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Hoffnung auf sinkende Beiträge

Die Autoversicherer überprüfen jedes Jahr die Regionalklassen ihrer Kfz-Policen. Wichtig ist dabei die Schadenbilanz. In Baden-Württemberg profitieren Hunderttausende Menschen von günstigeren Einstufungen. Sie können nun Geld sparen. Im Zulassungsbezirk Ludwigsburg können Autohalter bei den Vollkaskoversicherungen auf sinkende Beiträge hoffen.

Autounfälle können ganz schön teuer werden. Für die Versicherungen – und für die Autobesitzer. Foto: Fabian Sommer/dpa
Autounfälle können ganz schön teuer werden. Für die Versicherungen – und für die Autobesitzer. Foto: Fabian Sommer/dpa

Stuttgart/Ludwigsburg/Berlin. In Baden-Württemberg können etwa 950000 Autobesitzer auf niedrigere Beiträge für ihre Kfz-Haftpflichtversicherungen hoffen. In acht von 44 Zulassungsbezirken im Land gelten ab sofort niedrigere Regionalklassen. Diese werden bei den Kosten für Kfz-Haftpflichtversicherungen berücksichtigt, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Autohalter aus Mannheim, Heidenheim, Freudenstadt und Freiburg sowie den Regionen Bodenseekreis, Breisgau/Hochschwarzwald sowie Enzkreis und Rems-Murr-Kreis profitieren dabei. So hat sich der Index im Rems-Murr-Kreis zum Beispiel um 0.96 auf 95.28 Punkte verringert. Die Regionalklasse hat sich dadurch um einen Rang auf die Klasse vier verbessert. Im Enzkreis hat sich der Indexwert auf 103.28 verbessert (minus 1.21). Im Kreis Ludwigsburg ist der Index dagegen leicht auf 101.6 (plus 0.49) angestiegen. An der Regionalklasse sieben hat sich allerdings nichts geändert. Der Index bezieht sich dabei auf den bundesweiten Durchschnittswert 100.

Beste Bilanz im Hohenlohekreis

In den Zulassungsbezirken Calw und Biberach an der Riß droht 210000 Autobesitzern ein Beitragsanstieg – hier gelten künftig höhere Regionalklassen. Die beste Schadenbilanz im Land hat der GDV für den Hohenlohekreis mit einem Indexwert von 82,89 errechnet. Das reicht für Klasse eins. In Pforzheim war die Schadenbilanz zuletzt mit der Klasse zwölf (Index: 123.85) am schlechtesten.

Für die Mehrheit der Autobesitzer im Südwesten bleibt bei den Regionalklassen für Kaskoversicherungen alles beim Alten. Von den 4,9 Millionen Kaskoversicherten werden 450000 in bessere Regionalklassen eingestuft, für 280000 Halter gelten zukünftig höhere Einstufungen.

Die Zulassungsbezirke Ludwigsburg, Rems-Murr, Heilbronn (Land) und Esslingen bleiben bei der Teilkasko in der Regionalklasse fünf, Stuttgart und Heilbronn (Stadt) in der Klasse vier. In der höheren Regionalklasse sieben rangieren weiterhin der Enzkreis und Pforzheim. Bei den Teilkaskoversicherungen müssen Autobesitzer aus der Region Breisgau/Hochschwarzwald sowie Calw, Göppingen, Rottweil und Ulm bald womöglich tiefer in die Tasche greifen, bei denen sich der Indexwert verschlechtert hat, für Autohalter aus Mannheim könnte es dagegen günstiger werden.

Bei den Vollkaskoversicherungen müssen Autobesitzer aus Pforzheim, dem Hohenlohekreis und dem Bezirk Breisgau/Hochschwarzwald bald mehr berappen, dagegen dürfen Halter aus Ludwigsburg, Böblingen, Konstanz oder dem Neckar-Odenwald-Kreis auf sinkende Beiträge hoffen. So hat sich der Zulassungsbezirk Ludwigsburg nach der GDV-Statistik mit einem Index von 97.94 (minus 0.8) um eine auf die Klasse drei verbessert. In der gleichen Klasse sind Böblingen, Rems-Murr und Esslingen. Der Enzkreis und Heilbronn (Land) folgen in der Regionalklasse vier, Stuttgart und Heilbronn (Stadt) in der Klasse fünf.

Das teuerste Pflaster in Deutschland bleibt für die Autobesitzer übrigens auch im kommenden Jahr Berlin. Wie in den Vorjahren wies die Bundeshauptstadt bei der Kfz-Haftpflicht die schlechteste Schadenbilanz aller 413 deutschen Zulassungsbezirke aus, wie der GDV berichtete. Bei der Neueinteilung der Regionalklassen blieb Berlin wie auch Hamburg, München, Nürnberg, Essen und weitere Großstädte in der höchsten Klasse zwölf.

Nicht wenige Autobesitzer wollen bei einem Umzug ihr altes Heimatkennzeichen behalten. Versicherungstechnisch bringt dies jedoch nichts, da die Versicherungen die Verträge allein anhand des Wohnortes einstufen und nicht nach dem Kennzeichen des Fahrzeugs. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) errechnet jedes Jahr die Schadenbilanzen der 413 deutschen Zulassungsbezirke und teilt diese in die sogenannten Regionalklassen ein. Die Einstufung richtet sich nach dem Schadenverlauf in der Vergangenheit. Wo die Versicherer besonders viel zahlen mussten, steigen in der Folge die Beiträge. Je besser ein Bezirk eingestuft wird, desto günstiger wirkt sich das in der Regel auf den Versicherungsbeitrag aus. Die Kosten hängen noch von vielen weiteren Faktoren ab, so dass die veränderte Einstufung allein noch keine Aussage darüber erlaubt, wie sich der gesamte Beitrag für die Kfz-Versicherung entwickelt.

Die Regionalklassen sind für die Versicherer zwar nicht verbindlich, bilden aber zusammen mit anderen Parametern wie dem Fahrzeugtyp eine wichtige Berechnungsgrundlage für den jeweiligen Tarif. Die neuen Klassen können bei Neuverträgen ab sofort angewendet werden. Bei Altverträgen greifen sie in der Regel zum Hauptfälligkeitstermin, der meist am Jahreswechsel ist.

Die Vergleichsportale Check24 und Verivox wiesen darauf hin, dass die meisten Versicherer die Wohnortkomponente noch kleinteiliger berechnen – auf der Grundlage der Postleitzahlbezirke. In Einzelfällen könne so eine modellhafte Kfz-Versicherung auf der einen Straßenseite bis zu 200 Euro teurer sein als auf der anderen, berichtete Verivox. Bei einer Höherstufung der Regionalklasse steht dem Versicherten ein Sonderkündigungsrecht zu.

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