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Stellenabbau und Kampf gegen rote Zahlen

Mahle im Coronajahr mit Umsatzeinbruch – Automobilzulieferer treibt Transformation verstärkt voran

Das Mahle-Logo auf der Stuttgarter Firmenzentrale. Foto: Marijan Murat/dpa
Das Mahle-Logo auf der Stuttgarter Firmenzentrale. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart.. „Was für ein Jahr“, sagt Michael Frick, der Interimschef des Automobilzulieferers Mahle, gleich zu Beginn der Präsentation der Bilanz 2020 des Stuttgarter Konzerns. Im vergangenen Jahr habe sich Mahle den Herausforderungen der Transformation in der Autoindustrie stellen und gleichzeitig die Folgen der Coronapandemie bewältigen müssen. Mahle sei robust durch das Ausnahmejahr 2020 gesteuert, betont Frick.

Verlust in Höhe von

434 Millionen Euro

Im 100. Jahr seines Bestehens ist der Mahle-Konzern noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht als bereits zuvor. Der coronabedingte Abschwung des weltweiten Automarkts 2020 bescherte dem Unternehmen 434 Millionen Euro Verlust. 2019 hatte das Minus bei 212 Millionen Euro gelegen. 2018 war noch ein Gewinn von 446 Millionen Euro erwirtschaftet worden.

Auch der Umsatz sei im Coronajahr 2020 gesunken und zwar um 16,7 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro im Vergleich zu Vorjahr, berichtet Frick. Der Rückgang sei somit nicht so drastisch gewesen wie zwischenzeitlich befürchtet. Das sei vor allem dem chinesischen Markt zu verdanken gewesen. Das China-Geschäft habe im Vergleich zum Vorjahr um fast vier Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zugelegt. Damit sei ein neuer Rekordwert erzielt worden.

Frick zeigt sich optimistisch, dass Mahle im laufenden Jahr eine Kehrtwende schafft und positive Zahlen erreicht. Anlass für diese Einschätzung gebe ihm das erste Quartal dieses Jahres. „2021 ist gut angelaufen und wir haben das klare Ziel, unseren Umsatz deutlich zu steigern und einen positiven Jahresabschluss zu erzielen. Deshalb setze Mahle auf strikte Kostendisziplin.

Frick bekräftigte, dass Mahle die technologische Transformation verstärkt vorantreiben werde mit dem Fokus auf Wasserstoff und E-Mobilität. Mahle habe die konzernweiten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen im Jahr 2020 trotz des herausfordenden Umfelds mit 644 Millionen Euro auf hohem Niveau gehalten, unterstreicht der Interimschef. Die Investitionsquote bei den Entwicklungskosten sei von 6,2 auf 6,6 Prozent gesteigert worden. Über 80 Prozent der Investitionen der Konzernforschung würden in Zukunftsthemen fließen. Mahle erwirtschaftet aktuell über 60 Prozent seines Umsatzes unabhängig vom Pkw-Verbrenner. Bis 2030 sollen es rund 75 Prozent sein.

In der Vergangenheit war die Geschäftsführung vor allem von Seiten der Arbeitnehmervertretung immer wieder in die Kritik geraten, das Unternehmen nicht entschlossen genug auf die Elektromobilität umzustellen. Mahles Geschäftsschwerpunkt war lange Zeit die Produktion von Filtern, Kolben und Pumpen für den Verbrennungsmotor. Seit der verstärkten Ausrichtung der Autoindustrie auf E-Mobilität gilt dieses Geschäftsfeld als nicht mehr zukunftsfähig. Frick sagte dazu: „Mahle ist ein moderner Technologiekonzern, und unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt.“ Auch Produkte für den Verbrennungsmotor seien nach wie vor stark nachgefragt.

Mahle hat im vergangenen Jahr seine Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramme verschärft. Im September 2020 war bekannt geworden, dass weltweit 7600 Jobs gestrichen werden sollen, davon 2000 in Deutschland. Die Mahle-Standorte Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall), Freiberg in Sachsen und Öhringen (Hohenlohekreis) werden geschlossen. Inzwischen sei eine Einigung mit der Arbeitnehmervertretung über den Stellenabbau in Deutschland getroffen worden. Demnach soll es ein Freiwilligenprogramm mit Abfindungen geben. Auch Arbeitszeitabsenkungen seien möglich.

Keine Stellenstreichung im Markgröninger Werk

Der Mahle-Standort in Markgröningen, einer der ältesten des Konzerns, sei von dem Stellenabbau nicht betroffen, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Das Werk, in dem Komponenten für Groß- und Kleinmotoren produziert werden, hat rund 560 Mitarbeiter. Derzeit gebe es keine detaillierte Planungen zur Reduzierung von Arbeitsplätzen, heißt es. Über die Nachbesetzung von freiwerdenden Stellen solle nach Auftragslage entschieden werden.

Mit Kornwestheim hat Mahle einen weiteren Standort im Kreis Ludwigsburg. Das dortige globale Entwicklungszentrum für Mechatronik und Elektronik mit 150 Mitarbeitern ist von den Jobstreichungen auch nicht betroffen. Mahle hatte Ende 2020 weltweit 72000 Mitarbeiter, das waren 5000 weniger als 2019.

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