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„Eine Entscheidung fürs Leben“

Sarna Röser übernimmt bald ein Familienunternehmen. Die Interessen der Jungen Unternehmer in Deutschland vertritt sie schon heute.

In Berlin ist Sarna Röser als Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer unterwegs. Foto: privat
In Berlin ist Sarna Röser als Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer unterwegs. Foto: privat

Mundelsheim. Ein Smiley in Schwarz und Weiß auf pinkfarbenem Grund. Das Bild an der Wand, vor dem Sarna Röser beim Gespräch über Skype sitzt, passt zu ihrem Auftreten: klare und strukturierte Aussagen, bei denen dennoch Leidenschaft für die Sache mitschwingt. Anfang Oktober wurde sie als Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer wiedergewählt. Damit vertritt sie für ein weiteres Jahr die Interessen von rund 1500 jungen Inhabern, Gesellschaftern oder Nachfolgern von Unternehmen aus ganz Deutschland. Das Amt hatte die Mundelsheimerin im Frühjahr 2018 übernommen.

Ob es um Zukunftsfragen, Frauen in der Wirtschaft oder die Coronamaßnahmen der Bundesregierung geht – in den Medien ist Sarna Röser in diesen Tagen ein gefragter Gesprächspartner. Bei Sandra Maischberger diskutierte sie mit dem Aktivisten Jakob Blasel von Fridays for Future über das richtige Wie im Umgang mit dem Klimawandel. In der ZEIT positionierte sie sich jüngst gegen eine Frauenquote, forderte aber bessere Rahmenbedingungen. Auch vor unserem Gespräch hat sie bereits ein Interview gegeben. Im Anschluss wird sie an einer Diskussionsrunde teilnehmen. Das Hauptthema: der Neustart der Wirtschaft nach der Coronakrise. Neben diesem Punkt Nummer eins, unter dem sie auch Antworten auf den Klimawandel verortet, liegen Sarna Röser die Digitalisierung sowie die Nachfolge in und Gründung von Unternehmen am Herzen.

Nachfolgerin entgegen dem Trend

„In Deutschland haben wir das Problem, dass sich immer weniger junge Menschen dazu entschließen, ein Unternehmen zu übernehmen oder eine Firma zu gründen“, beschreibt Sarna Röser eine der Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft steht. Das finde sie sehr schade. Sie selbst ist designierte Nachfolgerin des Unternehmens Karl Röser & Sohn mit Sitz in Mundelsheim, das Stahlbetonrohre, Kanalschächte und Regenwasserzisternen herstellt. Auch ihrer Schwester Zelda steht die Möglichkeit noch offen. Derzeit wird das 1923 gegründete Familienunternehmen mit 50 Mitarbeitern von ihrem Vater Jürgen und dessen Bruder Günter Röser in dritter Generation geleitet.

„Meine Eltern haben mir immer den Freiraum gegeben“, beantwortet Sarna Röser, warum sie entgegen dem Trend unternehmerische Verantwortung übernehmen will. Entsprechend seien ihr zunächst relativ viele Berufsmöglichkeiten durch den Kopf gegangen. „Mich hat es dann aber doch immer zu der Firma hingezogen“, sagt die heute 33-Jährige rückblickend. Nach der Fachhochschulreife entschied sie sich daher für ein Doppelstudium der Internationalen Betriebswirtschaft in Stuttgart, bei dem auch Dozenten von der Northumbria University in Newcastle auf Englisch unterrichteten.

Den Blick über Grenzen und Vergleiche mit anderen Ländern hält sie für wichtig. Als Besonderheit in Deutschland nennt sie die Familienunternehmen und den Mittelstand, die über Generationen aufgebaut wurden. Während in anderen Ländern Unternehmer gefeiert würden, herrsche hier aber ein negatives Bild vor. „Wir sind eine Generation, die Verantwortung übernimmt und die Unternehmen in die Zukunft führen will“, betont Sarna Röser jedoch. Zwar wird sie noch nicht ins operative Geschäft von Karl Röser & Sohn eingebunden, ist aber bereits Mitglied der Geschäftsleitung und Prokuristin des Unternehmens Röser FAM, das andere Unternehmen bei Themen wie Demografie, Senior Experts und Digitalisierung unterstützt. Aktiv ist sie auch in der Social Angels Stiftung ihres Vaters, die Unternehmen beim nachhaltigen Personalmanagement hilft. Außerdem sitzt sie im Aufsichtsrat von Fielmann und im Beirat der Deutschen Bank. Ende November kam noch ein Posten als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung hinzu.

