Ludwigsburg | 21. März 2017

80 Blöckflöten entwickeln große Anziehungskraft

Bietigheim-Bissingen. Übermannsgroße Blockflöten, hinter denen die Musiker kaum zu sehen waren, Blockflöten wie geknickte Ofenrohre, Blockflöten aller Größen, in allen Variationen: Das Auge des Konzertbesuchers im Kronensaal in Bietigheim-Bissingen schweifte begeistert. Auch was das Württembergische Blockflöten-Orchester (WBO) zu Gehör brachte, beeindruckte. Mit einem symphonischen Blockflötenkonzert feierte das Laienensemble sein zehnjähriges Jubiläum – auf hohem Niveau.

Literatur für ein komplettes Blockflöten-Orchester sei immer noch wenig verbreitet, erklärte der Dirigent des 80-köpfigen Ensembles, Dietrich Schnabel, den Gästen im fast ausverkauften Kronenzentrum. Umso mehr waren Orchestermitglieder wie Zuhörer begeistert, dass der englische Komponist Stephen Watkins unter den Gästen war. Er hatte eigens für den runden Geburtstag des WBO 2016 eine Symphonie geschrieben: Symphonie 1 in den vier Sätzen Intrade, Scandinavian Scherzo, Cortège, Finale. Die Bass-, Tenor-, Alt-, Sopran- und Garkleinflöten, Subbässe, Subgroßbass – fast alles Holzinstrumente – inszenierten einen verlässlichen Rhythmus, verschmolzen zu weichen Wellen an Tonfolgen, erhoben sich bald schon in höhere Lagen, wirbelten wie kreiselnde Blätter vom frischen Wind getrieben durch den Konzertsaal. Ein begeistertes Publikum applaudierte auch dem Komponisten, den Dietrich Schnabel auf die Bühne bat.

Zuvor hatten die Laienmusiker durchweg Blockflöten präsentiert. Die Symphonie Nr. 2 G-Dur ist vom Dirigenten selbst komponiert. Das erste Stück, Intraden von Alexander Orologio, hatte Schnabel für das Blockflötenorchester arrangiert. Dank seines Engagements für dieses vielfältige Instrument hat er sich einen internationalen Ruf erarbeitet. Für Bietigheim entdeckte ihn Ulrike Diesse als Teilnehmerin einer seiner Lehrgänge in Inzigkofen. Schnell hatte sie auch Annette Bachmann von der Städtischen Musikschule für Schnabels Qualitäten begeistert. Mit Unterstützung von Günther Mohn war 2006 der erste Bietigheimer Blockflötentag geboren, aus dem wenig später das WBO wurde.

Vor der Pause spielte das Orchester das Triple Concerto von Steve Marshall von 1957, ein bezauberndes Duett mit den Solistinnen Ute Scriba, Annette Bachmann und Susanne Godel. Die am Bühnenrand aufgebauten Flöten, derer sich die Musiker jeweils bedienten, lockten die Gäste in der Pause zum Begutachten. Mancher staunte, andere wagten sanft über Klappen oder Holz zu streichen. Ein Abend voll großartiger Musik ungewöhnlicher Instrumente.

Ines Franzke
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