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Konflikt spitzt sich zu

Betriebsrat: Dräxlmaier verweigert Verhandlungen – Unternehmen hofft auf Dialog

Protestaktion der Dräxlmaier-Mitarbeiter in Sachsenheim. Foto: IG Metall/p
Protestaktion der Dräxlmaier-Mitarbeiter in Sachsenheim. Foto: IG Metall/p

Sachsenheim.. Bei Dräxlmaier in Sachsenheim herrscht dicke Luft. Im Streit um eine Tarifbindung für die Mitarbeiter verhärten sich mittlerweile die Fronten zwischen Arbeitnehmervertretung und Geschäftsführung. Erste Protestaktionen von Mitarbeitern in der Früh- und Nachtschicht haben bei dem Automobilzulieferer stattgefunden.

Die Arbeitnehmerseite erhebt schwere Vorwürfe gegen die Werksleitung in der seit Langem schwelenden Auseinandersetzung. Der Grund: Im Januar haben die Mitglieder der IG Metall bei der Dräxlmaier einstimmig eine Verhandlungskommission gewählt und diese beauftragt, mit der Geschäftsleitung Verhandlungen zur zukünftigen Tarifbindung zu führen. Nach Angaben der IG Metall Ludwigsburg gab es seitens des Managements keine Reaktion. Bislang weigere sich die Geschäftsleitung, Verhandlungen zur Tarifbindung zu führen, teilt die Gewerkschaft mit. Mustafa Yesilyaprak, Betriebsratsvorsitzender am Standort, übt heftige Kritik. „Stattdessen versucht die Geschäftsleitung, uns als Belegschaft zu spalten und ignoriert den Willen einer deutlichen Mehrheit der Beschäftigten bei uns. Das können wir so nicht stehen lassen!“, macht er seinem Unmut Luft.

Im Dräxlmaier-Werk in Sachsenheim werden unter anderem für den Porsche-Taycan die Batterien montiert. „Wer mit Innovationen wie dem 800-Volt-Batteriesystem die Transformation der Automobilindustrie im Premiumsegment maßgeblich mitgestaltet, hat auch branchenübliche Löhne nach Tarifvertrag verdient,“ erklärt Markus Linnow, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ludwigsburg. Unterstützung erhält der Sachsenheimer Dräxlmaier-Betriebsrat von der IG-Metall Ludwigsburg. Die Gewerkschaft fordert für die laut Unternehmensangeben knapp 300 Beschäftigten an dem Standort in Sachsenheim die Tarifbindung nach den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie. Matthias Fuchs, Geschäftsführer der IG Metall Ludwigsburg, unterstreicht: „Transformation kann und darf nicht auf dem Rücken der Menschen in den Betrieben erreicht werden. Das geht nur gemeinsam und dazu gehört auch, dass die Mindeststandards der Tarifverträge für die Menschen gelten, die diesen Wandel durch ihre Arbeit erst möglich machen.“

Die IG Metall hat den Druck auf die Geschäftsleitung erhöht und sie aufgefordert, sich noch vor den Sommerferien zu Verhandlungen zur Tarifbindung bereit zu erklären und konkrete Verhandlungstermine zu vereinbaren. Ansonsten drohe sich die Situation nach der Sommerpause unnötig zuzuspitzen.

„Wir sind in der augenblicklichen Situation im Gedankenaustausch mit der Arbeitnehmervertretung“, teilt die eine Sprecherin der Werksleitung auf Anfrage unserer Zeitung zum Konflikt um eine Tarifbindung mit. „Als Familienunternehmen sei die Unabhängigkeit die Basis für den Erfolg von Dräxlmaier seit über 60 Jahren“, heißt es weiter. Diese Unabhängigkeit sei ein Garant für die Flexibilität des Unternehmens und sichere die Arbeitsplätze. „Wir haben in gewohnter Art und Weise eine individuelle, für die Belange in Sachsenheim abgestimmte Lösung intern auf Ebene der Betriebsparteien vorgeschlagen“, sagte die Sprecherin, ohne konkretere Angaben zu machen. „Wir sind offen für einen konstruktiven Dialog und werden mit der Mitarbeitervertretung natürlich weitersprechen“, betont sie. Und: „Wir sind davon überzeugt, dass wir nur im Dialog mit der Mitarbeitervertretung die bestmögliche Lösung finden werden.“

Im vergangenen Jahr hat die Dräxlmaier-Gruppe, die ihren Hauptsitz im niederbayerischen Vilsbiburg hat, einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro erzielt. Zum Gewinn macht das Familienunternehmen keine Angaben. Der Automobilzulieferer ist mit 65 Standorten in über 20 Ländern präsent und beschäftigt 75000 Mitarbeiter. Eine Tarifbindung wie in Deutschland hat die Gruppe laut Unternehmensangaben an keinem ihrer Standorte. In vereinzelten Ländern gebe es dagegen Kollektivvereinbarungen, die jedoch nicht mit einer Tarifbindung vergleichbar seien.

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