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Fast autark durch Sonnenstrom

Burgstettener Familie lebt Nachhaltigkeit aus Überzeugung – Vernünftiges Maß an Selbstversorgung angestrebt

Die Familie Ludwig freut sich über ihre neue Photovoltaikanlage. Solar-Consult-Fachberater Andreas Gotthardt (Mitte) hat sie im Sommer übergeben. Fotos: Solar Consult
Die Familie Ludwig freut sich über ihre neue Photovoltaikanlage. Solar-Consult-Fachberater Andreas Gotthardt (Mitte) hat sie im Sommer übergeben. Foto: Solar Consult
Im Keller steht das Speichersystem mit 5,7 Kilowattstunden Kapazität.
Im Keller steht das Speichersystem mit 5,7 Kilowattstunden Kapazität.

Freiberg/Burgstetten.. Der Stromverbrauch der Eigenheimbesitzer steigt gerade in der Winter- und Weihnachtszeit stark an. Mit einer Photovoltaikanlage und einem passenden Stromspeicher im Keller oder in der Garage können sie durchaus von Stromanbietern unabhängig werden und hohe monatliche Stromkosten minimieren. Auch jährliche Nachzahlungen gehören so der Geschichte an.

Die Familie Ludwig aus Burgstetten im Rems-Murr-Kreis lebt „Nachhaltigkeit aus voller Überzeugung“, wie Hannes Ludwig bestätigt. Die Installation einer Photovoltaikanlage in diesem Sommer durch Solar Consult in Freiberg war für ihn der „logische nächste Schritt zum eigenen grünen Strom“ und nicht zuletzt zur Selbstversorgung. „Wir versuchen auf diese Weise, ein sinnvolles Maß an Autarkie zu erreichen“, sagt Ludwig zu seinen Beweggründen. Die Ludwigs sind damit zu über 80 Prozent Selbstversorger und speisen noch Strom ins Netz ein.

„Dieses Photovoltaik-Kraftwerk ist auf dem Dach der Ludwigs in Südausrichtung installiert, hat eine Leistung von 9,92 Kilowatt peak und liefert fast 10000 Kilowatt Strom im Jahr“, erklärt Solar-Consult-Vorstand Ralf Kleinknecht. Das entspreche in etwa dem Doppelten des jährlichen Strombedarfs einer vierköpfigen Familie. „Was im Sommer zu viel an Energie produziert wird, wird gegen eine kleine Vergütung ins Netz eingespeist“, sagt Kleinknecht. Hans Ludwig hat seine Anlage schon im Sommer installieren lassen und erhält für den eingespeisten Strom vom Netzbetreiber neun Cent pro Kilowattstunde – und das 20 Jahre lang. Derzeit erhalten Neuanlagen nur noch acht Cent – und die Vergütung sinkt weiter. Im neuen EEG, dem Erneuerbare Energien Gesetz, ist zudem ab 2021 nun auch eine Europa-Richtlinie umgesetzt, die fordert, dass auf selbst erzeugten und selbst genutzten Solarstrom aus Anlagen bis 30 Kilowatt Leistung künftig keine EEG-Umlage mehr anfällt. „Es ist auch im neuen EEG klar geregelt, dass die Netzbetreiber den eingespeisten Strom weiter abnehmen müssen“, erklärt der Solar-Consult-Chef. „Die Ludwigs müssen keine EEG-Umlage für ihren Strom zahlen“, betont Kleinknecht, „weil die installierte Leistung ihrer Anlage unter zehn Kilowatt bleibt.“ Eine gute Nachricht für alle Stromkunden ist auch nach Angaben der Bundesnetzagentur, dass die EEG-Umlage, die jeder Verbraucher pro Kilowattstunde für die Förderung von Ökostrom zahlt, ab Januar auf 6,5 Cent je Kilowattstunde sinkt. Im zu Ende gehenden Jahr sind es 6,756 Cent.

Für die Ludwigs, die im Jahr einen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden haben, und damit etwa 7000 Kilowattstunden einspeisen können, spielt das jedoch erst mal keine große Rolle. „Dank eines intelligenten Speichersystems mit einer Kapazität von 5,7 Kilowattstunden wird der Haushalt mit dem tagsüber gespeicherten Solarstrom über Nacht bis zum nächsten Morgen autark versorgt. So muss kein Strom aus dem Netz bezogen werden“, sagt Kleinknecht. „Diese neue und günstige Solar-Strom-Speichertechnik ermöglicht es Hausbesitzern, sich im Sommer zu 100 Prozent, im Winter zu 60 Prozent und im Jahresdurchschnitt zu 80 Prozent mit eigenem Ökostrom zu versorgen. Und das zu einem Eigen-Strompreis von zwölf Cent pro Kilowattstunde.“ Dieser werde auch im Gegensatz zu den Stromanbietern auch in den kommenden Jahren nicht steigen.

Im Spätsommer betrug der Strom-Autarkiegrad der Ludwigs 94 Prozent, im gesamten zweiten Halbjahr 2020 beachtliche 85,53 Prozent. Die Monatsauswertung zeige, so Kleinknecht, dass „zum Beispiel im Juli gerade mal sechs Kilowattstunden aus dem Netz bezogen wurden, und im zweiten Halbjahr 335 Kilowattstunden“. Hannes Ludwig zeigt sich sehr zufrieden: „Alles funktioniert reibungslos. Das System hat ein gutes Monitoring, durch das man alles gut überwachen kann. Selbst der hohe Verbrauch des Brotbackofens wird mit Solarstrom gedeckt. „Der Ofen zieht ordentlich Strom. Wir backen Brot, wenn die Sonne scheint“, sagt Ludwig. Auch das E-Auto will er so laden. Damit nicht genug: „Der zweite Stromspeicher mit 5,7 Kilowattstunden Kapazität steht bereit.“

Ralf Kleinknecht klagt über Vorbehalte, die viele haben. „Es ranken sich immer noch viele Mythen rund um das Thema Solarenergie, wie ,Solarmodule sind total teuer‘“, sagt er. „Das ist eines dieser hartnäckigen Gerüchte“, ärgert sich der Solar-Consult-Chef, der Aufklärung betreiben will. „Dabei sind Photovoltaikanlagen heute so viel günstiger. Ein neues Fenster mit Rahmen koste wahrscheinlich um einiges mehr als ein Solarmodul. „Nur die Fenster produzieren keine 4000 Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr.“

Eine weit verbreitete Fehlannahme sei, dass sich Photovoltaikanlagen ohne staatliche Förderung nicht rechnen. „Das stimmt schlichtweg nicht“, weiß der Solar-Profi. „In Verbindung mit einem Batteriespeichersystem verfügen Haushalte sogar über eine Ersatzstromversorgung für den Fall eines Blackouts im öffentlichen Stromnetz, mit welcher sie sich im Notfall über Wochen hinweg selbst versorgen können.“

Unabhängigkeit ist prinzipiell ein gutes Stichwort, findet er: „Statt Atom- und Kohlestrom produzieren wir nicht nur sauberen Strom, der umweltschonender und viel wirtschaftlicher ist.“ Skeptiker gehen auch davon aus, dass Dachgauben, Klimaanlagen oder bauliche Gegebenheiten die Installation einer Photovoltaikanlage nicht erlauben. „Mittlerweile gibt es innovative Alternativen wie den Solarzaun, der aus Solarmodulen besteht und einem Sichtschutzelement ähnelt.“ Die Möglichkeiten seien heute vielfältig.

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