Geschichten vom Weihnachtsmarkt
Geschichten vom Markt
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Ludwigsburg | 14. Dezember 2013

Orientalisches Flair mit Thujaholz

Roland und Gertrud Jahn kommen seit 16 Jahren nach Ludwigsburg – Marokko ist so etwas wie die zweite Heimat des Händlers

Nicht nur Schnitzereien, Aromaöle oder exotische Kräuter haben die Jahns im Gepäck – sondern auch einige Geschichten.

Nicht nur Schnitzereien, Aromaöle oder exotische Kräuter haben die Jahns im Gepäck – sondern auch einige Geschichten.

Foto: Holm Wolschendorf

Marokko ist für Ronald Jahn so etwas wie die zweite Heimat. Zweimal im Jahr fliegt er dorthin, um im Atlasgebirge zu wandern, die Natur zu genießen, Kräuter zu sammeln und Waren einzukaufen, die er auf dem Barocken Weihnachtsmarkt anbietet. Aus den Wurzeln des Lebensbaumes, auch Thuja genannt, sind die unzähligen kleinen und großen Behältnisse, Tierfiguren, Kugeln oder Serviettenhalter, die Jahn von Handwerkern in Essaouira anfertigen lässt.

Dieser marokkanische Küstenort ist auch bei Touristen sehr beliebt. „Wir zahlen faire Preise“, betont der Händler aus Leutenbach. Mit Massenware seien seine Produkte nicht zu vergleichen, die durch Schellack ihren Glanz erhalten. Zu leuchten beginnen auch die Augen von Ronald Jahn, wenn er die Fotos von seinen Reisen nach Marokko zeigt. 1969 ist er zum ersten Mal in dieses Land gereist. „Das ist Douar Ighraf“, sagt er und zeigt auf eine fotogene Idylle. In dem kleinen Bergdorf ist der Händler regelmäßig zu Besuch, hat dort viele persönliche Kontakte und beherrscht sogar einige Brocken Berbersprache.

Kaum von den Einheimischen zu unterscheiden ist der Deutsche, wenn er eine weiße, einem Turban ähnliche Kopfbedeckung trägt. „Die schützt vor Kälte und Sonne, ist einfach praktisch“, erklärt Jahn sein Marokko-Outfit. Obwohl er kein Muslim sei, werde er von den Einheimischen akzeptiert. „Die Welt kann nur funktionieren, wenn man sich gegenseitig akzeptiert“, lautet seine Überzeugung, die ihm schon Einblicke in viele fremde Kulturen geboten hatte. Einmal im Jahr, meistens im Mai, begleitet ihn Ehefrau Gertrud. „Um Urlaub zu machen“, wie sie sagt.

Seit 16 Jahren ist das Paar regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg vertreten. Einmal in der Woche bauen sie ihren Stand außerdem auf dem Karlsplatz in Stuttgart auf. Neben den Holzsachen bieten die Jahns an ihrem Stand pflanzliche Öle aus aller Welt an. Bei 120 verschiedenen Sorten fällt die Auswahl schwer. Ob Anis, Bergamotte, Geranium, Mandarine, Sandelholz, Salbei, Majoran, Vanille, Wacholder, Weihrauch und sogar Zimt: Die ätherischen Inhaltsstoffe entfalten in der Aromatherapie, in der Kosmetik und in der Duftlampe ihre Wirkung. In eine ähnliche Richtung geht das Angebot an Harzen, wie Weihrauch oder Myrrhe. Das hatten bekanntlich schon die Heiligen Drei Könige im Gepäck, als sie dem neugeborenen Jesuskind huldigten. Weil Ronald Jahn nichts von Chemie hält, stellt er die Räucherstäbchen selbst her, wenn er in Marokko weilt. „Ich habe schon mit meiner Oma Heilkräuter gesammelt“, erklärt der gelernte Augenoptiker seine Naturverbundenheit. Er ist fest davon überzeugt, dass Mutter Natur über die beste Apotheke der Welt verfügt.

Auf die Wirkung verlassen er und seine Ehefrau Gertrud sich auch, wenn sie hinter ihrem Stand stehen, der mit seinen orientalischen Lampen einen Hauch von 1001 Nacht verbreitet. „Den Ofen machen wir eigentlich nie an“, erklärt Ronald Jahn. Damit die Kälte trotzdem nicht die Beine hoch kriecht, reiben sie diese mit Zimtöl ein. „Das regt die Durchblutung an“, so der Experte. Für den Weihnachtsmarkt gelten für das Ehepaar, das seit 36 Jahren verheiratet ist, eigene Gesetze. „Nicht jeder Satz ist ein Umsatz“, lautet eine Maxime. Nicht infrage kommt es für den Händler, sich in der Holzhütte auf den Hocker zu setzen, zu lesen oder sich anderen Beschäftigungen zu widmen.

Den Besuchern am Stand aufmerksam zuzuhören und diese zu beraten, ist ihm deshalb wichtig. „Der Weihnachtsmarkt bietet eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr, sich intensiv und direkt vom Anbieter beraten zu lassen“, findet Ronald Jahn. Viele Kunden kommen deshalb jedes Jahr hierher, decken sich mit Ölen ein oder ergänzen ihre Sammlung mit Thujaholzprodukten. Und sie finden ein offenes Ohr bei dem Ehepaar. Ronald Jahn hat übrigens schon seine nächste Reise geplant: Im Februar steht wieder ein Besuch in seiner zweiten Heimat Marokko auf dem Plan.

Marion Blum
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