27. April 2011

Bildungspaket: Stadt setzt auf Werbung in Kitas und Schulen

Bürgermeister Konrad Seigfried: „Wir müssen die Eltern für die Anträge motivieren“

Ob für den Hunger in der Mittagspause oder Musikunterricht, für den Sportverein oder Nachhilfe: der Bund fördert.
Ob für den Hunger in der Mittagspause oder Musikunterricht, für den Sportverein oder Nachhilfe: der Bund fördert.
Bilder: dpa

„Ich hätte das gerne viel unbürokratischer gehabt.“ Ludwigsburgs Sozial- und Schuldezernent Konrad Seigfried ist gar nicht glücklich darüber, wie der Bund mit seinem Bildungspaket bedürftigen Familien helfen will. Der Erste Bürgermeister sieht jetzt nur noch einen Weg: Alle Beteiligten müssen vor Ort an den Schulen und in den Kindertagesstätten in mühevoller Kleinarbeit die Eltern dazu motivieren, die Antragsformulare auszufüllen. Nach den Osterferien soll eine Informationskampagn starten. Bisher hat in der Stadt und im gesamten Landkreis Ludwigsburg kaum jemand einen Antrag gestellt, um Hilfe aus dem Bildungspaket zu erhalten (wir berichteten). Bundesweit bietet sich dasselbe Bild. Und landauf, landab setzt es herbe Kritik an der verantwortlichen Bundesministerin Ursula von der Leyen. Für Konrad Seigfried ist die aktuelle Lage allerdings alles andere als verwunderlich. „Die Stadt Ludwigsburg hat mit Datum 19. April erstmals die Antragsformulare gesehen, mit denen die Eltern im Landratsamt die Hilfen anfordern sollen“, berichtet der Sozial- und Schuldezernent. Will heißen: Erst jetzt schlägt die Stunde null, sind die organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Eltern überhaupt sinnvoll aktiv werden können. Auch wenn der Spätstart erklärbar ist, so bleiben bei Seigfried doch erhebliche Zweifel an der Art und Weise, wie der Bund über das Bildungspaket Hilfe verteilen will. Ein Grundsatz besagt, dass es diese Hilfe für Kinder nur dann gibt, wenn ihre Eltern zuvor Anträge ausfüllen und einreichen. Für Seigfried organisatorisch ein folgenschwerer Irrweg der Bundespolitik. Er spricht gar von einem „Popanz ohne gleichen“. Es wäre seiner Ansicht nach alles viel einfacher, wenn der Bund den Akteuren vor Ort mehr Vertrauen schenken würde. Siehe das Beispiel vergünstigtes Ein-Euro- Mittagessen an Schulen und Kitas: „Wir entscheiden schon heute in den Einrichtungen, wer aufgrund seiner Bescheide hilfsberechtigt ist. Daraus ließe sich ganz einfach jährlich oder halbjährlich eine Sammelrechnung an den Bund stellen, der uns dann die Kosten erstattet.“ Was jetzt ansteht: Erst müssen die Eltern per Formular einen Antrag beim Landratsamt stellen. Dann sind Schulen und Kitas an der Reihe, müssen für jedes betroffene Kind ein weiteres Formular ausfüllen und damit bestätigen, dass das Kind tatsächlich das Angebot eines Mittagessens nutzt. Dazwischen muss das Landratsamt als zuständige Behörde den Formularverkehr steuern – und dann noch in jedem Ort die Kosten mit denen abrechnen, die das Mittagessen organisieren. Denn ein weiterer Grundsatz des Bildungspakets lautet, dass die Eltern in der Regel kein Bargeld bekommen. Für das verbilligte Mittagessen bedeutet dies: Geld aus dem Bildungspaket fließt in Ludwigsburg an die Stadt. Denn diese bezuschusst schon heute bedürftige Familien und sorgt so für das Ein-Euro-Essen. In diesem Jahr stellt die Stadtkasse dafür 50 000 Euro zur Verfügung, davon profitieren derzeit 452 Kinder. So hat die Stadt jetzt ein Interesse daran, dass möglichst viele Eltern dieser Kinder Anträge beim Landratsamt stellen. Das dürfte zwar manchen unter den Betroffenen nicht wirklich einleuchten, weil sie ja schon heute das Ein-Euro-Essen bekommen – ganz ohne formalen Antrag und ohne Bildungspaket. Dennoch lautet das Ziel der Stadt: „Wir wollen möglichst 100 Prozent unserer bisherigen Zuschüsse für das Ein-Euro-Essen künftig aus dem Bildungspaket finanzieren.“ Das eingesparte Geld soll an anderer Stelle in den Ausbau bei Bildung und Betreuung fließen, versichert Seigfried.
Nach den Osterferien will die Stadtverwaltung vor allem an Schulen und in Kindertagesstätten eine Offensive zum Bildungspaket beginnen. Plakate und Infoblätter gibt es gratis vom Bund, sie sind bereits geordert. Die Offensive richtet sich dabei nicht nur über Infomaterial direkt an die Eltern. Das wäre – davon ist Seigfried überzeugt – zu wenig. Auch die Mitarbeiter in den Einrichtungen sollen für das Bildungspaket gewonnen werden und dann wo immer möglich bei den in Frage kommenden Eltern dafür werben,
dass diese die nötigen Antragsformulare ausfüllen. „Wir überlegen, wie wir das mit unseren Partnern am besten angehen“, so Seigfried. Das sind zum Beispiel an den Kindertagesstätten vor allem die kirchlichen Träger.
„Wir müssen vor Ort richtig ackern und die Eltern gezielt motivieren“, so die Erwartung des Bürgermeisters. Dabei ist wohl auch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten – zum Beispiel darüber, dass im Antragsformular mit „ergänzender angemessener Lernförderung“ schlicht Nachhilfe gemeint ist.

PETER MAIER-STEIN
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