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Wohnungsbau als Konjunkturmotor

Branche kann in der Region beim Umsatz während der Pandemie leicht zulegen – Auftragsbestand stark geschrumpft

Die Bauwirtschaft ist im Vergleich zu anderen Branchen im Land wie auch im Kreis Ludwigsburg bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen. Wachstumsmotor war mit 12,2 Prozent der Wohnungsbau (links). Der Wirtschaftshochbau erwies sich mit einem Mi
Die Bauwirtschaft ist im Vergleich zu anderen Branchen im Land wie auch im Kreis Ludwigsburg bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen. Wachstumsmotor war mit 12,2 Prozent der Wohnungsbau (links). Der Wirtschaftshochbau erwies sich mit einem Minus von sieben Prozent als Sorgenkind. Foto: Bauwirtschaft Baden-Württemberg

Kreis Ludwigsburg/Stuttgart. Betongold ist im Landkreis Ludwigsburg wie auch in ganz Baden-Württemberg nach wie vor gefragt. „Wir können uns nicht beklagen“, sagt Hermann Lorenz, Obermeister der Bauinnung Stuttgart/Ludwigsburg/Rems-Murr. „Die Nachfrage im Wohnungsbau ist im Kreis Ludwigsburg gut“, betont Lorenz. Allerdings würden manche Kollegen beklagen, dass sie Probleme bei den Baugenehmigungen hätten – coronabedingt durch das Homeoffice im öffentlichen Dienst.

„Die Party im Wohnungsbau geht weiter“, stellte Markus Böll fest. „Krisenfest, robust und zuversichtlich“, bezeichnet der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg bei der Bilanzvorlage seine Branche in der Coronakrise. 2020 konnten die Betriebe im Land mit 20 und mehr Beschäftigten ein leichtes Umsatzplus von zwei Prozent auf 14,2 Milliarden Euro erzielen. Zugleich stieg die Zahl der Beschäftigten aller Baubetriebe um 2000 oder drei Prozent auf 109000.

„Einmal mehr hat sich damit die Bauwirtschaft in Krisenzeiten bewährt und wurde zur wichtigen Stütze der Gesamtkonjunktur“, sagt Böll, „dennoch war das Jahr für unsere Firmen nicht leicht. In vielen Bereichen hat die Pandemie Spuren hinterlassen.“ Die Bausparten haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Der Wohnungsbau wuchs mit 12,2 Prozent kräftig und erwies sich als „Zugpferd für die ganze Branche“. Der Wirtschaftshochbau rutschte jedoch bis Ende November um sieben Prozent ins Minus. Auch beim Straßenbau gab es 4,9 Prozent weniger Umsätze. Und der öffentliche Bau legte 2020 nur um 0,3 Prozent zu.

Die Aussichten für 2021 sind nicht gerade rosig, da die Auftragseingänge im Schnitt um zehn Prozent eingebrochen sind. Im Wohnungsbau konnte die Branche im Jahresvergleich ein Auftragsplus von 11,2 Prozent ausweisen, die Zahl der Baugenehmigungen stieg um sechs Prozent auf 40387. Die Nachfrage in anderen Sparten ging zurück, im Wirtschaftsbau sogar um 20,4 Prozent. Im Kreis Ludwigsburg sei der Auftragsbestand im Wohnungsbau mit vier bis fünf Monaten recht gut, befand Obermeister Lorenz. Die Straßenbauer klagen dagegen seit Monaten über fehlende Aufträge. „Wegen der Neugründung der Autobahn GmbH und der damit verbundenen Probleme gibt es kaum noch Ausschreibungen“, betonte Verbands-Vizepräsident Mathias Waggershauser.

Industrie, gewerbliche Investoren und Dienstleister hätten ihre Investitionen „massiv zurückgefahren“. 2021 werde es wohl kaum besser werden, meinte Böll. Hoffnungsträger bleibt für ihn der Wohnungsbau: „In der Krise und in Zeiten von mehr Homeoffice setzen die Menschen auf Sicherheit und investieren verstärkt in die eigenen vier Wände.“ Der Verbandschef fürchtet allerdings wegen der schrumpfenden Auftragsbestände, dass „je nach Länge und Häufigkeit der Lockdowns am Jahresende sogar ein Umsatzminus von zwei Prozent“ stehen könnte.

Denn auch die Auftragssumme der Ausschreibungen der öffentlichen Hand ging im Jahresvergleich um 6,7 Prozent zurück, im Straßenbau um zehn Prozent. Böll sagt, das habe mit einem Ausschreibungsstau in den Verwaltungen von Land und Kommunen zu tun. Viele Sachbearbeiter seien unvorbereitet ins Homeoffice geschickt worden und könnten Ausschreibungen nicht effizient bearbeiten – etwa wegen technischer Probleme. Die öffentlichen Ausschreibungen seien daher örtlich um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Böll hob die Rolle der öffentlichen Hand in Coronazeiten hervor. „Land und Kommunen müssen sich zu ihrer Verantwortung bekennen und mehr Ausschreibungen – vor allem im Infrastrukturbereich – auf den Weg bringen.

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