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Dürr setzt auf Medizintechnik

Konzern will mit Teamtechnik stark expandieren – Geschäft mit den Lackieranlagen und Holzmaschinen weiter wichtig

Von Teamtechnik werden unter anderem auch Insulinpens produziert. Foto: Dürr AG
Von Teamtechnik werden unter anderem auch Insulinpens produziert. Foto: Dürr AG

Bietigheim-Bissingen/Freiberg. Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr will den Bereich Medizintechnik ausbauen. Ziel sei es, ihn zu einem wesentlichen Standbein zu machen, sagte Vorstandschef Ralf Dieter am Donnerstag. Durch den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung am Automatisierungsspezialisten Teamtechnik aus Freiberg Anfang des Jahres ist Dürr nun auf dem neuen Feld aktiv. Hier werden bisher gut 40 Millionen Euro Umsatz gemacht. In fünf Jahren sollen es über 100 Millionen Euro sein.

Dürr ist vor allem durch seine Lackieranlagen und seine Tochter, den Holzbearbeitungsmaschinenhersteller Homag, bekannt. Das börsennotierte Unternehmen will die Folgen der Coronapandemie schnell hinter sich lassen. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau erwartet Vorstandschef Dieter aber noch nicht. So soll der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr auf 3,45 bis 3,65 Milliarden Euro zulegen. Im vergangenen Jahr war der Umsatz den vorläufigen Zahlen zufolge um rund 15 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro gesunken. Beim Auftragseingang musste Dürr 2020 herbe Einbußen verzeichnen, er sackte um ein Fünftel auf 3,3 Milliarden Euro ab. Unter dem Strich stand ein Verlust von rund 14 Millionen Euro, nachdem Dürr ein Jahr zuvor noch einen Überschuss von knapp 130 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Dieter verwies darauf, dass das Geschäft im zweiten Halbjahr nach dem Tiefpunkt des zweiten Quartals wieder spürbar zugelegt habe. „Wir haben 2020 gut bewältigt und erwarten für 2021 Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatz, aber noch keine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau“, verdeutlichte der Manager. Im Zuge der Coronakrise legte das Unternehmen ein Sparprogramm auf und kündigte unter anderem den Abbau von etwa 600 Stellen im europäischen Automobilgeschäft an. Ende vergangenen Jahres beschäftigte das Unternehmen weltweit 16525 Menschen, davon 7931 in Deutschland. Aktuell werden 17300 Mitarbeiter gezählt. Der Zuwachs erklärt sich durch den jüngsten Zukauf.

Dürr will mit dem international tätigen Unternehmen Teamtechnik, das seit Februar 2021 mehrheitlich zum Konzern gehört, gemeinsam im Geschäftsfeld Medtech expandieren. Hintergrund: Der Bedarf an Produkten für die medizinische Versorgung steigt weltweit – von der Einwegspritze über Infusionssets bis zum Insulinpen. Jährlich werden Milliarden solcher Produkte gefertigt. Dafür bedarf es automatisierter Produktionsanlagen, die absolut verlässlich arbeiten. In diesem Wachstumsmarkt ist Teamtechnik ein führender Anbieter, dessen Anlagen für die Montage und Prüfung medizintechnischer Produkte der zweitgrößte Produktbereich von Teamtechnik sind. Sie trugen 2020 knapp ein Drittel zum Umsatz von 140 Millionen Euro bei – Tendenz steigend. Allein seit 2019 hat Teamtechnik zehn Neukunden hinzugewonnen, darunter namhafte Pharma- und Medizintechnikkonzerne. Mit seiner Produktplattform deckt das Unternehmen das gesamte Bedarfsspektrum der Kunden ab: von der Einstiegsmaschine für Testzwecke bis zur leistungsfähigen Großserienanlage. Die Anlagen sind vollgepackt mit Hightech-Komponenten, zum Beispiel Zuführ-, Dosier- und Prüftechnik, Sensoren und Greifer, die selbst feinste Nadeln für Injektionssysteme exakt positionieren. Anlagen von Teamtechnik montieren aus kleinsten Kunststoffteilen Produkte wie Inhalatoren, Einwegspritzen oder Aids-Tests.

Neben dem Geschäftsfeld Medtech ist Teamtechnik auch im Zukunftsmarkt Elektromobilität aktiv. Hier liefert das Unternehmen Prüfanlagen für Elektroantriebe. Zum Kundenkreis gehören neue Hersteller von Elektroautos genauso wie etablierte Automobilkonzerne auf der ganzen Welt. Der Umsatz in diesem größten Geschäftsfeld beträgt 80 Millionen Euro.

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