gesteuert und mehrfach täglich geändert werden. Abgaben und Steuern machen zudem einen Großteil der Spritkosten aus.

Beim Wirtschaftsverband Fuels und Energie rechnet man mit höheren Belastungen. „Die Lage an den Märkten dürfte in nächster Zeit angespannt bleiben“, so ein Sprecher. Auch wenn die von der Internationalen Energieagentur ebenfalls beschlossene Freigabe von Ölreserven für „eine leichte Entspannung“ sorgen könnte.

Angesichts der Preisentwicklung werden Forderungen laut, bei der Pendlerpauschale nochmals nachzulegen. Unionsfraktionsvize Ulrich Lange (CSU) sagte unserer Redaktion, eine „dynamische Anpassung“ sei jetzt angebracht. „Das heißt, eine Pendlerpauschale, die automatisch mit dem Spritpreis steigt und die Inflation ausgleicht.“ Es sei jetzt wichtig, „dass unsere Autofahrer nicht alleine gelassen werden“.

Erhöhung der Pendlerpauschale

Die Ampel-Regierung hatte kürzlich in ihrem Entlastungspaket eine Erhöhung der Pendlerpauschale für Fernpendler auf 38 Cent rückwirkend zum 1. Januar 2022 beschlossen. „Das reicht nicht“, ergänzte Lange. „Angebracht wäre auch eine Erhöhung der Pauschale ab dem ersten Kilometer.“ Eine Forderung, der sich auch der ADAC anschloss.

Claudia Kemfert, Energieökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), warnte freilich davor, auf dieses Instrument zu setzen. „Die Erhöhung der Pendlerpauschale ist sozial ungerecht, weil insbesondere Bezieher höherer Einkommen bevorteilt werden.“ Die Regierung müsse stattdessen ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld einführen, das für alle Haushalte entlastend wirke. Auch Kemfert betonte: „Der Krieg treibt die Ölpreise.“ Entspannung sei nicht in Sicht.