Logo

Übersetzer agieren meistens im Hintergrund und machen die Welt sprachlich verständlicher

Die Übersetzerinnen Regine Baum, Sonja Schuberth-Kreutzer und Gudrun Riesenberg (von links). Foto: Holm Wolschendorf
Die Übersetzerinnen Regine Baum, Sonja Schuberth-Kreutzer und Gudrun Riesenberg (von links). Foto: Holm Wolschendorf
Drei Frauen aus dem Kreis Ludwigsburg erzählen von ihrer Arbeit mit einer fremden Sprache und der Bedeutung ihres Berufes

Ludwigsburg/Marbach/Markgröningen. Ob Gebrauchsanweisungen für technische Geräte, Beipackzettel für Medikamente, ob Geschäftsberichte oder amtliche Dokumente: Übersetzerinnen und Übersetzer leisten einen wichtigen Beitrag, die Welt sprachlich verständlicher zu machen. Dabei agieren sie meist im Hintergrund, punkten dabei aber mit viel Fingerspitzengefühl.

Das Talent für Sprachen und der Spaß, damit umzugehen, eint Regine Baum, Gudrun Riesenberg und Sonja Schuberth-Kreutzer. Alle drei sind Übersetzerinnen. Und zwar mit Leib und Seele. Ihre Leidenschaft dafür haben sie früh erkannt, erzählen sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dolmetscheraufgaben für ukrainische Flüchtlinge

Sie habe Russisch bereits in der Schule gehabt, deswegen habe sie sich dafür entschieden, berichtet Regine Baum aus Ludwigsburg, „meine zweite Sprache ist Französisch“. Aufgrund der Tatsache, dass sie Russisch kann, übernehme sie aktuell zudem für die Stadt Ludwigsburg Dolmetscheraufgaben für ukrainische Flüchtlinge. Bei Gudrun Riesenberg aus Markgröningen gesellt sich zum Französisch die spanische Sprache. Sonja Schuberth-Kreutzer aus Marbach ist Diplom-Übersetzerin für Englisch, Französisch und Spanisch. Sie habe bereits in der Schule gemerkt, dass ihr die „Arbeit mit Sprachen Spaß macht“, sagt Schuberth-Kreutzer, es sei die „richtige Entscheidung gewesen, mich für diesen Beruf zu entscheiden. Denn wenn man etwas gerne macht, dann macht man es gut“. Dem können Regine Baum und Gudrun Riesenberg nur zustimmen: „Für mich ist es mein Traumberuf“, sagen sie unisono.

Möglichkeiten in sehr vielen Fachgebieten

Denken viele beim Übersetzen an literarische Texte, stelle dies nur einen Teil dessen dar, in welchen Bereichen die Sprachprofis arbeiten können. Ist einer der Schwerpunkte von Regine Baum, für eine Bank in Luxemburg tätig zu sein und deren Fonds- und Geschäftsberichte zu übersetzten, ist Gudrun Riesenberg beim Maschinenbau, in der Getränke- und Abfülltechnik hängengeblieben; Wasseraufbereitungsanlagen sind Sonja Schuberth-Kreutzers Metier – „einem Laien ist es oft nicht bewusst, wo überall Scheibenwaschanlagen zum Einsatz kommen, beispielsweise bei Autos, aber auch bei Glasscheiben für Wintergärten“.

Die jeweiligen Fachgebiete, in denen die drei Übersetzerinnen die absoluten Profis sind, hätten sich „fast schon zufällig“ ergeben, sagen sie: „Oft ist es der erste Arbeitgeber, den man nach dem Studium bekommt. Da bleibt man dann hängen.“ Grundsätzlich ist die Bandbreite, in der Übersetzerinnen tätig sind, sehr umfassend: Fachübersetzen für Gerichte und Behörden, für Industrie und Wirtschaft, Literaturübersetzen oder auch Medienübersetzung und für die IT-Branche.

Urkunden ins Deutsche übertragen

Nach einem abgeschlossenen Studium, was die drei Übersetzerinnen in der Tasche haben, besteht die Möglichkeit, sich vereidigen zu lassen. Das übernimmt das Landesgericht des jeweiligen Bundeslandes. Vereidigte Übersetzer dürfen Urkunden und offizielle Dokumente wie Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden in eine andere Sprache oder von dieser ins Deutsche übertragen.

Übersetzen habe viel mit Handwerk zu tun, bestätigen die drei Fachfrauen. Darüber hinaus bedeute es aber nicht nur, einen Text eins zu eins in eine andere Sprache zu übertragen, sondern vor allem bei Fachübersetzungen sei das Wissen und Verständnis dahinter von großer Bedeutung. Denn eine Produktbeschreibung für ein technisches Gerät erfordere ein anderes Fachvokabular als ein Beipackzettel für Medikamente.

