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„Wir lotsen die Menschen weiter“

Land verlängert Förderung: Der Welcome Service Region Stuttgart berät rund um Ankommen, Arbeit und Leben

Eine Beratung im Landratsamt vor der Pandemie. Jetzt gibt es auch Videosprechstunden. .Archivfoto: Ramona Theiss
Eine Beratung im Landratsamt vor der Pandemie. Jetzt gibt es auch Videosprechstunden. . Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg/Stuttgart. Internationale Fachkräfte und Studierende, die nach Deutschland kommen wollen oder bereits hier sind, werden beim Welcome Service Region Stuttgart auch künftig eine Anlaufstelle finden. Anfang November hat das baden-württembergische Wirtschaftsministerium bekanntgegeben, dass es auch in den kommenden drei Jahren zehn regionale Welcome Center sowie das landesweit zuständige Welcome Center Sozialwirtschaft mit fast 4,3 Millionen Euro fördern wird. Rund 566000 Euro entfallen auf den Welcome Service Region Stuttgart.

Laut Staatssekretärin Katrin Schütz dürfe die Pandemie nicht dazu führen, dass man in den langfristigen Bemühungen nachlasse, internationale Fachkräfte zu gewinnen und zu integrieren: „Die Welcome Center haben seit Beginn der Corona-Einschränkungen bewiesen, dass sie ihr Beratungsangebot flexibel auf die Situation anpassen können.“ Durch virtuelle Formate wurde sogar die Reichweite über die Landesgrenzen hinaus erweitert, so dass Fachkräfte bereits aus ihrem Heimatland etwa an Seminaren teilnehmen konnten.

Welche Möglichkeiten habe ich mit meiner Qualifikation in Deutschland? Wie kann ich meinen Abschluss anerkennen lassen? Auf was muss ich bei der Bewerbung achten? Fragen wie diese beantwortet Svetlana Acevic einmal im Monat internationalen Fachkräften und Studierenden im Landratsamt Ludwigsburg. Diese kostenlose Möglichkeit bietet der Welcome Service Region Stuttgart in Kooperation mit dem Kreis und der Fachkräfteallianz Landkreis Ludwigsburg seit 2015 an. Sie steht auch kleinen und mittelständischen Unternehmen offen, die sich laut Svetlana Acevic jedoch häufiger per Telefon oder E-Mail beraten lassen. Mit ihnen bespricht sie Themen wie Rekrutierung und Integration ausländischer Fachkräfte sowie rechtliche und behördliche Fragen.

So soll dem Fachkräftemangel in der Region entgegengewirkt und eine Willkommens- und Anerkennungskultur geschaffen werden. „Wenn man eine Fachkraft hergeholt hat, ist die Arbeit nicht getan“, betont Svetlana Acevic. Neben den arbeitsbezogenen Themen informiert sie bei Bedarf auch über Wohnen, Mobilität, Vereine, Freizeit- und Kulturangebote in der Region. Die Beratung steht auch den Familienangehörigen der Fachkräfte offen. „Ich ermutige auch immer, das Ganze auf Deutsch zu besprechen“, so Svetlana Acevic. Andernfalls weiche sie auf Englisch und gelegentlich Serbisch aus. „Wir lotsen die Menschen weiter, je nachdem, welche Fragen sie haben“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise. Es gehe darum, erste Punkte zu klären und den Ratsuchenden weitere Ansprechpartner zu vermitteln. Das kann etwa die Agentur für Arbeit, eine Anerkennungsstelle oder die entsprechende Berufskammer sein. „Wir wollen keine Parallelstrukturen aufbauen“, betont die Beraterin.

Vier Personen kann Svetlana Acevic pro Termin im Landratsamt empfangen. Einmal wurde diese Zahl in diesem Jahr erreicht, in den anderen Fällen suchte jeweils nur eine Person Rat. Von den geplanten Terminen mussten vier coronabedingt abgesagt werden. Doch neben der Beratung in der Region, die es auch in den Kreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen und Rems-Murr gibt, sind die fünf Mitarbeiterinnen des Welcome Service vor allem im Welcome Center Stuttgart aktiv. In dieser zentralen Anlaufstelle ist der Andrang deutlich höher: Dieses Jahr haben sie dort bereits rund 1300 Fachkräfte aus über 150 Ländern beraten. Der Welcome Service wird seit 2014 von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) angeboten und vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium gefördert. Das Welcome Center Stuttgart betreiben die WRS und die Landeshauptstadt gemeinsam.

Im April ist zum Angebot eine Videosprechstunde hinzugekommen, die in den Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Kroatisch, Serbisch und Chinesisch möglich ist. „Eine Beratung vor Ort ist aber schon etwas anderes“, gibt Svetlana Acevic zu. Doch auch das Videoformat habe Vorteile. So sparten sich beide Seiten die Fahrt, und das Sichten von Bewerbungsunterlagen sei auch per Bildschirmübertragung möglich.

Zur Veranschaulichung nennt Svetlana Acevic zwei Fälle aus diesem Jahr. Eine Japanerin ist mit einem speziellen Visum für die Arbeitsplatzsuche nach Deutschland gekommen. Sie hatte einen Bachelor in International Studies und Erfahrung im Einkauf im Gepäck. Ihr habe sie unter anderem dabei geholfen, nach Firmen in der Region zu suchen, die mit Japan zusammenarbeiten. Solange die Frau noch an der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse arbeite, habe sie ihr geraten, die Bewerbungen immer auf Deutsch und Englisch zu schicken. In einem anderen Fall war eine Softwareingenieurin als Familiennachzug aus Tunesien gekommen. Nach drei Jahren im Land habe sie schon gut Deutsch gesprochen. Bei Ingenieuren ist laut Svetlana Acevic eine Anerkennung des Abschlusses nicht erforderlich, um hier arbeiten zu können. Sie habe der Frau jedoch zu diesem Schritt geraten, damit sie ihren Titel tragen darf. Zudem hätten sie gemeinsam die Bewerbungsunterlagen angeschaut, wobei Svetlana Acevic betont, dass sie diese nicht sprachlich korrigiert, sondern nur formal überprüft und Musterbeispiele zeigt.

INFO: Die nächste Beratung im Landratsamt Ludwigsburg findet am Mittwoch, 16.Dezember, von 9 bis 13 Uhr statt. Anmeldung unter svetlana.acevic@region-stuttgart.de oder 0162 2152728. Weiteres unter www.welcome.region-stuttgart.de.

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