Haus und Grund Ludwigsburg
Ludwigsburg | 21. März 2017

Massiver Wohnungsmangel droht

In 13 Jahren fehlen nach Experteneinschätzung im Landkreis rund 20 500 Wohneinheiten – 640 Hektar Bauland benötigt

Im Landkreis Ludwigsburg wird zwar gebaut, wie hier in Hemmingen, aber zu wenig, meint der Verband Region Stuttgart. Archivfoto: Alfred Drossel
Im Landkreis Ludwigsburg wird zwar gebaut, wie hier in Hemmingen, aber zu wenig, meint der Verband Region Stuttgart. Archivfoto: Alfred Drossel

Der Siedlungsdruck im Raum Ludwigsburg ist enorm. Nach Berechnungen des Verbands Region Stuttgart (VRS) fehlen bis ins Jahr 2030 rund 20 500 Wohnungen. Die Zahlen präsentierte Thomas Kiwitt, der Leitende Technische Direktor des VRS, auf der Hauptversammlung der Ludwigsburger Vereinigung der Immobilieneigentümer Haus und Grund. In 13 Jahren würden knapp 82 000 Einwohner des Landkreises Ludwigsburg 25 Jahre alt, von denen auszugehen sei, dass sie langsam das „Hotel Mama“ verlassen werden, so Kiwitt. Das ist vergleichbar mit Esslingen, aber teils mehr als doppelt so viel wie im Rems-Murr-Kreis, Göppingen und Böblingen.

Gleichzeitig ist der wirtschaftsstarke Landkreis Magnet für Zuwanderer. Kiwitt rechnet mit 14 000 überwiegend jüngeren Zuwanderern, von denen die meisten aus dem Ausland kommen würden. „Die sind auch dringend nötig, damit die Wirtschaft ihren Bedarf an Mitarbeitern stillen kann und der Wohlstand der Region erhalten bleibt.“ Man stehe dabei in weltweiter Konkurrenz um Fachkräfte, denen etwas geboten werden müsse.

Viele Ruheständler würden auch nach der Familienphase in ihren großen Immobilien bleiben. Gleichzeitig feierten nur rund 68 000 Senioren im selben Zeitraum ihren 85. Geburtstag und würden voraussichtlich ihre Wohnung freimachen. Unter dem Strich brauche der Landkreis 20 373 Wohneinheiten für 44 000 Menschen, so Kiwitts Fazit. Anders ausgedrückt: Es müssen 640 Hektar Bauland neu ausgewiesen werden. Das ist acht Mal so viel Fläche wie Pattonville.

„Wir haben kein Planungsproblem, allerdings ein massives Umsetzungsproblem“, sagt Kiwitt. Gerade kleinere Kommunen seien überfordert bei der Ausweisung von Neubaugebieten. „Das Baurecht aber werde von den Gemeinden geschaffen.“ Die B-Pläne stammten teils aus Zeiten, da sie noch in D-Mark bezahlt wurden, und angesichts der Zinslage seien Grundstückseigentümer nicht bereit, sich an Umlegungsverfahren zur Baulandgewinnung zu beteiligen. Wichtig sei, kompakten, preiswerten und attraktiven Wohnraum zu schaffen. Eine Herausforderung, da entlang der S-Bahnlinien S 4 und S 5 die Kaltmiete für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bei um die 600 Euro liege.

Zusätzlich sei die Akzeptanz gegenüber von Neubaugebieten und Schaffung von Infrastruktur derer, die bereits ein Dach über dem Kopf hätten, miserabel, so Kiwitt. Nur 40 Prozent würden freie Flächen zum Bau von Wohnungen dulden. Lediglich ein Drittel sieht das für den Ausbau des Schienenverkehrs ein und den Straßenausbau lehnen 70 Prozent pauschal ab.

Dabei sei der Verkehr streckenweise bereits kollabiert, meint Kiwitt. Insbesondere weil drei Viertel der Bewohner Pendler sind und nicht an ihrem Wohnort arbeiteten. Die Nachtstunden und strukturschwache Gebiete berücksichtigt, seien die Straßen zu 85 Prozent ausgelastet. „Die Straßen im Ballungsraum sind zu den Stoßzeiten völlig überlastet.“ Da nutze es auch nichts, wenn die Wege zur Arbeit an sich kurz seien, aber man trotzdem im Stau stehe. Eine Besserung sei nicht in Sicht. „Das System ist am Limit“, sagt Kiwitt und hofft auf innovative Mobilitätskonzepte. Auch das „Hinterland“ sei gefordert. Nicht alle Wohnraum- und Infrastrukturprobleme dürften auf die wenigen großen Städte abgeladen werden. In seinen Augen sei es ein Fehler gewesen, die Bottwartal-Bahn aufzugeben. „Aber wenigstens ist uns die Trasse des Entenmörders erhalten geblieben.“

Auf 3654 Quadratkilometern lebten in der Metropolregion Stuttgart knapp 2,7 Millionen Menschen, berichtet Kiwitt. Auf zehn Prozent der Fläche Baden-Württembergs wohnten ein Viertel der Gesamtbevölkerung, die rund 30 Prozent der Wirtschaftskraft generiert. „Es ist ein Aktionsraum mit 179 Gemeinden“, erklärt Kiwitt einen großen Koordinierungsbedarf für eine zukunftsfähige Entwicklung. Auch beim Verkehr: Täglich würden 8,5 Millionen Kilometer mit dem Auto zurückgelegt.

Thomas Faulhaber
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