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13. Mai 2016

Im Land der Trolle

Im Land der Trolle

Nach Norden: Norwegen-Kreuzfahrt nach Spitzbergen vom 31. Juli bis 15. August

 

 

Alle Texte und Bilder Udo Jansen

 

 

„Eine wunderschöne gute Morge, meine liebe Gäste, auch Kinder und Jünge, hier sprixt der Kapitän von der Brrrrrrügge!“, meldet sich mit unverkennbar norwegischem Akzent Kapitän Morten Hansen, wohlbekannt aus der TV-Dokusoap „Verrückt nach Meer“.

 

 

In den nächsten 14 Tagen präsentiert Hansen seine Heimat: Bergen, Åndalsnes, die Inselgruppe der Lofoten und seine Geburtsstadt Tromsø nördlich des Polarkreises. Er steuert sein Schiff sicher durch die Barentssee bis nach Spitzbergen und wieder zurück zum Nordkap, nach Kristiansund und in den Geirangerfjord bis nach Bremerhaven.

 

 

Dabei legt MS Artania 4.126 Seemeilen zurück, was 7.642 Kilometern entspricht, und somit in etwa so weit ist wie von Bremerhaven nach Brasilien oder von Ludwigsburg nach Peking.

 

 

Mit mehr als 1.100 Passagieren an Bord ist MS Artania komplett ausgebucht. Jeder Achte reist mit der LKZ.

 

 

Bergen soll die regenreichste Stadt Europas sein. Und wie empfängt sie MS Artania nach einem sonnigen Tag auf See? Natürlich mit Regen. Zunächst. Am Nachmittag präsentiert sich die alte Hansestadt im Süden Norwegens in strahlendem Sonnenschein.

 

 

Norwegen, Land der Trolle. Diese sagenhaften Unholde werfen im Gebirge mit Geröll um sich. Im Sonnenlicht erstarren sie zu Stein. Demnach hat die Reisegruppe nichts zu befürchten. Sonnig präsentieren sich die Trollstigen, eine alpin anmutende Berglandschaft nahe des norwegischen Bergsteigerzentrums Åndalsnes.

 

 

Wo zur Sonnenwende die Sonne nicht mehr auf- oder untergeht, ist der Polarkreis erreicht. Zeit für die Polartaufe. Neptun neckt mit allerlei Spielchen, zum Beispiel einen totenFisch küssen.

 

 

Die Lofoten beliefern die Welt mit Stockfisch. Der im Wind getrocknete Kabeljau wird in Portugal, Brasilien, Spanien und Italien als Bacalao sehr geschätzt.

Tromsø, die nördlich des Polarkreises gelegene Universitätsstadt und fast so groß wie Ludwigsburg, hat keine Probleme mit dem Tunnelbau, manche sogar mit Kreisverkehr.

 

 

Auf den umliegenden Bergen findet heute der Skyrace statt, ein Extremlauf mit Kletterpartien über 53 Kilometer und 4.600 Metern Höhenunterschied. Der schnellste schafft die Strecke in einer Zeit von 6:45 Stunden.

 

 

71°10 Grad nördlicher Breite. Das Nordkap. Es ist das weiteste und nördlichste Ziel der meisten Nordlandfahrer. Ganz gleich, ob sie mit dem Auto, Motorrad oder Wohnmobil anreisen, einem Hurtigruten-Postdampfer oder dem Kreuzfahrtschiff. Dabei gilt das Nordkap gar nicht als der nördlichste Punkt Europas. Das ist die in Sichtweite gelegene, dafür weitaus weniger spektakuläre Halbinsel Kinnarodden.

 

 

Tief hängen die Wolken im Geirangerfjord. Norwegens schönster und imposantester Fjord präsentiert sich leider regnerisch. Dennoch herrscht eine geradezu mystische Stimmung zwischen den mehr als tausend Meter aufragenden Felswänden. Die Wasserfälle stürzen wie zur Schneeschmelze hinab ins Meer. Ein Erlebnis für alle Sinne, weniger für die Kamera. Der Regen verpasst allen Bildern einen trüben Schimmer.

 

 

Das Leben an Bord ist leger. Allenfalls zu drei Anlässen wird der Bekleidungsvorschlag „elegant“ vorgegeben. Dazu sind heutzutage ein Sacko für den Herrn und ein kurzes Kleid für die Dame ausreichend.

 

 

Zum Abschlussdinner kommt Richard W. aus Ludwigsburg dennoch nur im Hemd und Fliege: Denn als sich auf dem Weg zum Speisesaal sein Kabinensteward lobend über sein Jackett äußert, hat er es ihm spontan geschenkt!

 

 

 

Mitternachtssonne in Spitzbergen

 

 

Fast am Nordpol

 

 

Wo sich Polarfuchs und Eisbär nur im Winter gute Nacht sagen

 

 

78°13 Grad nördlicher Breite: Von Longyearbyen, dem Hauport auf Spitzbergen, ist es nur noch ein Katzensprung bis zum 1.300 Kilometer entfernten Nordpol. Svalbard, „kühle Küste“, heißt die Inselgruppe auf Norwegisch. Von hier aus starteten in den Zwanzigerjahren die ersten Nordpol-Expeditionen per Luftschiff. Roald Amundsen, Umberto Nobile und Lincoln Ellsworth überflogen mit der „Norge“ den Pol als erste am 12. Mai 1926.

