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„Wir arbeiten von der Bohne weg“

Unternehmen Food Masters Freiberg baut Produktionsanlagen zur Verarbeitung von Kakao – Exportanteil bei 85 Prozent

Schweißarbeiten in einer Rösttrommel, die eine Kapazität von fünf Tonnen hat. Fotos: Holm Wolschendorf
Schweißarbeiten in einer Rösttrommel, die eine Kapazität von fünf Tonnen hat. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Gerade im Winter, wenn es draußen feuchtkalt ist und es früh dunkel wird, überkommt viele Deutsche abends die Lust auf süße Schokolade oder einen heißen Kakao. Schokolade soll auch glücklich machen, so heißt es im Volksmund – und das nicht nur in der Coronakrise. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 11,1 Kilo zählen die Deutschen nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes (2017) auch zu den größten Naschkatzen in Europa – und müssten sich besonders glücklich fühlen. Für eine einzige 100-Gramm-Tafel Schokolade braucht man etwa 50 Kakaobohnen.

Bis sich aus den Blüten Kakaofrüchte entwickeln – und aus den Samen schließlich Kakaobohnen, deren Aromen den Geschmack der Schokolade ausmachen –, sind einige „Verwandlungen“ und nicht wenige Produktionsschritte nötig. Hier kommen weltweit gefragte Spezialisten ins Spiel wie die Food Masters. Das Unternehmen, das seit vier Jahren in der Freiberger Benzstraße produziert und im nächsten Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, befasst sich mit der Planung, dem Bau, der Installation und der Inbetriebnahme von Großanlagen der Kakao- und Nussindustrie. Und das erfolgreich.

„Unsere Auftragslage ist gut“, sagt Jürgen Fischer, einer der Geschäftsführer. Für Coronazeiten sogar sehr gut. So hat das Unternehmen derzeit Aufträge für die nächsten sechs Monate abzuarbeiten. Die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre war enorm. „Wir haben seit unserer Gründung im Schnitt 20 bis 30 Prozent Umsatzzuwachs im Jahr“, sagt Jürgen Fischer, einer der vier Geschäftsführer. Darüber, wie hoch der Jahresumsatz ist, schweigt sich der Ingenieur aus. Nur so viel verrät er: „Es ist ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag.“ Der Exportanteil beläuft sich bei Food Masters auf 85 Prozent.

Die Zahl der Mitarbeiter ist in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls von zwölf Technikern, die einst beim Ludwigsburger Weltmarktführer G.W. Barth gearbeitet hatten und die sich in der Zeit nach der Übernahme durch die Schweizer Bühler-Gruppe mit der neuen Firma Food Masters selbstständig gemacht hatten, auf 46 angestiegen. Jeweils 20 Mitarbeiter sind heute im Ingenieursbereich und im Bereich von Produktion und Vertrieb tätig. Hinzu kommen drei Azubis – die Ausbildungskapazität soll jedoch in den nächsten Jahren auf sechs Azubis ausgebaut werden. Und das Unternehmen will weiter wachsen.

Nicht weit gefehlt ist es, Food Masters als einen „Hidden Champion“ zu bezeichnen, als einen jener Technologieführer, der sich vorwiegend in seiner Branche international einen Namen gemacht hat. Die Freiberger Entwicklungsingenieure haben in den vergangenen Jahren für die erfolgreichsten Kakao- und Nussverarbeiter Anlagen entwickelt, die auf dem internationalen Weltmarkt zu den besten gehören. Vorwiegend entwickle, baue und installiere man Maschinen für die Großen der Schokoladen- und Süßwarenindustrie, so Fischer. Dazu zählen die Schweizer Barry Callebaut AG, Olam International (Singapur) und der US-Konzern Kargill.

„Unsere Maschinen stehen oft um den Äquator herum“, betont Fischer. Das Freiberger Unternehmen sei überall tätig, wo Kakao angebaut oder verarbeitet werde – in Westafrika, Südamerika und in Asien, aber auch in Europa und den USA. Dabei geht es um komplette Kakaofabriken, die 160 bis 180 Meter lang, 30 Meter breit und bis zu 28 Meter hoch sind, wie Fischer erklärt. „Wir arbeiten von der Bohne weg“, sagt der Ingenieur. Die Kakaobohnen werden in der Anlage in insgesamt 18 Prozessschritten aufwendig von Blättern, Holz, Steinchen, Sand und Insekten gereinigt, thermisch vorbehandelt, dann geschält, vorbehandelt, geröstet, gemahlen und zu Kakaomasse, Kakaobutter und Kakaopulver verarbeitet.

Aber nicht nur für Branchenriesen werden die Anlagen gebaut. Auch kleinere Kugelröster für Schokolademanufakturen haben die Freiberger im Angebot. In der Versuchshalle, in denen die Kunden sich die Möglichkeiten zeigen lassen, steht eine moderne graue Hightechanlage aus dem 21. Jahrhundert, deren Kern jedoch eine rote Scirocco-Kugelröstanlage von G.W. Barth bildet. Diese wurde über 90 Jahre lang in Ludwigsburg gebaut. „Kugelröster bringen immer noch das beste Aroma“, schwärmt Fischer. In der Scirocco kann man 250 Kilo Kakaobohnen rösten. Die modernen Trommelröster, die einen Stock tiefer in der Halle gebaut werden, kommen auf eine Kapazität von fünf Tonnen.

Trotz seiner vielfältigen weltweiten Kontakte nach Afrika und Südamerika ist das Unternehmen bisher ohne Erkrankung durch die Coronazeit gekommen. Die anhaltende Coronapandemie erschwert den Freibergern jedoch ihre „sehr ingenieurslastige Arbeit“. Notwendig sei es, „die Gegebenheiten bei den Kunden vor Ort zu sehen, um Lösungen zu finden“, erklärt Fischer. Dies sei derzeit allerdings kaum möglich. Ein Kollege habe unlängst in der Elfenbeinküste eine große Anlage in Betrieb genommen und dafür wegen der Coronamaßnahmen sieben Wochen gebraucht – statt etwa zweieinhalb. In der Anlage habe man wegen der Covid-19-Pandemie extremen Wert auf Hygiene gelegt, betont Fischer. Zudem sei es auch zu politischen Unruhen gekommen. Doch der Mitarbeiter konnte schließlich ohne Infektion wieder heimkehren.

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