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Nach Handgranaten-Angriff auf Trauernde
Drei Männer in Ludwigsburg festgenommen: Sind sie für Schüsse in Region verantwortlich?

Angriff auf eine Trauergemeinde
Die Polizei am Tatort auf einem Friedhof. Foto: Christoph Schmidt
Der Angriff auf eine Trauergemeinde in Altbach zieht weitere Kreise. Am Mittwoch wurden in Ludwigsburg drei Männer festgenommen, die den Angreifer verprügelt haben sollen. Bei einem wurde eine Schusswaffe sichergestellt. Sie könnte bei der mysteriösen Serie von Schusswaffenangriffen in Baden-Württemberg benutzt worden sein.

Altbach/Ludwigsburg. Nach dem Wurf einer Handgranate auf eine Trauergemeinde in Altbach sind bei einer Razzia in Ludwigsburg drei junge Männer festgenommen worden. Das teilte das Landeskriminalamt am Mittwoch mit. Am Morgen seien mehrere Wohnungen in Ludwigsburg mit großem Kräfteaufgebot im Zusammenhang mit dem Fall in Altbach durchsucht worden, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). Dabei wurden drei Männer festgenommen - im Alter von 19, 20 und 21 Jahren. Sie besitzen die deutsche, türkische und georgische Staatsbürgerschaft. Die Männer sind der Polizei wegen Gewaltdelikten einschlägig bekannt. Die drei Beschuldigten wurden vorläufig festgenommen und sollen einem Haftrichter mit Antrag auf Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Im Zuge der Durchsuchung wurde in der Wohnung des 20-Jährigen mutmaßlich bei der Tat getragene Kleidung sichergestellt, in der Wohnung des 19-Jährigen eine scharfe Schusswaffe mit dazugehöriger Munition. Aktuell laufen die Untersuchungen, ob diese Waffe bei anderen Taten, insbesondere bei den zurückliegenden Schussabgaben im Großraum Stuttgart, verwendet wurde. Nach den derzeitigen Erkenntnissen bestehen Anhaltspunkte dafür, dass sowohl die Schussabgaben im öffentlichen Raum als auch die Tat in Altbach im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zweier rivalisierender gewaltbereiter Gruppierungen steht. Die Aufklärung des Ablaufs und der Hintergründe der Taten ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Ermittlungskooperation der Polizeipräsidien Ludwigsburg, Reutlingen, Stuttgart und Ulm sowie des LKA BW.

Handgranate aus Jugoslawien

Zunächst war von vier Festnahmen die Rede, einen vierten Mann habe man aber nicht mit der Tat in Verbindung bringen können, sagte der LKA-Sprecher. Es werde im Verlauf des Tages geprüft, wer von den Festgenommenen dem Haftrichter vorgeführt werden soll.

Bei dem Sprengkörper handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine jugoslawische Handgranate des Typs M75. Die Granate sei auf dem Friedhof an den Ast eines Baumes geprallt und dadurch abgefedert worden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Ermittler.

Die in Ludwigsburg festgenommenen Männer waren dem LKA-Sprecher zufolge Gäste der Beerdigung am Freitag. Sie sollen den Angreifer, der den explosiven Gegenstand geworfen hatte, verfolgt und so schwer verprügelt haben, dass er ins Krankenhaus musste.

Bandenstreitigkeiten als Motiv

Der mutmaßliche Werfer des Sprengkörpers, ein 23 Jahre alter Mann, sitzt bereits in Haft. Gegen ihn sei Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des versuchten Totschlags, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und der gefährlichen Körperverletzung erlassen worden, hatte das LKA am Montag mitgeteilt. Der Iraner sei zwar mittlerweile vernehmungsfähig, habe sich aber weiterhin nicht zur Sache geäußert, hieß es am Mittwoch.

Bei der Explosion waren zehn Menschen verletzt worden, einer davon schwer. Sicherheitskreisen zufolge erlitten die Trauergäste «Brand- und Splitterverletzungen». Bis zu 500 Menschen hatten sich nach Angaben der Ermittler am Freitagmittag zur Beerdigung eines 20 Jahre alten Mannes versammelt. Der Verdächtige soll sich der Trauergemeinde genähert und den Sprengkörper in die Menge geworfen haben.

Der 20-jährige Mann, der beerdigt wurde, war vor einer Woche in Altbach bei einem Bahnunfall ums Leben gekommen. Die Polizei schließt dabei Fremdverschulden aus. Am Bahnhof in Altbach wurden Kerzen, Fotos und Blumen abgelegt.

© dpa-infocom, dpa:230614-99-48723/5