Jugend forscht
Ludwigsburg | 01. Juni 2017

„Bundessieger trifft man nicht alle Tage“

Lieber im Labor als auf dem Fußballplatz stehen Johannes Waller und Philipp Kessler. Mit ihrer Chemie-Forschung haben die 17-Jährigen beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ abgeräumt.

Erfolgreiche Chemie-Asse: Philipp Kessler aus Tamm (links) und Johannes Waller aus Ludwigsburg, beide 17, haben sich mit der Fehling-Probe befasst. Das Verfahren ist ein 1848 von Hermann Fehling entwickelter Nachweis auf reduzierende Zucker wie Glucose. Mit ihrer Forschung haben sie bei „Jugend forscht“ gewonnen.Foto: Oliver Bürkle
Erfolgreiche Chemie-Asse: Philipp Kessler aus Tamm (links) und Johannes Waller aus Ludwigsburg, beide 17, haben sich mit der Fehling-Probe befasst. Das Verfahren ist ein 1848 von Hermann Fehling entwickelter Nachweis auf reduzierende Zucker wie Glucose. Mit ihrer Forschung haben sie bei „Jugend forscht“ gewonnen.Foto: Oliver Bürkle

Ihren Erfolg können die beiden noch immer nicht ganz fassen. „Wir realisieren das noch nicht ganz“, sagt Philipp Kessler aus Tamm, der das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg besucht. Freunde und Lehrer sprechen sie darauf an, Zeitungen wollen Interviews. „Es kam sogar im Radio“, sagt sein Forscherkollege Johannes Waller aus Ludwigsburg, der am Mörike-Gymnasium ist. „Bundessieger trifft man nicht alle Tage“, wissen die beiden. Im Schülerforschungslabor Kepler-Seminar in Stuttgart, das beide in ihrer Freizeit besuchen und das Jugendliche bei den Vorbereitungen zu Wettbewerben wie „Jugend forscht“ unterstützt, werde über bisherige Bundessieger berichtet. Nun gehören Kessler und Waller dazu: Sie haben am Wochenende in der Kategorie Chemie den ersten Preis gewonnen.

Im Stuttgarter Schülerlabor haben sich die beiden Chemiefans vor drei Jahren auch kennengelernt. Ein Dozent erzählte den Jungs, dass ihm bei der sogenannten Fehling-Probe ein Widerspruch aufgefallen sei. Daraus könnte man etwas machen, dachten sich die beiden Nachwuchsforscher und tüftelten im September vergangenen Jahres los.

Bis zum Regionalwettbewerb fünf Monate später stellten die beiden fest, dass dieser frühere Test zur Feststellung der Zuckerkrankheit ein wesentlich komplexerer chemischer Vorgang ist als bisher angenommen. Die Fehling-Probe, 1848 von dem Chemiker Hermann Fehling entwickelt, dient als Nachweis auf reduzierende Zucker wie etwa Glucose. „Heutzutage wird der Test nur noch im Schulunterricht gemacht“, sagen Waller und Kessler. In den Lehrbüchern stünde, dass sich Fructose (Fruchtzucker) bei der Reaktion zunächst in Glucose (Traubenzucker) umwandele, so die Nachwuchsforscher. Folglich ging man davon aus, dass Fructose langsamer sei als Glucose. Doch die Jugendlichen fanden in sehr wissenschaftlichen Versuchen heraus, indem sie die Zuckerarten in Bezug auf die Reaktion bei der Fehling-Probe verglichen, dass tatsächlich die Fructose schneller sei. Um den Mechanismus näher untersuchen zu können, bauten sie ein eigenes Messinstrument. Damit gelang es ihnen, die Abläufe zu erklären. Insgesamt führten die beiden die Fehling-Probe im Reagenzglas um die 500-mal durch. „Zum Vergleich: Ein Chemielehrer am Mörike-Gymnasium, der demnächst in Rente geht, hat es in seiner gesamten Zeit an der Schule nur 300-mal gezeigt“, sagt Kessler. Jeden kompletten Samstag verbringen die Chemie-Asse im Schülerlabor in Stuttgart, manchmal sind sie auch mittwochs dort und in den Schulferien jeden Tag. „Wir versuchen, Sonntage zu verschonen“, sagt Waller und lacht.

Die beiden verbringen gerne ihre Freizeit im Labor. Kessler und Waller begeistern sich für Chemie, seit sie es im Unterricht haben. Seither besuchen die beiden auch das Kepler-Seminar. Für Freunde finden die beiden aber immer etwas Zeit. „Ich spiele noch Akkordeon“, sagt Kessler. „Ich gebe Chemie-Nachhilfe. Kann man das Hobby nennen?“, sagt Waller. Außerdem baut der Ludwigsburger gerne technische Dinge. Beide tüfteln zu Hause. „Auf dem Schreibtisch liegt immer der Lötkolben bereit. Und ein Haufen Kabel sind immer parat.“

Dass sie bei „Jugend forscht“ den Regional-, Landes- und den Bundeswettbewerb gewinnen, damit hätten die beiden nicht gerechnet, sagt Kessler. Gewonnen haben sie 2500 Euro. Das Geld stehe jedoch nicht im Vordergrund. Was viel spannender sei: die Kontakte. So dürfen alle Bundessieger bald das Kanzleramt besuchen, um von Angela Merkel höchstpersönlich beglückwünscht zu werden. Als Landessieger-Gewinner dürfen die beiden demnächst Nobelpreisträgern bei einem Treffen in Lindau ihre Arbeit vorstellen.

Es stehen noch weitere Termine im Kalender der Chemie-Asse: Im September messen sie sich schließlich in Estland mit Nachwuchsforschern aus ganz Europa. „Es bieten sich so viele Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen“, erzählen die 17-Jährigen. Kein Wunder, dass die beiden mittlerweile Kontakte in die ganze Welt haben – von Brasilien über Jordanien bis nach Singapur.

Martina Peao
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