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Durchblick wie Brad und Elvis

Die bei Stars beliebte Nautic-Sonnenbrille wurde bei Neostyle in Gerlingen designt – Moderne Version aus dem 3-D-Drucker

Immer schön den Durchblick bewahren: Sandra Nufer und Andreas Dünnbier tragen hier wie Sonnenbrillenfan Brad Pitt in Quentin Tarantinos Film „Once upon a Time in Hollywood“ der Columbia Pictures eine Nautic-Brille. Diese wurde in Gerlingen designt un
Immer schön den Durchblick bewahren: Sandra Nufer und Andreas Dünnbier tragen hier wie Sonnenbrillenfan Brad Pitt in Quentin Tarantinos Film „Once upon a Time in Hollywood“ der Columbia Pictures eine Nautic-Brille. Diese wurde in Gerlingen designt und im Kreisgebiet produziert. Foto: privat

Gerlingen/Leonberg. Sonnenbrillen schützen die Augen nicht nur vor grellem Licht, Sonnenbrillen können ihre Träger cool erscheinen lassen. Das wissen auch Hollywoodstars und Studio-Bosse. Kann man sich Keanu Reeves in den Matrix-SF-Filmen als Neo ohne seine dunklen Sonnenbrillen vorstellen? Wohl kaum. Und Brad Pitt scheint nur selten ohne seine Lieblingsaccessoires das Haus zu verlassen. Auf Film-Events trägt er schon seit Jahren getönte Gläser. Unzählige Fotos zeugen davon, allein 3698 Sonnenbrillen-Fotos von ihm gibt es beim Portal gettyimages.de. Der Hollywood-Beau könnte an Brillenparaden teilnehmen – vielleicht auch im Kreis Ludwigsburg? Denn eine seiner Sonnenbrillen wurde von der Gerlinger Firma Neostyle schon vor 50 Jahren designt und über viele Jahre hergestellt: Nautic heißt das Modell mit den markant-breiten Bügeln, das Brad Pitt auch in Quentin Tarantinos Film „Once upon a Time in Hollywood“ der Columbia Pictures trägt. Seine Nebenrolle hat ihm in diesem Jahr einen Golden Globe eingebracht. Hat seine stylische Brille aus dem Schwäbischen etwas dazu beigetragen?

„Personality Eyewear ist bei Neostyle schon immer das Leitmotiv“, sagt Sandra Nufer, die die 1961 von ihrem Vater in Gerlingen gegründete Brillenmanufaktur zusammen mit Andreas Dünnbier führt. „Die Brille sollte die Persönlichkeit ihres Trägers in den Mittelpunkt stellen, seine oder ihre Gesichtszüge harmonisch unterstreichen“, beschreibt die Betriebswirtin ihre Philosophie. „Neostyle steht für einen Brillenstil, der seiner Zeit vorauseilt“, betont Dünnbier. Und das immerhin seit fast 60 Jahren. Ob und wie das Firmenjubiläum im kommenden Jahr gefeiert werden könne, hänge von der Entwicklung der Coronapandemie ab.

Seit 2004 ist der Neostyle-Firmensitz zwar Leonberg, wesentliche Bestandteile der Brillen werden in Gerlingen, anderen Standorten im Kreisgebiet und in der Gold- und Schmuckstadt Pforzheim produziert. Für die kleine mittelständische Brillenmanufaktur ist die Region die Grundlage für die Entwicklung und Verwirklichung anspruchsvoller Brillenkollektionen. „Wir entwickeln jährlich 50 bis 60 Modelle“, sagt Nufer. Diese werden national, vor allem weltweit ausschließlich an Fachoptiker vertrieben. Zu den Hauptabnehmerländern zählen neben den europäischen Kunden Japan, Taiwan, Russland und die USA sowie Südamerika.

„Das Design ist das Wichtigste“, weiß Nufer, „auch beim Retrolook“. Dies gilt nicht zuletzt für die Nautic, mit dem Neostyle-Chefdesigner Konstantin Livas einst einen Coup gelandet hatte. „Anfang der 70er Jahre war eine derart markante Fassung etwas völlig Neues“, erinnert sich der heute 74-Jährige. Mit der Nautic konnten sich Brillenträger vom Gewöhnlichen abheben. „Hinzu kam, dass so schillernde Persönlichkeiten wie Elvis Presley, Ray Charles, Telly Savalas und Don King die Sonnenbrille trugen, was der Nautic noch mehr Ruhm einbrachte.“ Elvis Presley trug sie bei vielen seiner Auftritte, nicht zuletzt bei seinem legendären Konzert 1972 im Madison Square Garden.

Der „King of Rock’n’Roll“ hatte die Brille bei seinem Optiker auf dem Sunset Boulevard in Las Vegas entdeckt. Presley war so begeistert, dass er sie „gleich im halben Dutzend orderte und sie noch dreimal in 18 Karat Gold anfertigen ließ. „Für die Goldversion entwarf ich übrigens den Elvis-Schriftzug als Bügelschmuck“, sagt der Designer. Eine Nautic 2 hatte der „King“ als Lesebrille.

„Vor Jahren wurde eine Nautic im Elvis-Museum auf Graceland, seinem Anwesen, für 1000 Dollar versteigert“, erinnert sich Nufer. Zudem wenden sich Fans aus den USA seit Jahren regelmäßig mit der Bitte um Ersatzteile an Neostyle.

Da Retrobrillen seit Jahren „in“ sind, hat das Unternehmen auch die Produktion der Originalbrille wieder aufgenommen. Mehr noch: Bei der Produktion wird das Laser-Sinter-Druckverfahren eingesetzt, das die Autoindustrie im Prototypen- und Kleinserienbau verwendet. Livas hat die Nautic für den innovativen 3-D-Druck neu interpretiert. Nebeneffekt: Die Nautic TC3 wiegt nur 28 Gramm, die Metallversion 60 Gramm.

Die Bügel der im 3-D-Sinterdruck entstandenen modernen Nautic-Variante ziert das bekannte Elvis-Logo mit den drei Buchstaben auf einem Blitzstrahl: TCB – „Taking Care of Business“. Gerade in Coronazeiten denken nicht nur Geschäftsleute an Presleys Leitspruch: „Sich schön ums Geschäft kümmern.“

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