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Sioux will sich selbst sanieren

Der Schuhhersteller hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Grund: Umsatzausfälle wegen Corona

Der Schuhhersteller Sioux, 1954 gegründet, befindet sich in einer schwierigen Phase – und will stärker auf das Online-Geschäft setzen.Foto: privat
Der Schuhhersteller Sioux, 1954 gegründet, befindet sich in einer schwierigen Phase – und will stärker auf das Online-Geschäft setzen. Foto: privat
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Walheim. Im Zuge der Coronapandemie mussten auch in der Schuh- und Textilbranche Händler die Geschäfte schließen. Mittlerweile werden allerorten die Folgen des fehlenden Absatzes von Waren spürbar – auch für den Schuhhersteller Sioux in Walheim. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, hat die Sioux GmbH beim Amtsgericht in Offenbach Insolvenz auf Eigenverwaltung angemeldet.

Die Sioux GmbH ist eine von vier Tochterunternehmen der Sioux Holding und verkauft für die Gruppe die vornehmlich in Indien produzierten Schuhe an die Fachhändler. Firmensitz des Unternehmens ist jedoch in Offenbach und die Hauptniederlassung der Sioux GmbH sowie der anderen Tochterunternehmen ist in Walheim. Nicht betroffen von der Insolvenz seien die Tochterfirmen für das Online- und Outletgeschäft. Auch der Geschäftsbetrieb der Sioux GmbH werde uneingeschränkt fortgeführt, teilt Geschäftsführer Lewin Berner (46) mit. „Wir haben uns schweren Herzens dazu entschlossen, 66 Jahre nach Gründung für die Sioux GmbH ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung anzumelden, um das Unternehmen dank der Möglichkeiten eines Insolvenzplanverfahrens fortzuführen“, so Berner weiter. Diese Gesellschaft habe in den fast sieben Jahrzehnten allen Krisen getrotzt. Doch solch eine zerstörende Entwicklung auf dem Markt, „verbunden mit einer derart tiefen Verunsicherung der Konsumenten, hat es niemals zuvor in der langen Firmengeschichte gegeben“. Fehlende Finanzierung macht Insolvenz nötig

Grund des Insolvenzantrages ist laut Unternehmen eine gescheiterte Finanzierung bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). „Weiter auf die angekündigten Nachbesserungen der Kreditbedingungen oder auf den Beteiligungsfonds des Landes Baden-Württemberg zu warten, können wir aber nicht mehr“, so der Geschäftsführer weiter. Ziel sei es nun, einen Sanierungsplan zu erstellen, der die finanzielle und operative Restrukturierung dieser Gesellschaft absichere. Wie es weiter heißt, wolle man „möglichst schnell zusammen mit dem vorläufigen Sachverwalter eine neue, nachhaltige Zukunftsperspektive für die Sioux GmbH erarbeiten“. Vorläufiger Sachverwalter ist der Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Thomas Rittmeister von der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte (Frankfurt). Unterstützt wird Berner außerdem vom Rechtsanwalt Christian Feketija, auch ein Sanierungsspezialist, der die Geschäftsführung verfahrensbegleitend als Generalbevollmächtigter begleitet.

„Wir waren auf dem Weg, in der Firmengruppe das beste erste Quartal seit fast einem Jahrzehnt abzuliefern, da wurde uns durch Corona quasi über Nacht der Boden unter den Füßen weggezogen“, erklärt Berner die Krise. Nach zwei starken Monaten Januar und Februar sei das Geschäft ab März mit den Händlern aufgrund des Lockdown „fast vollständig zum Erliegen gekommen und hat sich auch bis Mitte Juni nicht erholt“. Auch nach der Wiederöffnung der Geschäfte blieben bei den Handelspartnern von Sioux die Nachholeffekte aus. Berner: „Der überwiegende Teil der Handelskunden berichtete von aufgelaufenen Umsatzrückgängen von 30 bis 40 Prozent.“ Der Maskenzwang würde bei vielen Konsumenten dazu führen, dass sie „zurzeit überhaupt nicht stationär einkaufen wollen“.

Viele Sioux-Händler hätten inzwischen selbst Insolvenz angemeldet, wie etwa der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof und der Schuhfilialist Dielmann, oder es drohe ihnen die Zahlungsunfähigkeit. Berner befürchtet, „dass sich diese negative Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2020 noch beschleunigen wird.“

Jährlich werden 650.000 Paar Schuhe produziert

Er will an der Strategie für die Gruppe festhalten und die Digitalisierung vorantreiben, um sich neben dem Geschäft mit den Fachhändlern noch stärker auch auf Endkunden auszurichten. Die wichtigsten Lieferanten hätten bereits zugesagt, Sioux weiterhin zu unterstützen, so der geschäftsführende Gesellschafter. So setzt er zudem auf „die starke Marke, anerkannt gute Produkte und eine motivierte, qualifizierte Mannschaft“. Pro Jahr lässt Sioux, die Gruppe, die insgesamt 75 Mitarbeiter zählt, etwa 650.000 Paar Schuhe produzieren, vornehmlich in Indien. Die Schuhe werden hauptsächlich in Deutschland, aber auch weltweit in 25 Ländern verkauft. Die verkauften Schuhe entfallen zur Hälfte auf Damen- und Herrenkollektionen. Im vergangenen Jahr hat die Sioux GmbH mit dem Verkauf an Händlern einen Umsatz von 24 Millionen Euro erzielt.

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