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die Favelas in rio de janeiro
Ludwigsburg | 08. Dezember 2017

Irgendwie geht alles

Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Rio wohnen in Armutsvierteln

Eine von mehr als 700 Favelas im Stadtgebiet von Rio de Janeiro.
Eine von mehr als 700 Favelas im Stadtgebiet von Rio de Janeiro.
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Der Strand gehört allen: Virtuose Ballkünstler an der Copacabana.
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Historische Traum nach Santa Teresa in Rio.
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Copacabanas Wellen sind außer sich und ziehen somit Surfer an.
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Gruppe Blau Tango vor der tosenden Gischt der Iguaçu-Wasserfälle.
Gruppe Blau Tango vor der tosenden Gischt der Iguaçu-Wasserfälle.
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Ordem e Progresso – Ordnung und Fortschritt – schrieb sich Brasilien 1889 auf die Fahne. Irgendwie scheint dieser Wahlspruch auch nach 127 Jahren noch nicht überall angekommen zu sein. Zum Beispiel in den über 700 Favelas der Metropolregion Rio de Janeiro. Cariocas nennen sich seine 14 Millionen Einwohner, von denen mindestens 1,5 Millionen in den Favelas, den Elendsvierteln leben, allein 200 000 in Rocinha, Rios größter Favela.

Wie eine „Favela“, eine südamerikanische Kletterpflanze, ranken Rios Favelas die Berghänge hinauf (daher der Name). Schon in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sicherten sich ausgerechnet die Ärmsten der Armen die attraktivsten Baugrundstücke der Stadt. Das brasilianische Recht schützt die Bewohner und sieht vor, dass sich ein Grundstück nach fünf Jahren „Ersitzen“ (das heißt besetzen ohne vertrieben worden zu sein) in legitimes Eigentum umwandelt.

Die ursprünglichen Wellblech- und Bretterbuden wurden so zu festen, wenn auch äußerlich schäbigen, unverputzten Häusern. Heute versucht die Stadt, aus den Favelas reguläre Stadtviertel zu machen. Schon längst sind die meisten an den Verkehr angebunden und die Häuser verfügen über Strom und Telekommunikation, Frisch- und Abwasseranschluss.

Hochgerüstete Drogenkartelle beherrschen indes wie Bürgerwehren die einzelnen Favelas. In diesen Organisationen Karriere zu machen, ist einfacher, als einen guten Schulabschluss. Dennoch gibt es immer mehr junge Menschen, die der Armut durch Bildung zu entfliehen versuchen, teilweise als gestandene Akademiker.

Fragwürdig sind die für Touristen organisierten Favela-Touren. Erst vor einem Monat wurde eine Spanierin erschossen – von der Polizei – weil diese den angemieteten Wagen mit abgedunkelten Scheiben als Bedrohung empfand.

Die meisten der Bewohner gehen einer geregelten Tätigkeit nach, wenn auch mehrheitlich im Niedriglohnsektor. Sie arbeiten als selbstständige Straßenverkäufer, Haushaltshilfen oder als Hilfskräfte im Handel oder Dienstleistungsgewerbe.

Und doch sind die meisten mit ihrer Situation zufrieden. Denn Brasilianer mögen keinen Stress. Gehetzte Passanten sieht man so gut wie nie. Die Sonne scheint und spiegelt sich in den Gesichtern der Menschen wider. Wütend werden sie nur beim Thema Politik. Seit Jahrzehnten korrumpieren Politiker das Wachstum ihres Landes.

Die schönen Seiten des Lebens, wie der Karneval, kehren indes immer wieder. Auch wenn sich ein Carioca schämt, in einer Favela zu wohnen oder dort augewachsen zu sein, ist er zumeist glücklicher und zufriedener als der oft nur einen Steinwurf entfernt lebende Reiche, der sich nur hinter einem meterhohen Schutzzaun vermeintlich sicher fühlt.

von udo jansen
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