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Größe des Firmensitzes verdreifacht

Pleidelsheimer Unternehmen Zoller vor 75 Jahren gegründet – Erweiterung abgeschlossen – Dritte Familiengeneration am Ruder

Christoph Zoller, einer von drei Geschäftsführern, vor einem Foto, auf dem der Firmenkomplex in Pleidelsheim zu sehen ist. Foto: Ramona Theiss
Christoph Zoller, einer von drei Geschäftsführern, vor einem Foto, auf dem der Firmenkomplex in Pleidelsheim zu sehen ist. Foto: Ramona Theiss

Pleidelsheim. Der 1. September ist ein wichtiger Tag in der Geschichte der Familie Zoller. Vor 79 Jahren, am 1. September, kam Eberhard Zoller zur Welt. Heute ist er einer von drei Geschäftsführern des Pleidelsheimer Maschinenbauunternehmens Zoller, das in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Eberhards Vater Alfred gründete es 1945 nahe des Ludwigsburger Schlosses als Ein-Mann-Betrieb – am 1. September des Jahres.

Aus den bescheidenen Anfängen ist ein weltweit agierendes Unternehmen geworden, mit Hunderten Mitarbeitern und mehr als 20 Niederlassungen im Ausland (siehe Zusatzartikel). Ihre familiären Wurzeln hat die Firma dennoch behalten – Eberhard Zoller leitet sie zusammen mit seinen Söhnen Christoph und Alexander. Ein Raum in dem Zoller-Komplex ist nach dem 79-jährigen Vater, der Garten vor dem Gebäude nach der Großmutter von Christoph und Alexander benannt.

Das Unternehmen baut Geräte für die Vermessung spanender Werkzeuge, damit am Ende die Geometrie der Produkte den Vorgaben entspricht. Damit Werkzeuge hochpräzise funktionieren, müssen sie zuvor mit Hilfe von Geräten vermessen werden. Diese produziert und verkauft Zoller; die Kunden kommen vor allem aus der Automobil- und der Luftfahrtindustrie, aber auch aus der Medizin-, Energie- und Elektronikindustrie.

Die Coronakrise trifft Zoller hart, „die Verkaufszahlen in Deutschland sind drastisch eingebrochen“, sagt Christoph Zoller. Letztlich habe das Exportgeschäft das Unternehmen über Wasser gehalten.

In einer Krise können auch die Weichen für die Zukunft gestellt werden – das passierte bei Zoller schon zu Beginn der 1990er Jahre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sackte der Umsatz ab, die Fertigung musste aufgegeben werden. Die Firmenleitung setzte fortan stärker auf das Auslandsgeschäft, um nicht mehr nur von wenigen Märkten abhängig zu sein.

Jetzt, im Jahr der Coronakrise, geht Zoller den nächsten großen Schritt nach vorne: Das Unternehmen hat nach einem Jahr Bauzeit eine neue Produktionshalle mit Büroflügeln sowie ein Parkhaus und die 3000 Quadratmeter große sogenannte Smart Factory in Betrieb genommen. In diesem Neubau bekommen Kunden Zoller-Produkte präsentiert, die unter anderem Produktionsprozesse digitalisieren und effizienter, also wirtschaftlicher machen. Mit der Anschaffung einer Bearbeitungsmaschine kann Zoller den gesamten Fertigungsprozess seiner Kunden simulieren und zeigen, wie die eigenen Produkte zu mehr Produktivität und Effizienz im Fertigungsprozess beitragen. Der automatisierte Zusammenbau, die automatisierte Bereitstellung von Werkzeugen – die Industrie 4.0 – „ist unsere Marktchance der Zukunft“, sagt Christoph Zoller.

Mit der Erweiterung ist der Pleidelsheimer Firmensitz nun etwa dreimal so groß wie zuvor – die Nutzfläche beträgt 37000 Quadratmeter. Christoph Zoller sagt: „Durch die neu gebaute Halle wollen wir unsere Produktivität um 40 Prozent steigern, mit der gleichen Zahl an Mitarbeitern.“ Denn weil es nun mehr Platz gebe, könne auch das Logistikkonzept optimiert werden. Die verkauften Stückzahlen bei Werkzeugmesstechnologie und von Werkzeugvoreinstellgeräten stiegen schon in den vergangenen Jahrzehnten rasant – von etwa 250 Stück Anfang der 1970er Jahre auf 40000 im vergangenen Jahr.

Zoller will trotz Erweiterung des Firmensitzes und damit Flächenverbrauchs nachhaltig handeln. Deshalb ließ die Firma entlang des Areals Insektenhotels bauen, im Parkhaus gibt es Ladestationen für Elektro-Autos und -Fahrräder, auf dem begrünten Dach Photovoltaikanlagen, und der Strom kommt aus Wasserkraft.

Infobox:

Alfred Zoller gründete 1945 in Ludwigsburg, nahe Schloss und Kaffeeberg (wo er wohnte), eine Reparaturwerkstatt. Was nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kaputt war, konnte bei Zoller repariert werden – von Spielzeug und Saftmaschinen über Fotoapparate, Fahrräder und Füllfederhalter bis zu Bäckerei-, Metzgerei- und Werkzeugmaschinen. Anfang der 1950er Jahre begann Alfred Zoller mit der Lohnfertigung. 1968 trat sein Sohn Eberhard in das Maschinenbauunternehmen ein, das 1982 von Ludwigsburg nach Freiberg zog. Sechs Jahre später wurde die erste Niederlassung im Ausland (im österreichischen Ried) eröffnet, es folgten viele weitere weltweit; heute hat Zoller 24 Niederlassungen im Ausland, etwa in China, Indien, Russland, Japan, Großbritannien und den USA. Laut Geschäftsführer Christoph Zoller ist die Firma mit Niederlassungen und Vertretungen in 59 Ländern. Weil der Freiberger Firmensitz zu klein wurde, zog Zoller 2008 nach Pleidelsheim, der Gebäudekomplex liegt direkt neben dem Neckar.

Am Firmensitz in Pleidelsheim beschäftigt Zoller 400, weltweit 800 Mitarbeiter. Über den Firmenumsatz und die Kosten für die Neubauten macht Christoph Zoller keine Angaben. (wd)

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