Sarna Rösers intensivstes Engagement ist jedoch der Bundesvorsitz bei den Jungen Unternehmern – ein Ehrenamt. Zu den Aufgaben zählen Kontaktpflege und Hintergrundgespräche mit Politikern wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier sowie eine breite Öffentlichkeitsarbeit. „Vor Corona war ich viel am Reisen. Jetzt hat sich das alles ins Digitale verschoben“, beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. Für die vielen digitalen Termine habe sie sich zu Hause eine Art Studio eingerichtet. Das erklärt auch, warum die Lichtverhältnisse im Bild – jeder im Homeoffice dürfte das Problem kennen – so beneidenswert perfekt sind. In Berlin war Sarna Röser zuletzt Anfang Oktober, als die Jungen Unternehmer ihr 70. Jubiläum feierten.

Im Verband sind Unternehmen verschiedenster Branchen vertreten, auch solche, die nicht so gut wie Karl Röser & Sohn durch die Coronakrise gekommen sind. „Es war richtig und wichtig, dass die Bundesregierung sehr schnell die Wirtschaft unterstützt hat“, betont die Bundesvorsitzende einerseits. Andererseits fordert sie bei einer möglichen dritten oder vierten Welle aber ein Vorgehen mit Augenmaß. „Für viele junge Unternehmer ist gerade das größte Problem, dass kein langfristiger Plan vorliegt.“ Zudem bestehe eine gewisse Unverhältnismäßigkeit. Während sich Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln drängten, dürfe ein Restaurant mit einem guten Hygienekonzept nicht öffnen. Auch im Hinblick auf die Milliardenausgaben kritisiert Sarna Röser die Politik: „Während Corona wird wieder Geld ausgegeben, als gebe es kein Morgen. Und niemand fragt so richtig, wer das wieder zurückzahlt.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Unternehmen schnell wieder umfangreich arbeiten und Steuergelder erwirtschaften können.

Prinzip der schwäbischen Hausfrau

In einem Positionspapier verweisen die Jungen Unternehmer hierzu auch auf das Prinzip der schwäbischen Hausfrau: „Man kann nur das ausgeben, was man auch eingenommen hat.“ Hat die schwäbische Herkunft also auch Sarna Röser geprägt? „Ein Familienunternehmen ist eine Entscheidung fürs Leben“, betont sie. Sie fühle sich in der Region verwurzelt, auch aus Berlin komme sie immer unglaublich gern zurück nach Hause. Und für die Unternehmer im Südwesten sei eines besonders charakteristisch: „Die schaffen tatsächlich und sprechen nicht so viel darüber.“

Hat sie selbst bei all dem Schaffen überhaupt noch Freizeit? „Für mich gibt es nicht die Trennung zwischen privater Zeit und Arbeitszeit, ich würde das Unternehmerzeit nennen“, sagt Sarna Röser. „Wenn man seine Leidenschaft gefunden hat, dann hat man nicht das Risiko, auszubrennen.“ So beschäftige sie sich am Wochenende etwa gern mit dem von ihr mitgegründeten Start-up Beamcoo, einer Plattform für Kompetenzaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg. Zumindest vor Corona ist sie zudem gern gereist. Auch ihr Vorname ist ein Mitbringsel aus fernen Ländern. Die Eltern haben ihn einst im Raum Indonesien aufgeschnappt. „Rausgehen, spazieren, mit Freunden treffen, ins Restaurant gehen, einfach mal die Seele baumeln lassen, kochen und meine Großeltern besuchen“, erzählt Sarna Röser, was sie noch gern macht. Trotz aller Aufgaben bleibt ihr also doch noch Zeit neben der Unternehmerzeit.

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