Auch Computerprogramme unterstützen

Hierbei leisten spezielle Computerprogramme, die die Fachfrauen im Laufe ihrer Berufstätigkeit mit ihren Wortschätzen gefüttert haben, gute Dienste. „Wenn ich aktuell einen Text übersetze, schlägt das Programm ähnliche Satzbausteine vor, die ich eventuell übernehmen kann“, erklärt Regine Baum.

Dies ermögliche eine effizientere, damit schnellere und dennoch zuverlässige Arbeit.

Texte bis ins letzte Detail dekodieren und interpretieren

Brauchen wir weiterhin Übersetzer? Ja, betonen die drei Fachfrauen. Mögen einzelne Wissenschaftsbereiche einen standardisierten und verflachten Stil pflegen, den Übersetzungsprogramme durch die Verfügbarkeit reichhaltigen Trainingsmaterials schon zur Genüge kennen und somit einigermaßen sinnvoll übersetzen können, müssen Übersetzer Texte der Ausgangssprache verstehen, bis ins letzte Detail dekodieren und interpretieren können, sie müssen die Fähigkeit besitzen, angemessen und variantenreich in der Zielsprache zu formulieren. Die Maschine hat nur letztere Kompetenz, sie kann formulieren, aber nicht verstehen. „Laien mögen sich mit den teilweise ordentlichen, aber bei weitem nicht fehlerfreien maschinellen Übersetzungen zufriedengeben“, sagen die Fachfrauen, Profis, zu denen eben ihre Klientel gehörten, „erwarten – zu Recht – eine erstklassige Arbeit, die wir auch leisten und liefern.“ Das liege auch daran, dass Verstehen auf Wissen beruhe, das vielfältig mit Wörtern und anderen sprachlichen Elementen verknüpft ist. „Der Rechner scheitert an Banalitäten, an die ein menschlicher Übersetzer keinen Gedanken verschwenden würde“, bringen es Baum, Riesenberg und Schuberth-Kreutzer auf einen Nenner.

In Netzwerk organisiert

Und wenn sie in der Tat einmal nicht weiterhelfen können, empfehlen sie eine ihrer Kolleginnen, die sich entweder im regionalen Netzwerk (https://uebersetzer-dolmetscher-stuttgart.de/) zusammengeschlossen haben oder die im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer organisiert sind.

Bundesverband mit über 7500 Mitgliedern

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) ist mit mehr als 7500 Mitgliedern der größte deutsche Berufsverband der Branche. Er repräsentiert gut 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland und vertritt deren Interessen seit 1955 – in Deutschland sowie international. Er fungiert als Dachverband für zwölf Mitgliedsverbände.

Anteil von Frauen in entsprechenden Studiengängen hoch

Die Bezeichnungen Übersetzer und Dolmetscher sind nicht geschützt. Es handelt sich um zwei verschiedene Berufe, die oft miteinander verwechselt werden: Übersetzer arbeiten mit Texten, also schriftlich. Dolmetscher hingegen arbeiten mündlich – sie übertragen das gesprochene Wort von einer Sprache in die andere. Sowohl der Berufsalltag als auch die Ausbildung unterscheiden sich. Auch der Quereinstieg aus sonstigen sprachbezogenen Studiengängen oder aufgrund anderweitig erworbener Sprach- und Fachkenntnisse ist nicht unüblich. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2018 rund 46000 Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland; davon waren 29000 selbstständig tätig und 17000 abhängig beschäftigt. Der Anteil der Frauen in beiden Berufen und in den entsprechenden Studiengängen ist hoch. Im Verband selbst liegt er bei fast 80 Prozent.

Strenge Aufnahmekriterien

Für die Mitgliedschaft im Verband gelten strenge Aufnahmekriterien. Mitglied kann nur werden, wer seine fachliche Qualifikation für den Beruf nachweist – entweder in Form einer einschlägigen Berufsausbildung (translationsbezogenes Hochschul- oder Fachstudium), einer staatlichen Prüfung oder je nach Vorbildung (sprachbezogenes oder sonstiges Studium) anhand von fünf oder sieben Jahren Berufserfahrung. Eine BDÜ-Mitgliedschaft gilt als Qualitätssiegel. In der Mitgliederdatenbank des Verbands im Internet lässt sich kostenfrei nach qualifizierten Dolmetschern und Übersetzern für etwa 90 Sprachen suchen https://suche.bdue.de/