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Nach langem Tauziehen

Heikle Suche nach Virus-Ursprung: WHO-Team reist nach China

China fürchtet die Suche nach dem Ursprung des Virus, weil es nicht als Schuldiger für die Pandemie angeprangert werden will. Durch die Politisierung steht die WHO-Mission unter keinem guten Stern.

Coronavirus - China
Chinesische paramilitärische Polizisten mit Mund-Nasen-Schutz patrouillieren entlang einer Straße in Peking. Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Peking (dpa) - Zu politisch heiklen Untersuchungen reist ein Team von Experten nach China, um im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach den Ursprüngen des Coronavirus zu suchen.

Nach langem Tauziehen um die Reise kündigte Chinas Gesundheitskommission am Montag die Ankunft für diesen Donnerstag an. Gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern sollten die Experten erforschen, ob das Virus zu seiner Quelle zurückverfolgt werden könne, wurde mitgeteilt.

Um die Reise der Experten gab es bis zuletzt Gerangel. Erst vor einer Woche hatte die WHO mitgeteilt, dass China die Einreise blockiert habe. Daraufhin hatte Peking erklärt, dass vorher noch nötige Vorbereitungen getroffen werden müssten. Nach der Ankunft werden die Experten aber ohnehin erst zwei Wochen in Quarantäne gehen müssen, bevor ihre Arbeit vor Ort richtig losgehen kann.

Das Team soll auch in die zentralchinesische Metropole Wuhan reisen, wo Sars-CoV-2 vor gut einem Jahr erstmals entdeckt worden war. Mitglieder spielten die Erwartungen herunter. Es gehe vor allem darum, im Austausch mit den chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten, wurde geschildert.

«Die erste Reise dient dazu, zu schauen, was schon alles an Daten vorliegt, was läuft - und dann einen Plan für Phase zwei zu machen», sagte der deutsche Epidemiologe Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut (RKI) der Deutschen Presse-Agentur. «In dieser Phase zwei werden dann Lücken gefüllt und dadurch hoffentlich die Möglichkeit geschaffen, wissenschaftlich fundierte Hypothesen zu entwickeln und eventuell sogar ein schlüssiges Szenario vorzustellen.»

Die Suche nach dem Ursprung des Virus gilt als politisch brisant. China fürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden, bei der weltweit bereits Dutzende Millionen Menschen infiziert wurden und nach offiziellen Statistiken schon mehr als 1,9 Millionen Menschen starben. Seit Monaten streuen chinesische Behörden daher Zweifel, ob das Virus überhaupt aus China stammt. Es wird auf unbestätigte Berichte verwiesen, dass es mögliche Infektionen schon vorher in anderen Ländern gegeben haben könnte.

Auf diese These ging auch Außenamtssprecher Zhao Lijian am Montag vor der Presse ein. «Während sich die Zeitachse der ersten Fälle beständig zurück bewegt, könnte die Suche nach den Ursprüngen mehr und mehr Länder und Regionen umfassen», sagte der Sprecher. So müsste die WHO ähnliche Untersuchungen auch in anderen Ländern aufnehmen. Vor dem Hintergrund von Kritik am anfänglichen Umgang mit Informationen über das Virus verteidigte der Sprecher Chinas Kooperation mit der WHO als «offen und transparent».

Chinas Propaganda verbreitet die These, dass das Virus seinen Ausgang möglicherweise gar nicht in China genommen habe. Verwiesen wird dabei auch auf heutige Viruspuren auf importierten Tiefkühlwaren - die als Hinweis darauf gewertet werden, dass der Erreger aus dem Ausland eingeschleppt worden sein könnte. Ausländische Forscher wie Leendertz vermuten hingegen weiter Fledermäuse aus Südchina als Ursprung.

Mit dem Einreisetermin und der folgenden Quarantäne wird die Zeit für die WHO-Mission knapper als erwartet, da am 12. Februar schon das chinesische Neujahrsfest begangen wird. Zu dem wichtigsten Familienfest der Chinesen stellen viele Institute und Unternehmen schon lange vor dem Fest den Betrieb ein, da die Mitarbeiter meist für ein bis zwei Wochen oder auch länger in ihre Heimatdörfer reisen. Das Land kommt über das Neujahrsfest praktisch zum Stillstand.

«Es ist etwas Zeit verloren gegangen, aber ein paar Tage bleiben ja doch», sagte der Epidemiologe Leendertz. Auch sei die Reise eben nur eine erste Mission, so dass der Zeitplan in Ordnung sein sollte.

© dpa-infocom, dpa:210111-99-978001/4