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„Wir wollen ein grünes Unternehmen werden“

Pflastersteine verlegen ohne Lärm und Abgase: Firma Probst aus Erdmannhausen erhält Landespreis für vollelektrische Maschine – Kritik an Gesetzgeber

Die vollelektrische Pflasterverlegemaschine von Probst im Einsatz. Foto: Probst
Die vollelektrische Pflasterverlegemaschine von Probst im Einsatz. Foto: Probst

Erdmannhausen. Das erste Exemplar der neuen Probst-Maschine ging in die Niederlande – Ende 2019, verkauft direkt vom Messestand weg. Die vollelektrische Pflasterverlegemaschine war und ist laut ihrem Entwickler Marius Kaltenbach die Erste ihrer Art – sie produziert, anders als die noch weit verbreiteten Dieselmodelle, keine Abgase und keinen Lärm. Das ist nicht nur für die Bauarbeiter selbst, sondern insbesondere auch dort wichtig, wo das sensible Umfeld von Baustellen geschützt werden muss – etwa Schulen und Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime. Auch Tiefgaragen gehören dazu, dort gelten strengere Schadstoffgrenzwerte.

Dass das erste Exemplar der vollelektrischen, VM-301-Greenline genannten Verlegemaschine in die Niederlande ging, ist kein Zufall. Das Land sei, ebenso wie etwa Norwegen, bei sauberen, elektrifizierten, nachhaltigen Baustellen deutlich weiter als Deutschland. Probst-Geschäftsführer Eric Wilhelm macht das anhand eines Beispiels deutlich: Im Werkzeugbereich liege der Anteil handgeführter Akkugeräte fast bei der Hälfte aller Produkte; „der Anteil der elektrifizierten, akkubetriebenen Geräte auf Baustellen lag im vergangenen Jahr dagegen bei unter zwei Prozent“. Deshalb sei das Greenline-Gerät hierzulande noch kein Verkaufsschlager, „in anderen Ländern ist es stärker gefragt“, sagt Wilhelm.

Kampf um sauberere Baustellen

Solange es in Deutschland vom Gesetzgeber keine strengeren Vorgaben, keine Anreize und Förderungen für sauberere und gesündere Baustellen gebe (etwa bei Ausschreibungen), solange griffen viele Kunden auf die Verlegemaschine mit Verbrennungsmotor zurück. Diese ist mit etwa 50 000 Euro etwa um die Hälfte günstiger als die elektrische Variante. Aber Wilhelm betont, dass es ihm bei seiner Forderung nicht um Profit gehe – zumal die Firma ohnehin viele Dieselmaschinen verkaufe und in die Entwicklung der elektrischen Variante viel Geld gesteckt habe, „sie ist für uns heute noch nicht profitabel“. Wilhelm betont, Probst gehe es um Nachhaltigkeit, die Firma müsse auf diesem Feld erfolgreich sein: „Wir wollen ein grünes Unternehmen werden. Die nächste Generation soll ,Wie habt Ihr das gemacht?‘ fragen und nicht: ,Warum habt Ihr das nicht gemacht?‘“

Mehr elektrobetriebene Geräte

Dieser Anspruch passt zu den geschäftlichen Zielen, die Geschäftsführer Wilhelm, Verlegetechnik-Teamleiter Kaltenbach und Marketingleiter Marko Gündel im Gespräch formulieren. Ob Vakuum-, Hebe- oder Pflasterverfugungsgerät – die Probst-Führung will von jedem möglichen, bisher mit Verbrennungsmotor betriebenen Produkt eine elektrische Version entwickeln. Die Firma hat rund 1500 Standardprodukte in ihrem Portfolio – „unser Anteil an elektrobetriebenen Geräten steigt rasant“, sagt Wilhelm. Die vollelektrische Pflasterverlegemaschine sei „das Flagschiff“ dieser Entwicklung und eine „bahnbrechende Innovation“.

Das sieht das baden-württembergische Umweltministerium genauso – es hat der Firma Probst beim diesjährigen Umwelttechnikpreis den dritten Preis in der Kategorie „Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung“ verliehen. Anlässlich der Verleihung in Fellbach ließ Umweltministerin Thekla Walker mitteilen, wie wichtig unternehmerische Innovationen für den Klimaschutz seien. „Gerade der Wirtschaft kommt eine besondere Rolle und eine besondere Verantwortung zu“, damit das „ambitionierte Ziel der Klimaneutralität bis 2040“ erreicht werden könne, so Walker.

Klimaneutral sei die Firma Probst bereits, dafür hat sie auch ein Siegel erhalten, betont Wilhelm. Das stahlverarbeitende Unternehmen gleicht über ein Aufforstungsprojekt CO-Emissionen aus, es fördert Fahrradfahren unter Mitarbeitern und initiiert Nachhaltigkeitsprojekte für Auszubildende. Diese beschäftigen sich mit selbst gewählten Themen – etwa LED-Leuchten, Sammelboxen für Druckerpatronen, Mülltrennung und papierloses Arbeiten –, die von Probst nach und nach umgesetzt werden.

Der mittelständische Maschinenbauer ist mit der Jugend auch in anderer Form verbandelt: In einer abseitigen Ecke des Firmenparkplatzes, an einem Tisch, treffen sich regelmäßig Jugendliche aus dem Ort. Die Firmenleitung weiß das – und nutzt das für die Suche nach Auszubildenden. An den Zaun hinter dem Tisch hat sie ein Schild mit diesem Text angebracht: „Unseren Parkplatz kennst du ja schon. Lust, auch tagsüber bei uns zu sein?“ Der Slogan „Zugreifen und etwas bewegen – Starte mit uns in deine aussichtsreiche Zukunft“ wird mit einem Foto verstärkt – auf ihm ist die elektrische Pflasterverlegemaschine abgebildet. Am unteren Rand des Plakats fasst ein Satz das zusammen, worum es diesem mittelständischen Unternehmen geht – um das Bewegen schwerer Baumaterialien, um Baustellen, auf denen es wenig Lärm und Abgase gibt und auf denen Arbeiter und Umwelt besser geschützt werden. Das Motto heißt: „Making hard work easier“, Wilhelm übersetzt: „Wir machen schwere Arbeit leichter.“

Infobox:

Die Firma Probst, 1961 gegründet, gehörte bis vor drei Jahren der gleichnamigen Familie. 2018 verkaufte sie das Unternehmen an die Alveus Beteiligungen GmbH, „eine familiengeführte Beteiligungsgesellschaft, die langfristig in mittelständische Unternehmen investiert“. Das erklärt Eric Wilhelm, der seit Oktober 2019 Probst-Geschäftsführer ist. Die stahlverarbeitende Firma beschäftigt 180 Mitarbeiter – etwa 120 davon am Stammsitz in Erdmannhausen. Der Rest ist auf die weltweit zehn weiteren Standorte verteilt – in den vergangenen drei Jahren kamen mehrere neu hinzu, in Nordamerika, Asien und Europa. „Wir haben massiv expandiert“, sagt Wilhelm. Der Umsatz sei seit 2017 um rund 60 Prozent gesteigert worden; in diesem Jahr liegt er bei 40 Millionen Euro. Bei Baumaschinen, mit denen Baustoffe gehoben und versetzt werden, „sind wir Weltmarktführer“, sagt Wilhelm. Hauptmärkte seien Europa und die USA. „Weltweit vertreiben 1400 Fachhändler unsere Produkte, 700 davon in Deutschland.“ (wd)

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