 

 

Spitzbergen liegt ziemlich weit im Norden, das ist bekannt. Dass aber die nördlichen Küsten von Alaska und Sibirien wesentlich südlicher liegen, dass man sich auf gleicher Höhe mit Nordgrönland befindet, ist doch überraschend. Ohne die letzten Ausläufer des Golfstroms verschwände der Archipel glatt unter einem hundert Meter dicken Eispanzer.

 

 

Spitzbergen im Sommer: Es ist kalt. Es ist hell. Es ist schön. Und Longyearbyen ganz schön trostlos. Aber die Berge, die Gletscher, das Eis und, wären nicht die allgegenwärtigen Schiffsgeräusche, die atemlose Ruhe außer Bord, lassen einen alles vergessen, was man bislang von Norwegen sah oder aus den gemäßigten Breiten kennt.

 

 

Diese verzauberte Stimmung erfasst Mannschaft und Kreuzfahrtgäste gleichermaßen. Und als wäre das noch nicht genug, wird auf einer kahlen Klippe voraus ein Eisbär gesichtet. MS Artania fährt auf ungefähr 500 Meter heran. Der zunächst regungslose König der Arktis lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dann tappt er träge über die Klippen zum nächsten Ruheplatz. Stören sollte man ihn besser nicht. Er hat Hunger, verrät uns Konstantin von Phoenix-Reisen.

 

 

Von weitem wurden auch schon mehrere Wale gesichtet, vielmehr ihr „Blas“. Plötzlich eine aufgeregte Stimme durch die Bordlautsprecher: Orkas backbord voraus. Vier-, fünfmal tauchen Sie auf, höchstens fünfzig Meter neben dem Schiff, bevor sie wieder in den Tiefen des Ozeans verschwinden.

 

 

Rund zweieinhalbtausend Menschen leben auf Spitzbergen, die meisten davon nur im Sommer. Denn in den Wintermonaten ist es hier nämlich nicht nur eiskalt, sondern auch stockdunkel. Im vorigen Jahrhundert bauten auf Spitzbergen sowohl Norwegen als auch Russland Kohle ab. Heute arbeiten die meisten Menschen in der Polarforschung. Nur eines ist geblieben: Alle Bewohner und Besucher eines Hauses, darunter fallen auch öffentliche Einrichtungen wie Museen oder die Kirche, ziehen im Vorraum die Schuhe aus. Pantoffeln stehen zumeist bereit.

 

 

Mittsommernachtssonne. Die innere Uhr gerät aus den Fugen. Mitreisende, die sonst um 24 Uhr längst in der Koje liegen, schlendern übers Deck oder spielen Karten bis in die Puppen. Wie die Hühner, sagt einer, die sind im Sommer auch länger wach als im Winter.

 

 

Gibt es auch Polarlichter? Fragt eine ältere Dame aus Steinheim. Ja, sie leuchten ebenso im Sommer, nur sieht man sieht nicht. Weshalb Norwegen seit neuestem auch im Winter zahlreiche Gäste anzieht: Polarlichttourismus im Dezember liegt voll im Trend.

 

 

Übrigens: Die Entfernung von einem Breitengrad zum nächsten beträgt 111 Kilometer. Vom Äquator bis zu den Polen sind es jeweils 90 Breitengrade, also rund 10.000 Kilometer, woraus sich der Erdumfang von 40.000 Kilometern ergibt (4 mal 90).

 

 

 

Norwegen, das Land mit 80 000 Kilometer Küste

 

 

Norwegens Küstenlinie erstreckt sich auf mehr als 2.500 Kilometer, mit seinen Fjorden das Zehnfache; zählt man alle Inseln hinzu, verfügt das Land über 80.000 Kilometer Küste. Die Entfernungen sind riesig. Auf der Straße im Landesinneren ist man vom südnorwegischen Mandal bis zum Nordkap über 2.300 Kilometer unterwegs. Das ist so weit wie von der Ukraine in die Bretagne oder von Ludwigsburg nach Marokko.

 

 

Mit nur 5 Millionen Einwohnern ist Norwegen recht dünn besiedelt. Dabei ist das Land von Grieg, Munch und Amundsen nur wenig größer als Deutschland, hat aber eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt.

 

 

Die Elektro-Mobilität wird stark gefördert. Bereits heute ist jedes fünfte Auto ein E-Mobil. Steuerfreiheit, Befreiung von Park- und Mautgebühren sowie kostenlose Nutzung öffentlicher Stromsteckdosen machen es möglich.

 

 

99 Prozent seiner Energie schöpft das Land aus Wasserkraft. Die dem Land Reichtum verschaffenden Öl- und Erdgasvorkommen in der Nordsee werden fast gänzlich exportiert, die Einnahmen in einem Fond für nachkommende Generationen angespart.

 

 

 

Kommende LKZ-Leserreisen:

 

 

Mit der LKZ durch die große, weite Welt

 

 

Vom 17. bis 21. September entdecken LKZ-Reisefreunde das herrliche Südtirol und treffen dort den populärsten Bergsteiger aller Zeiten treffen: Reinhold Messner. In der letzten Juniwoche 2017 geht es per Bus an die Ostsee. Die Kieler Woche erleben die Teilnehmer auf einem Großsegler, die Störtebeker-Festspiele live auf Rügen. Mitte November kommenden Jahres führt die LKZ-Fernreise nach Brasilien und Argentinien. Weitere Bilder zur Nordkap- und Spitzbergenreise unter: www.lkz.de/leserreisen

Udo Jansen
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