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Jobabbau und Zukunftssicherung

Komet stellt Besigheimer Werk neu auf – 220 Stellen sollen gestrichen werden für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts

Der Komet-Standort in Besigheim soll zu einem Leitwerk in der Ceratizit-Gruppe werden. Doch zuvor muss das Werk einen massiven Arbeitsplatzabbau verkraften. Foto: Alfred Drossel
Der Komet-Standort in Besigheim soll zu einem Leitwerk in der Ceratizit-Gruppe werden. Doch zuvor muss das Werk einen massiven Arbeitsplatzabbau verkraften. Foto: Alfred Drossel

Besigheim.. Schocknachricht für die Mitarbeiter beim Präzisionswerkzeughersteller Komet in Besigheim: Teile der Produktion sollen ins Ausland verlagert werden – nach Österreich, Bulgarien und Polen, wie ein Sprecher des Unternehmens gegenüber unserer Zeitung mitteilte. Am Komet-Standort, wo derzeit gut 540 Menschen arbeiten, sind etwa 220 Beschäftigte von der Entscheidung des Aufsichtsrats der Komet Deutschland GmbH betroffen. Deren Arbeitsplätze sollen sozialverträglich abgebaut werden, hieß es.

Heute gegen 14 Uhr hat es eine Information des Arbeitgebers für die Beschäftigten gegeben. „Die Nachricht kam aus heiterem Himmel“, sagte Susanne Thomas von der IG Metall Ludwigsburg. Sie war nach Besigheim geeilt, um sich mit dem Betriebsrat zu beraten, wie es weitergehen soll. Die Mitarbeiter seien erschüttert, beschrieb die Gewerkschafterin ihren Eindruck vor Ort. Sie sprach sogar von „Tränen, die getrocknet werden mussten“.

Wie der Aufsichtsrat der Komet Deutschland GmbH mitteilte, hat er als Reaktion auf die Umsatzrückgänge und Ertragsschwierigkeiten der vergangenen Geschäftsjahre sowie das sich ändernde, schwierige Marktumfeld einen Plan zur umfassenden Restrukturierung des Standorts Besigheim beschlossen. Dieser sehe neben Maßnahmen zur Senkung der Kosten auch eine Reihe von Investitionen vor, die die Zukunft des Standorts sichern sollen.

Als Gründe für die Produktionsverlagerung wurden die Folgen einer bereits seit 2019 andauernden Abkühlung im Automobilmarkt, unter anderem durch den Wechsel zur E-Mobilität, in Verbindung mit der Coronapandemie genannt. Dies habe dem Werkzeughersteller Komet, der zur Luxemburger Ceratizit-Gruppe gehört, in den vergangenen beiden Jahren stark zugesetzt. Der Aufsichtsrat habe sich nun zum Handeln gezwungen gesehen, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Lackner laut Mitteilung. „Komet hat in den letzten beiden Geschäftsjahren trotz einer Vielzahl von Gegenmaßnahmen stark an Profitabilität verloren“, beschrieb Lackner die Situation des Unternehmens. Weiter sagte er: „In einem schwierigen Marktumfeld, wie wir es aktuell haben, ist Komet ohne eine tiefgreifende Restrukturierung der beiden Werke Besigheim und Stuttgart langfristig nicht mehr konkurrenzfähig.“ Im Juli vergangenen Jahres hatte der Komet-Aufsichtsrat bekanntgegeben, dass der Standort in Stuttgart-Vaihingen bis spätestens Ende 2021 geschlossen werde soll. „Die dort angesiedelten Kompetenzen will die Ceratizit-Gruppe künftig durch die Standorte Besigheim und Kedzierzyn-Kozle in Polen abdecken“, hieß es in einer Mitteilung der IG Metall. Rund 100 Beschäftigte der Stuttgarter Niederlassung von Komet demonstrierten im Herbst vergangenen Jahres vor der Hauptverwaltung des Werkzeugbauers in Besigheim. Etwa 80 Mitarbeiter des Werks Besigheim erklärten sich damals solidarisch und beteiligten sich innerhalb des Betriebsgeländes an der Protestaktion. Dem Protest der Stuttgarter Belegschaft hatten sich auch Betriebsräte und Beschäftigte der Standorte Balzheim und Empfingen angeschlossen. Über der Demonstration der Komet-Beschäftigten stand nach Einschätzung der IG Metall die bange Frage, wo und wie weitere Restrukturierungen auf den Tagesordnungen landen. Unter vielen Komet-Mitarbeiter ging die Angst um den Job um.

Die Befürchtungen haben sich jetzt bewahrheitet. Besigheim ist als nächster Standort an der Reihe. Die Verlagerung der dortigen Produktion etwa von Wendeschneidplatten, die der Zerspanung von Metallen oder Kunststoffen dienen, begründete die Unternehmensführung mit günstigeren Bedingungen für die Produktion an anderen Standorten der Ceratizit-Gruppe. „Leider bedeutet dies auch einen Verlust von Arbeitsplätzen in Besigheim und Stuttgart“, erklärte Aufsichtsratschef Lackner.

„Die Restrukturierungsmaßnahmen gehen jedoch auch mit Investitionen in die verbleibenden Bereiche der Produktion einher“, versprach die Unternehmensführung. Komet in Besigheim solle als Leitwerk für die Bereiche ultraharte Schneidstoffe und Trägerwerkzeuge langfristig wettbewerbsfähig aufgestellt werden, damit die verbleibenden 325 Arbeitsplätze für die Zukunft gesichert seien. Hierzu sollen laut Mitteilung weitere Teile der Produktion automatisiert, der Anteil der Mehrmaschinenbedienung ausgebaut und die Produktion weiter digitalisiert werden. Da dies in einigen Bereichen neue Fähigkeiten von Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfordere, werde es parallel zur Umstrukturierung eine Qualifikationsinitiative geben, die das Personal in der Produktion auf die künftigen Aufgaben vorbereitet. Die Umsetzung der Restrukturierung solle so sozialverträglich wie möglich erfolgen, kündigte die Geschäftsführung an. „Wir sind bestrebt, schnell mit der Verhandlung über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beginnen“, erklärte Geschäftsführer Gerhard Bailom. (bie)