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Digiscouts in Runde zwei

Digiscouts bei Konzelmann (von links): Adrian Bozhdaraj (Verfahrensmechaniker), Julian Kolder (technischer Produktdesigner), Tamara Weiler und Sophia Schnaufer (beide Industriekauffrauen). Foto: Konzelmann
Digiscouts bei Konzelmann (von links): Adrian Bozhdaraj (Verfahrensmechaniker), Julian Kolder (technischer Produktdesigner), Tamara Weiler und Sophia Schnaufer (beide Industriekauffrauen). Foto: Konzelmann
Fünf Azubis befassen sich bei dem Löchgauer Unternehmen Konzelmann mit der Digitalisierung

Löchgau/Stuttgart. Digiscouts treiben während der Coronakrise die Digitalisierung in ihren Betrieben voran. Die Projektideen der teilnehmenden Auszubildenden, die spannende Digitalisierungsprojekte mit viel Eigenverantwortung umsetzen, sollen allen zugutekommen. Insgesamt zehn Digiscouts-Projekte sind in Unternehmen in der Region Stuttgart Mitte Mai erfolgreich angelaufen.

Als einziges Unternehmen aus dem Kreis Ludwigsburg ist die Konzelmann GmbH aus Löchgau mit dabei. Bei dem Kunststoff-Spezialisten, der im Bereich Automotive, der Industrie- und Medizintechnik tätig ist, befassen sich fünf Azubis mit einem Projekt. „Es ist eine tolle Gelegenheit, junge Menschen an so ein Thema heranzuführen“, sagt Kathrin Ruof von der Ausbildungsleitung, die das Projekt betreut. Die Azubis werden die Sicherheitsunterweisung digitalisieren“, erklärt Ruof das Projekt der Löchgauer Digiscouts. Dazu werden die Azubis auch ein Video drehen, das sich jeder der insgesamt 250 Mitarbeiter dann am System ansehen könne. „Wir sind aber noch ganz am Anfang des Projekts“, betont Ruof, die das Projekt mit ihrem Kollegen Udo Bulling betreut. Zunächst müssten die Digiscouts ihre Vorgehensweise ausarbeiten, die Informationen mit der Arbeitssicherheitsfachkraft quer durch das Unternehmen beschaffen und sich dann mit den IT-Experten überlegen, wie die Sicherheitsunterweisung ins Computersystem integriert werden könne. Mit Ergebnissen rechnet sie im Oktober. Im November sollen die Projekte aus der Region Stuttgart dann vorgestellt werden.

Doch was steckt eigentlich hinter den Digiscouts? Das vom RKW Kompetenzzentrum bundesweit ins Leben gerufene und nun bereits zum zweiten Mal von der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) und der Handwerkskammer Region Stuttgart (HWK) umgesetzte Projekt hat eine Laufzeit von sechs Monaten. Während der Projektlaufzeit spüren Auszubildende Digitalisierungsmöglichkeiten in ihren Unternehmen auf und erarbeiten mit ihren Vorgesetzten geeignete Pläne zur eigenverantwortlichen Umsetzung.

Im Fokus stehen dabei das Entdecken und Entwickeln neuer digitaler Lösungen, um Abläufe in Unternehmen effizienter, kundenfreundlicher oder wirtschaftlicher zu gestalten. Von dem Programm profitieren alle Beteiligten: „Die Projekte der Digiscouts verbessern nicht nur Arbeitsprozesse, die Vorteile für die Kundschaft sowie die Mitarbeitenden der Unternehmen mit sich bringen, sondern rücken auch die Ausbildung in ein neues, noch attraktiveres Licht für zukünftige Fachkräfte“, sagt Tobias Schmittbauer, Projektbeauftragter bei der IHK Region Stuttgart. Die Azubis hätten als „Digital Natives“ in der Regel großes Interesse an der Nutzung digitaler Lösungen und würden im Rahmen des Projekts nicht nur ihre digitalen, sondern auch sozialen Kompetenzen erweitern. Zudem nehme die Identifikation mit dem Ausbildungsbetrieb zu.

Auch für das Handwerk liege der Mehrwert auf der Hand. Thomas Gebhardt, BIT-Berater-Digitalisierung bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, betont: „Die Betriebe gewinnen an Innovationskraft und profitieren gleichzeitig vom Kompetenzzuwachs ihrer Auszubildenden. Die jungen Leute können dank der Erfahrungen aus dem Projekt dann häufig in eine Expertenrolle wachsen. Zudem steigern die Firmen ihre Attraktivität als Ausbildungsbetrieb.“

Die Bandbreite der von den Azubis in der ersten Runde umgesetzten Projekte zeigt die Innovationskraft ihrer Ideen. So haben die Digiscouts eines Unternehmens das interne Urlaubsantragssystem digitalisiert, so dass Anträge ganz einfach mit einer App gestellt werden können. Anderen Azubis gelang es, ebenfalls mit Hilfe einer App, die Reservierung von Poolfahrzeugen online zu ermöglichen. Bei einem anderen Projekt installierten Digiscouts einen Gemeinschaftsrechner, an dem sich alle Mitarbeitenden per Gesichtserkennung einloggen können. Für zügiges Mittagessen sorgte ein anderes Beispiel. Azubis digitalisierten den Bestellvorgang in der Kantine.

Begleitet werden Digiscouts und Unternehmen vom RKW Kompetenzzentrum. Es hat das Projekt deutschlandweit initiiert. „Wir stellen dafür ein eigenes Tool mit Wissensbausteinen für das Management der individuellen Azubi-Projekte zur Verfügung“, sagt Oksana Braude, Projektleiterin beim RKW Kompetenzzentrum. RKW-Coaches prüfen die Wirtschaftlichkeit der Projektideen und begleiten die Azubis und ihre Unternehmen digital und vor Ort in der Region Stuttgart.