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Frauenpower auf den Baustellen

Die Aufgaben im Malerhandwerk sind vielfältig. „Man muss sich auf der Baustelle beweisen und behaupten“, sagt Sarah-Madeleine Schilling.Fotos: Heinrich Schmid/p
Die Aufgaben im Malerhandwerk sind vielfältig. „Man muss sich auf der Baustelle beweisen und behaupten“, sagt Sarah-Madeleine Schilling.Fotos: Heinrich Schmid/p
Unternehmensgruppe Heinrich Schmid bietet die Möglichkeit fürs duale Gymnasium – Absolventin Lejna Sabljo berichtet

Ludwigsburg/Marbach/Reutlingen.. Eine Ausbildung absolvieren, für das Abitur lernen und im Anschluss ein duales Studium? Für Lejna Sabljo (19) schließt sich das nicht aus – im Gegenteil. Während für nicht wenige Schulabgänger durch die Coronapandemie in diesem Jahr der Wurm drin ist, weiß sie schon, was sie nach ihrem Abi am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium macht. Lejna Sabljo wird ab Oktober bei der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid BWL-Handwerk an der dualen Hochschule in Stuttgart studieren. Sie ist damit die Erste mit der Kombination von dualem Gymnasium und Studium. Und sie hat dann bereits zwei Abschlüsse in der Hand: das Abitur, das sie am Friedrich-Schiller-Gymnasium gemacht hat, und den Gesellenbrief. „Ich packe sehr gerne an“, verrät Lejna, die gerade erst 19 Jahre alt geworden ist. Ihre Ausbildung zur Bauten- und Objektbeschichterin in Ludwigsburg kann sie empfehlen. Die Praxiseinheiten in den Ferien sieht sie als Ausgleich für die Theorie im Schulalltag. „Ich finde es gut, dass man sich von der Theorie lösen kann.“

Auf den Baustellen und in der Lehrwerkstatt hat sie alles gemacht, was normale Azubis auch machen. Am liebsten hat sie während der Praxiseinheiten gestrichen. „Und das Klebeband danach abgezogen. Es ist die Verwandlung von einem hässlichen Objekt in etwas Schönes, die besonders Spaß macht.“

„Es ist ziemlich viel Lehrstoff, den man in kurzer Zeit während der Ausbildung aufnehmen muss“, weiß Sarah-Madeleine Schilling. Sie ist gelernte Raumausstatterin, hat bei Heinrich Schmid als Bodenlegerin angefangen, wechselte zu den Malern, und hat bei Heinrich Schmid ebenfalls ein duales Studium abgeschlossen. Sie betreut derzeit die Studenten am Standort Ludwigsburg. Die 28-Jährige hat seit dem vergangenen Jahr ein eigenes Team mit 13 Leuten. Der Vorteil dieses Ausbildungsweges sei, dass man weiß, was hinter der Arbeit steckt. Auch Lisa Borrmann, die im sechsten Semester studiert, sieht dies so. „Man kennt die Baustellen und weiß, wie alles abläuft“, sagt die 25-Jährige. „Man muss sich auf der Baustelle beweisen und behaupten“, stellt Schilling fest. „Besonders als Frau“, ergänzt Sabljo. Borrmann und Schilling stimmen zu. Die drei sind sich einig. Auch darin, dass einem bei Heinrich Schmid alle Wege offenstehen.

Vor fünf Jahren ist die Unternehmensgruppe Heinrich Schmid mit dem neuen Bildungsmodell, dem „Dualen Gymnasium“ an den Start gegangen. Die Idee: neben der Schule die Ausbildung im Handwerk zu absolvieren und gleichzeitig mit Abitur und Gesellenbrief abzuschließen. „Wir bieten den Jugendlichen eine ,real life‘-Umgebung: echte Kunden und echte Baustellen. Wir bilden nicht im Labor aus“, erklärt Dr. Carl-Heiner Schmid, Chef der Reutlinger Unternehmensgruppe. Es gab viele Bedenken und viel Gegenwehr, aber der Erfolg gibt Schmid recht. Fünf Absolventen haben mittlerweile den Gesellenbrief und das Abitur gleichzeitig in der Tasche. Das duale Gymnasium hat als Pilotprojekt in Kusterdingen begonnen. Mittlerweile sind es sieben Gymnasien und zehn Standorte im Land. In Ludwigsburg wird das duale Gymnasium seit 2017 in Kooperation mit dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach angeboten. Auch hier werden nächstes Jahr drei Absolventen ihre Gesellenprüfung ablegen. Im nächsten Schritt will das Unternehmen sein Modell ausweiten und auf weitere Standorte in anderen Bundesländern übertragen. Derzeit werden erste Gespräche in Sachsen geführt. „Wir wollen den Schülern eine Zukunft bieten, eine langfristige Perspektive im Handwerk“, ist Carl-Heiner Schmid überzeugt. Viele bleiben dem Handwerk treu und arbeiten als Gesellen oder machen es wie Lejna Sabljo und beginnen ein duales Studium.