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Mehr Homeoffice statt Betriebsferien

Im Landkreis Ludwigsburg reagieren die Unternehmen unterschiedlich auf das Corona-Infektionsgeschehen

Die Möglichkeit, dass Beschäftigte von zuhause aus arbeiten, hilft Unternehmen, das Gebot der Kontaktbeschränkung umzusetzen. Eine Betriebsruhe – etwa zwischen Weihnachten und Neujahr – ist in manchen Branchen nicht möglich. Foto: LKZ
Die Möglichkeit, dass Beschäftigte von zuhause aus arbeiten, hilft Unternehmen, das Gebot der Kontaktbeschränkung umzusetzen. Eine Betriebsruhe – etwa zwischen Weihnachten und Neujahr – ist in manchen Branchen nicht möglich. Foto: LKZ

Kreis Ludwigsburg. Die Politik ruft die Unternehmen auf, wegen der hohen Corona-Infektionszahlen die Mitarbeiter zwischen den Jahren oder sogar bis zum 10. Januar in Betriebsferien zu schicken. Zudem sollten Firmen großzügige Homeoffice-Regelungen umsetzen, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat sich skeptisch zu den Aufforderungen geäußert. Ganz ohne Beschäftigte und nur noch virtuell könnten Betriebe nicht am Laufen gehalten und Kundenwünsche nicht erfüllt werden, erklärte die BDA. „Das gilt ganz besonders in der Produktion, es gilt aber auch für die ganz überwiegende Mehrheit der Dienstleistungen.“ Die Unternehmen im Landkreis Ludwigsburg handhaben das Thema Betriebsferien – abhängig von der Branche – unterschiedlich. Im Folgenden einige Beispiele:

Wüstenrot&Württembergische: Bei Finanzdienstleistern seien Betriebsferien unüblich, sagt Immo Dehnert, der Chef der Unternehmenskommunikation des Finanzdienstleisters und Vorsorgekonzerns Wüstenrot&Württembergische (W&W). Rund 7000 Innendienstbeschäftigte hat das Unternehmen. Davon arbeiten in Ludwigsburg/Kornwestheim rund 3000, in Stuttgart rund 2000. „Wir sind immer für unsere Kundinnen und Kunden da. Insbesondere das Jahreswechselgeschäft ist für uns darüber hinaus sehr wichtig“, betont Dehnert.

Die Arbeit habe sich im laufenden Jahr bei W&W stark in Richtung Homeoffice verlagert. Vor der Pandemie habe nur jeder Zehnte mobil gearbeitet. Ende März dieses Jahres seien es zeitweise bis zu 80 Prozent der 7000 Innendienst- und 6000 Außendienstbeschäftigten gewesen. Während der zweiten Coronawelle seien wieder rund 70 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice tätig. Abhängig von den aktuellen Entwicklungen dürfte diese Quote weiter steigen, kündigt Dehnert an. W&W habe in den vergangenen Jahren massiv in eine leistungsfähige IT und in digitale Betriebsabläufe investiert, davon profitiere das Unternehmen jetzt. Zudem habe W&W schon vor der Coronakrise konzernweite Vereinbarungen mit den Betriebsratsgremien gehabt, die in zukunftsfähiger Weise die Themen mobiles Arbeiten und Telearbeit ermöglicht haben. „Interessant ist auch, dass mobiles Arbeiten – entgegen mancher Befürchtung – keine Produktivitätsbremse ist“, sagt Dehnert. Mit diesen Erfahrungen könne das Unternehmen für die Zeit nach der Krise überlegen, welcher Mix aus Bürozeit und Homeoffice am produktivsten ist.

Olymp: Die gesamte Belegschaft für mehrere Tage in die Ferien zu schicken und den Betrieb sogar komplett zu schließen, sei für den Bietigheimer Hemdenhersteller Olymp keine Option, sagt Unternehmenssprecher Marc Fritz. Allerdings werde sich die Zahl der Anwesenden an den Arbeitstagen zwischen den Jahren auf eine Minimalbesetzung beschränken. Zum Jahreswechsel falle bei Olymp viel Arbeit an, da das Geschäftsjahr am 31. Dezember endet, begründet Fritz die Regelung. Zudem kämen noch weitere Tätigkeiten in Zusammenhang mit der Mehrwertsteuersenkung und dem Brexit hinzu. Außerdem müsse Olymp für Handelspartner und Konsumenten auch zwischen den Feiertagen lieferfähig bleiben. Von den über 900 Personen, die Olymp in Deutschland und Österreich beschäftigt, haben rund zwei Drittel ihren Arbeitsplatz am Firmensitz in Bietigheim-Bissingen.

Um die Personaldichte im Betrieb gering zu halten, seien Tätigkeiten innerhalb der zurückliegenden Monate bereits größtenteils in die Heimbüros ausgelagert worden, berichtet Fritz. Wann immer möglich, greife Olymp auf mobiles Arbeiten und verschiedene Kommunikationstechnologien zurück, um die persönlichen Kontakte zu minimieren. Zudem gelten auf dem Betriebsgelände Präventions-, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen. Auch Olymp will künftig verstärkt die Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten lassen. „Die überaus positiven Erfahrungen der letzten Monate und nicht zuletzt der verantwortungsvolle und engagierte Umgang unserer Belegschaft mit den neuen Arbeitsformen haben uns dazu veranlasst, die Homeoffice-Regelung auch im Jahr 2021 beizubehalten“, betont Fritz.

