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Erste virtuelle Hauptversammlung

In Coronazeiten stehen Vorstand und Aufsichtsrat der USU AG ihren Aktionären online Rede und Antwort

Der Aktionär steht im Mittelpunkt: USU-Chef Bernhard Oberschmidt zeigt den Geschäftsbericht für 2019, der auch im digitalen Zeitalter gedruckt vorliegt. Foto: LKZ
Der Aktionär steht im Mittelpunkt: USU-Chef Bernhard Oberschmidt zeigt den Geschäftsbericht für 2019, der auch im digitalen Zeitalter gedruckt vorliegt. Foto: LKZ

Möglingen. Vor einem Jahr am 2. Juli haben sich die Aktionäre der USU Software AG bei der Hauptversammlung im Ludwigsburger Forum am Schlosspark noch zu einem Gruppenfoto aufgestellt. Es ist großformatig im Geschäftsbericht 2019 abgebildet. Zu sehen sind die strahlenden Gesichter der Aktionäre. Versehen ist das Foto mit dem Hinweis, dass die Anteilseigner nicht nur mit dem Stimmzettel, sondern mit Leib und Seele beim Aktionärstreffen dabei sind. Und: „Eine Hauptversammlung ohne Menschen ist kopflos. Sinnlos. Niemand dachte an so etwas wie Corona.“

Heute ist wegen der Pandemie alles anders. USU veranstaltet am Freitag, 26. Juni, eine virtuelle Hauptversammlung ohne die physische Präsenz der Aktionäre oder ihrer Bevollmächtigten, heißt es in der Einladung. Die Aufsichtsrat- und Vorstandsmitglieder finden sich am Sitz des Unternehmens in Möglingen zur Online-Hauptversammlung ein. Für die angemeldeten Aktionäre wird das Treffen live im Internet übertragen. Abgestimmt wird per Briefwahl oder online per Formular. Die Aktionärsschützer können ihre Fragen per E-Mail schicken. „Das läuft alles rechtssicher ab“, betont Bernhard Oberschmidt, der Vorstandsvorsitzende der USU Software AG.

USU-Chef: Gutes Feedback der Anleger

Von den Aktionären sei ein gutes Feedback gekommen, berichtet Oberschmidt. Sie bewerteten die erste Nicht-Präsenz-Hauptversammlung in Coronazeiten als eine vernünftige Lösung. Er glaubt aber nicht, dass alle Aktionäre dafür bereit sind, dass auch in Zukunft Hauptversammlungen digital durchgeführt werden. Viele der Anteilseigner schätzten doch das persönliche Erlebnis, das eine Hauptversammlung bietet. Sorgen, das Projekt technisch nicht stemmen zu können, brauchen die USU-Aktionäre nicht zu haben. „Wer Probleme hat, kann bei uns anrufen und erhält dann Unterstützung“, beruhigt Oberschmidt.

Weniger Aufwand bedeute eine digitale Hauptversammlung nicht, sagt Oberschmidt. Wer meine, dass ein Unternehmen weniger Kosten hat, weil etwa die Saalmiete oder die Bewirtschaftung der Gäste entfalle, irre sich. Die technischen Prozesse und Apparate im Hintergrund einer Online-Hauptversammlung werden unterschätzt, gibt der USU-Chef zu bedenken. „Es gibt weder eine Zeit- noch eine Geldeinsparung.“ Befürchtungen, dass wegen der Coronakrise die Dividende gestrichen oder gekürzt wird, müssen die USU-Aktionäre nicht haben. Wie im Vorjahr will USU 40 Cent pro Aktie zahlen. Über diesen Vorschlag wird die Hauptversammlung abstimmen.

Das Unternehmen habe derzeit einen guten Lauf, berichtet Oberschmidt. Das zeige das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem Umsatzplus von knapp 20 Prozent auf 26,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Das Konzernergebnis verbesserte sich auf 1,5 Millionen Euro – nach einem Verlust von 636 000 Euro im Vorjahr. „Das ist hervorragend“, freut sich Oberschmidt. Eine stabile Dividende könne sich der Softwarespezialist leisten. Die Ausschüttung bezifferte er auf 4,2 Millionen Euro. USU ist das größte Softwareunternehmen in der Region. Gut 10.000 Einzelaktionäre halten 35 Prozent der USU-Aktien im Streubesitz.

Für das laufende Geschäftsjahr ist Oberschmidt optimistisch. Im zweiten oder dritten Quartal könne sich die Pandemie bemerkbar machen, aber ein Umsatzplus und ein positives Ergebnis erwarte er, auch wenn die Krise langfristig andauere. USU zeige Stabilität. Das Unternehmen profitiere durchaus von dem Digitalisierungsschub, den die Pandemie ausgelöst habe. Zudem biete USU unter anderem auch Lösungen zur Kosteneinsparung und Transparenz im IT-Bereich an, dies treibe die Geschäfte voran. Auch habe USU mit Banken, Versicherungen und auch der öffentlichen Verwaltung eine gut aufgestellte Kundschaft.

Keine Staatshilfen beansprucht

Oberschmidt ist zuversichtlich, dass USU gut durch die Krise kommt. Bei der Prognose stützt er sich auch auf die hohe Eigenkapitalquote des Unternehmens. 17 Millionen Euro an liquiden Mitteln stünden zur Verfügung. Das Unternehmen beanspruche keine Staatshilfen und habe keine Kurzarbeit. Liquiditätssorgen habe USU nicht. „Wir haben Spielraum für weitere Investitionen etwa in Produkte für die Cloud-Infrastrukur oder in Chatbot-Technologien, ein Frage- und Antwortsystem, das auf künstlicher Intelligenz basiert. „Wir halten im Moment also nicht die Luft an“, sagt Oberschmidt. USU arbeite an Softwareprodukten, mit denen das Unternehmen stärker aus der coronabedingten Wirtschaftskrise kommt. Im Geschäftsjahr 2019 erzielte USU mit gut 700 Mitarbeitern einen Überschuss von 6,06 Millionen Euro. Dies entspricht einer Gewinnsteigerung von 40,5 Prozent.

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