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Von Pleidelsheim hinaus in die Welt

Siegfried und Kristina Greiner führen das Pleidelsheimer Familienunternehmen. Die Transportstühle und -liegen sind in Kliniken gefragt.Fotos: Greiner
Siegfried und Kristina Greiner führen das Pleidelsheimer Familienunternehmen. Die Transportstühle und -liegen sind in Kliniken gefragt.Fotos: Greiner
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Das Familienunternehmen Greiner wird in diesem Jahr 100 Jahre alt – Erfolgreich auch während der Coronapandemie

Pleidelsheim. Sitze und Stühle sind das Metier der Greiner GmbH in Pleidelsheim. Das Familienunternehmen im Herzen von Baden-Württemberg feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, blickt auf eine ereignisreiche Erfolgsgeschichte zurück und zählt heute zu den führenden Herstellern von Sitzen für spezielle Anwendungsgebiete in den Bereichen Medizin-, Friseur- und Automobilinterieur. Der Fokus liegt auf der Ausstattung von Krankenhäusern und Arztpraxen, Friseursalons und auf Fahrzeugen. Das Jubiläum will Greiner 2022 mit neuen Ideen, Produkten, Aktionen und Veranstaltungen feiern.

Nähe der Zulieferer wichtig

In einer kleinen Pleidelsheimer Werkstatt hat 1922 die Erfolgsgeschichte der von Walter Greiner Senior gegründeten Firma „Greiner Stahlmöbel“ mit der Herstellung von Metallkomponenten für Friseurstühle begonnen. Mittlerweile wird das Unternehmen in dritter und vierter Generation von Siegfried und Kristina Greiner geführt. „Made in Germany“. Funktion, Design, Qualität und Service sind die Grundlage des Erfolgs. Von der Entwicklung über die Fertigung bis zur Endmontage stellt das mittelständische Unternehmen seine Produkte vor Ort her. Auch die Nähe der Zulieferer ist für Kristina Greiner sehr wichtig. „Viele strategische Partner sind aus der Region“, betont die Geschäftsführerin. So seien die Wege und die Reaktionszeiten kurz.

Weltweit auf Erfolgskurs

Dabei ist Greiner weltweit tätig. „Unser Exportanteil beträgt zwischen 65 und 70 Prozent“, verrät Jens Reichenbach, Vice President Medbest und Hairline. 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Firma derzeit, vor zwei Jahren zu Beginn der Coronapandemie waren es 105. Zudem gibt es offene Stellen. Nicht zuletzt ist die Greiner GmbH ein Ausbildungsbetrieb. Traditionelle Berufe, die zum Teil selten geworden sind, können hier erlernt werden: Polstern, Nähen, Fahrzeugsattlerei. Aber auch Logistiker und Kaufleute.

Zwölf Prozent Umsatzwachstum

„Greiner ist seit vielen Jahren weltweit auf Erfolgskurs. So haben sich in den letzten Jahren trotz der Pandemie unsere Umsätze positiv entwickelt“, sagt Reichenbach. „Unser Umsatz hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt.“ Zwölf Prozent habe das Gesamtwachstum 2021 betragen. „Wir haben in den vergangenen Jahren auch viel investiert in Produktentwicklung, Produktionserweiterung und weltweite Vertriebsstrukturen.“

„Wir sind dankbar für die drei Säulen, die drei Geschäftsbereiche“, betont Kristina Greiner. Der Friseurbereich ist eine davon. Top-Salons der Welt, ob in Deutschland, in Dubai oder in Saudi-Arabien, setzen auf die Ausstattung aus Pleidelsheim. „Der Hairline-Bereich hat unter der Pandemie gelitten“, so die Geschäftsführerin, „aber auch hier sehen wir positiv in die Zukunft“. In den Coronajahren mussten Friseure in aller Welt während der Lockdowns schließen und investierten weniger. Seit dem vergangenen Jahr spürt das Unternehmen eine „gute Erholung“ – mit neuen Produkt-Designs und innovativen Waschanlagen. „Während des Haarewaschens werden in einer Liegeposition gleichzeitig Rücken und Po durch eine Massage-Einheit massiert“, sagt Reichenbach. Damit sei Greiner in Europa derzeit einer der Marktführer.

Einsatz im Pistenbully

Die zweite Säule ist der Bereich der Fahrzeugsitze. Mit dem Kauf der Heimerdinger Scheel-Mann-Sitze GmbH kam dieser 1988 hinzu. Spezielle Fahrzeugsitze kommen beim Pistenbully, dem führenden Geländefahrzeug zur Präparierung von Skipisten und Loipen, zum Einsatz. Auch hier mussten die Pleidelsheimer zunächst mit den Lockdowns in den Wintersportorten Einbrüche verzeichnen. Während der Pandemie sei die Nachfrage aus den USA unglaublich gewachsen. Aufgrund von weltweiten Reisebeschränkungen entstand ein Hype im „Vanlife“-Bereich. Fahrzeuge wurden zu Wohnmobilen umgerüstet und Offroad-Mobile mit hochwertigen Nachrüstsitzen ausgestattet. Auch in Australien, Afrika und Dubai sind die Sitze gefragt. Von „überdurchschnittlichen Absatz- und Umsatzzuwächsen“ spricht Greiner.

Medizinische Liegen gefragt

Die Medizintechnik stattet als dritte Säule Kliniken, Praxen sowie Alten- und Pflegeheime auf allen Kontinenten mit Therapieliegen aus. Und der „Medseat“ ist heute der führende Behandlungsstuhl in Hals-Nasen-Ohren-Praxen, so Reichenbach. Kliniken weltweit investieren stärker, Transportliegen für den OP- und Intensiv-Bereich, Blutabnahme- und Plasmaspendeliegen sind gefragt. „Medizintechnik ,Made in Germany‘ ist weltweit gefragt“, sagt die Chefin.

Das Kommunikationssystem SMT für Kliniken hat Greiner schon vor drei Jahren auf den Markt gebracht. Patienten können so auch aus der Quarantäne mit der Familie Verbindung halten und mit der Welt kommunizieren. Das in einen Beistelltisch integrierte PC-Tablet kann ans Klinikbett oder die Liege gefahren werden; die Patienten können auf einem 17,3-Zoll-Monitor App-Funktionen nutzen, Mails schreiben, das Handy anschließen oder per App fernsehen. „Man kann eine Vielzahl von Landessprachen einstellen. „Das ist einzigartig“, betont Reichenbach.

Jubiläum: Ein Tag der offenen Tür für die Mitarbeiter und ihre Familien eröffnet am 22. Mai die Jubiläumsveranstaltungen. Ein 100-Jahr-Fest für Fachhändler aus aller Welt soll am 23. September folgen. Zum Anlass lässt Greiner den Schalensitz Scheel 100 wiederaufleben, der in den 1970er Jahren in Fahrzeugen wie dem 914er-Porsche, BMW 3.0 CSI oder Ford Capri RS Platz fand. Weitere Aktionen und Events sollen folgen.