Trumpf: Beim Ditzinger Maschinenbauer und Laserspezialisten Trumpf gilt zwischen dem 24. und 31. Dezember eine Betriebsruhe. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 14400 Menschen. Der Stammsitz in Ditzingen hat 4300 Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung. Wie Pressesprecher Rainer Berghausen mitteilt, waren rund 40 Prozent der Beschäftigten in Ditzingen im November im Homeoffice – ausgenommen die Mitarbeiter in der Produktion und im Service. In diesen Bereichen könne Arbeit nicht ins Homeoffice verlagert werden. Für Mitarbeiter außerhalb von Produktion und Service gelte derzeit eine Anwesenheitsquote von 50 Prozent sowie die Arbeit in zwei getrennten Gruppen. Auch bei Trumpf etabliert sich das Arbeiten von zuhause aus immer mehr. Berghausen weist darauf hin, dass die bisher gültige Betriebsvereinbarung bereits heute schon ermögliche, 20 Prozent der Arbeitszeit mobil zu arbeiten. Das seien rund 42 Arbeitstage im Jahr.

USU: „Als Software-Unternehmen kennt USU Betriebsferien im Sinne, dass Maschinen- und Anlagen stillstehen, eigentlich nicht“, sagt Pressesprecher Thomas Gerick. Aber traditionell sei über die Feiertage und zwischen den Jahren lediglich ein sehr kleiner Teil der Belegschaft im Dienst. Das seien vor allem Mitarbeiter im Service, um bei technischen Problemen Kunden sofort unterstützen zu können. Dies erfolge aber weitestgehend aus dem Homeoffice heraus. Generell sei es allen Mitarbeitenden zunächst bis Ende März freigestellt, ob sie im Homeoffice oder im Büro arbeiten. Am Stammsitz in Möglingen verfüge USU über großzügige Räumlichkeiten, die das Ansteckungsrisiko minimieren. Die USU-Gruppe hat 750 Mitarbeiter. In Möglingen gibt es derzeit etwa 250 Beschäftigte.

Aktuell arbeiten laut Gerick drei Viertel der Mitarbeiter im Homeoffice. „Das funktioniert sehr gut, zumal wir in einer Branche arbeiten, in der das mobile Arbeiten an unterschiedlichen Standorten inzwischen zum Alltag gehört“, erklärt Gerick. USU habe mit dem Arbeiten von zuhause aus gute Erfahrungen gemacht, betont er. „Nach dem Ende der Pandemie kann USU sich einen gesunden Mix aus Vor-Ort-Präsenz und Homeoffice vorstellen.“ Denn auch das Soziale sei wichtig, und da sei nun mal der persönliche Austausch viel besser, erklärt Gerick.

Bosch: Bei Bosch gibt es keine zentrale Regelung für eine Betriebsruhe, sagt Christiane Spindler, Pressesprecherin für die Bosch-Standorte in Feuerbach und Schwieberdingen. Dies werde stets nach den Rahmenbedingungen am Standort entschieden. Am Standort Schwieberdingen gebe es vom 21. Dezember bis 3. Januar 2021 eine Betriebsruhe. Der Technologiekonzern empfehle darüber hinaus den Mitarbeitern, bis zum 8. Januar 2021 Urlaubs- und Freischichttage einzuplanen. Bundesweit arbeiten bei Bosch rund 130000 Mitarbeiter. In Schwieberdingen sind es rund 6500 Beschäftigte. Die überwiegende Zahl der Mitarbeiter in Schwieberdingen arbeite von zuhause aus. Auch Bosch setzt künftig verstärkt aufs Homeoffice. Bereits 2014 sei eine entsprechende Konzernbetriebsvereinbarung basierend auf zuvor bereits bestehenden Leitlinien geschlossen worden, berichtet Spindler. „So gehört mobiles Arbeiten für Bosch seit vielen Jahren zum Arbeitsalltag, derzeit unterstützen wir eine noch stärkere und flexiblere Nutzung“, betont sie. Bosch profitiere bei den aktuellen Herausforderungen von der seit vielen Jahren gewachsenen und gelebten flexiblen und familienbewussten Unternehmens- und Arbeitskultur.

Hainbuch: Zwischen Weihnachten und Neujahr wird Hainbuch nur eine Notbesetzung haben, sagt Sylvia Rall, die geschäftsführende Gesellschafterin des Werkzeugbauers und Spannmittelspezialisten. Alle anderen Mitarbeiter gehen in Betriebsferien. Hainbuch beschäftigt derzeit weltweit 850 Mitarbeiter in 14 Tochtergesellschaften, 450 davon in Marbach. Auch Hainbuch nutzt verstärkt das Homeoffice. „Mit steigenden Corona-Fallzahlen haben wir die Präsenz in der Verwaltung wieder sehr runtergefahren. Dort arbeiten derzeit so viele wie möglich von zuhause aus oder sind in Kurzarbeit“, sagt Sylvia Rall. In der Produktion sei das natürlich nicht möglich. Die Hainbuch-Chefin betont, dass zurzeit vor allem der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter im Fokus stehe. „Mobiles Arbeiten bei Hainbuch werden wir aber, wo es sinnvoll und möglich ist, auch längerfristig fortführen“, erklärt sie.

Mann+Hummel: Beim Ludwigsburger Filterspezialisten Mann+Hummel nehmen die Büromitarbeiter vom 24. Dezember bis 2. Januar frei, teilt Pressesprecherin Laura Montag mit. Dies habe im Unternehmen Tradition. In der Produktion in Ludwigsburg seien vom 24. Dezember bis 4. Januar mit Ausnahme der Instandhaltung Betriebsferien. Insgesamt hat Mann+Hummel 22000 Mitarbeiter, am Stammsitz in Ludwigsburg sind es 1400. Das Unternehmen überlasse die Regelung, wie viele Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten, den jeweiligen Abteilungen. Auch Mann+Hummel wolle künftig stärker als bisher mobiles Arbeiten umsetzen. Das Unternehmen arbeite an Lösungen, sagt Laura Montag.

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