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Umspannwerk wird modernisiert

Übertragungsnetzbetreiber Amprion investiert 125 Millionen Euro in die Erneuerung seiner Anlage in Hoheneck

Auf dieser Betriebsfläche der Firma Amprion im Umspannwerk Ludwigsburg-Hoheneck wird auch ein Gebäude für einen neuen Phasenschiebertransformator errichtet. Foto: Holm Wolschendorf
Auf dieser Betriebsfläche der Firma Amprion im Umspannwerk Ludwigsburg-Hoheneck wird auch ein Gebäude für einen neuen Phasenschiebertransformator errichtet. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Besucher des Tierheims Ludwigsburg oder Spaziergänger und Radfahrer, die in der Nähe des Umspannwerks Hoheneck unterwegs sind, haben es längst bemerkt: die Gebäude auf dem Gelände des Übertragungsnetzbetreibers Amprion sind abgerissen worden. Das Unternehmen wird dort in den nächsten fünf Jahren 125 Millionen Euro in die Modernisierung seines Bereichs am Standort Hoheneck investieren. Das Besondere an diesem Umspannwerk ist, dass ein Teil von Transnet BW, einer Tochter des EnBW-Konzerns, betrieben wird.

Das neue Herzstück der Amprion-Umspannanlage wird ein sogenannter rotierender Phasenschieber sein – ein spezieller Transformator, mit dessen Hilfe der Netzbetreiber den Weg des Stroms steuern kann. Wie das Unternehmen mitteilt, ist es der erste dieser Art in Baden-Württemberg, der nach seiner Fertigstellung dazu beitragen soll, die Spannung im regionalen Stromnetz stabil zu halten. Nach Angaben von Amprion beginnen die Arbeiten für den Phasenschieber im Oktober im laufenden Betrieb und sollen Anfang 2023 abgeschlossen werden.

„Phasenschieber stellen Blindleistung bereit, die für den Spannungserhalt im Stromnetz unerlässlich ist“, sagt Amprion-Projektleiter Stephan Wittner, der die Installation betreut. Das ist dann der Fall, wenn der Strom unregelmäßig ins Netz eingespeist wird – etwa bei Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne. Diese Stromerzeugung ist in den vergangenen Jahren schneller gewachsen als das Übertragungsnetz. Damit Strom trotzdem zuverlässig fließt, können mit Hilfe von Phasenschiebertransformatoren Spannungen angehoben oder abgesenkt werden, um „Schwankungen im Netz in kürzester Zeit ausgleichen“. Traditionell haben diese Aufgaben in der Vergangenheit vor allem Großkraftwerke erfüllt. Wenn die Kraftwerke im Zuge der Energiewende nun nach und nach vom Netz gehen, muss dies nun durch den Einsatz von Phasenschiebern ausgeglichen werden.

Neben der Errichtung des Phasenschiebers sollen in Hoheneck auch eine große Halle mit Werkstätten, Wasch- und Umkleideräumen, ein Lager und Garagen sowie ein Bürogebäude neu gebaut werden. „Der Bau der neuen Betriebsgebäude soll 2022 starten“, sagt Betriebsleiter Sven Bernhard laut Mitteilung. Die rund 40 Mitarbeiter, die unmittelbar am Standort beschäftigt sind, mussten bereits im Herbst 2020 ausziehen und „arbeiten übergangsweise in einer angemieteten Immobilie im Nachbarort Freiberg“, so Bernhard. Ziel sei es, die komplette Mannschaft in einem Gebäude unterzubringen. Weitere 110 Mitarbeiter sind auch Hoheneck zugeordnet, arbeiten aber in der Fläche – etwa an den Leitungen und Umspannanlagen in der Region. Von den Investitionskosten entfallen laut Pressesprecher Andreas Preuß gut 115 Millionen Euro auf den Phasenschieber. Etwa zehn Millionen Euro sind für die Neubauten erforderlich.

Das südliche Netz von Amprion (früher RWE Transportnetz Strom GmbH) wird seit fast 100 Jahren – einst von RWE für den Stromtransport vom Rheinland und Westfalen bis in die Alpen entwickelt – über die sogenannte Gruppenschaltleitung (GSL) Süd in Hoheneck betrieben.

Für die neuen Betriebsgebäude und die GSL Süd nimmt Amprion die bisherige 220-kV-Schaltanlage außer Betrieb und baut sie zurück. Etwa im Frühjahr 2023 soll der erste Spatenstich für den Neubau der GSL erfolgen, die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant. Der komplette Umbau in Hoheneck soll 2026 abgeschlossen sein.

„Durch die Baustelle entstehen Lieferverkehre, und es kann vorkommen, dass wir zeitlich begrenzte Parkverbote aussprechen müssen. In jedem Fall werden wir solche Maßnahmen rechtzeitig ankündigen. Darüber hinaus nehmen wir Anregungen und Beschwerden jederzeit entgegen und sind über die komplette Bauphase hinweg für Bürgerinnen und Bürger erreichbar“, wirbt Projektsprecher Jörg Weber schon jetzt um Verständnis. Für Fragen und Anregungen gibt es bereits eine kostenlose Projekthotline unter der Rufnummer (0800) 58952474, die werktags von 8 bis 20 Uhr erreichbar ist.

Die Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund, die einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland ist und über sein 11000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz Strom in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen transportiert, hat mit etwa 2100 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 15,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von acht Prozent.

Der Jahresgewinn lag nach Unternehmensangaben mit 217 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Wie das Unternehmen im Mai bekanntgab, sollen in den kommenden zehn Jahren rund 24 Milliarden Euro in den Umbau des Energiesystems investiert werden.

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