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Russische Invasion
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Wolodymyr Selenskyj
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während einer Sitzung des ukrainischen Parlaments. Foto: Ukrainian Presidential Press Office
Ukraines Luftwaffe berichtet von Fortschritten bei der Ausbildung ihrer Piloten an Kampfjets vom Typ F-16. Kiew deutet einen weiteren Erfolg nahe Bachmut an. Die Entwicklungen im Überblick.

Kiew/Moskau. Das Training ukrainischer Piloten an westlichen Kampfjets kommt nach Angaben aus Kiew deutlich in Schwung. «Ich kann nur sagen, dass der Prozess nun ernsthaft in Bewegung geraten ist», sagte der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, im Fernsehen.

Kiew meldete zugleich weitere Angriffe auf den Süden des Landes, unter anderem auf Getreidespeicher. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erhöhte den Druck auf Deutschland, die Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen.

Ihnat sagte weiter, Details zur Pilotenausbildung könne er nicht nennen, da viele westliche Staaten ihre Beteiligung nicht öffentlich machen wollten. «Die Piloten trainieren und durchlaufen die Vorbereitung», sagte er aber.

Monatelange Vorbereitung vor Einsatz an der Front

Seit Monaten bittet die Ukraine um westliche Kampfjets. Zusagen zur Lieferung von in den USA gebauten Kampffliegern vom Typ F-16 gibt es etwa aus Dänemark, Norwegen und den Niederlanden. Zudem haben mehrere Staaten erklärt, sich an der Ausbildung der Piloten zu beteiligen. Bekannt ist bisher, dass in Dänemark bereits erste ukrainische Kampfpiloten trainiert werden. An der Front können die ersten F-16 nach Angaben Kiews allerdings wohl erst im Frühjahr 2024 eingreifen, auch da die notwendige Infrastruktur im Land sowie Experten und Anlagen für die Wartung vorgehalten werden müssten.

Kiew meldet neue Angriffe auf Odessa und Mykolajiw

Russland hat in der Nacht zum Sonntag erneut den Süden der Ukraine angegriffen. «Alle sechs Drohnen wurden vernichtet, vier über dem Gebiet Mykolajiw, zwei über dem Gebiet Odessa», meldete die ukrainische Kommandostelle Süd auf Telegram. Zugleich räumte sie ein, dass zwar auch fünf Marschflugkörper abgefangen worden seien, aber einige andere Landwirtschaftsobjekte im Gebiet Odessa getroffen hätten. Laut dem Militärgouverneur von Odessa, Oleh Kiper, wurden im Landkreis Beresiwka unter anderem Getreidespeicher getroffen.

Seit dem Auslaufen des Abkommens zur Verschiffung ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer attackiert Russland verstärkt die Infrastruktur der Schwarzmeergebiete im Süden. Häfen und Getreidespeicher sind dabei vorrangiges Ziel.

Am Wochenende waren erstmals seit dem Ende des Getreideabkommens zwei ausländische Getreidefrachter in den südlichen Hafen Tschornomorsk eingelaufen. Sie sollen laut ukrainischen Angaben rund 20 000 Tonnen Weizen für afrikanische und asiatische Länder laden. Am Sonntag ankerten beide Frachter laut Online-Schiffstracker Vesselfinder noch im Hafen. Die Ukraine hatte nach dem Ende des Getreideabkommen einen temporären Korridor für zivile Schiffe eingerichtet, der auf eigenes Risiko genutzt werden kann. Diesen nutzten bereits fünf Frachter, um aus den ukrainischen Häfen auszulaufen.

EU-Kommission verteidigt Ende der Importbeschränkungen

Die EU-Kommission hat indes ihre Entscheidung für ein Ende der Importbeschränkungen für ukrainische Getreideprodukte verteidigt und gleichzeitig Gesprächsbedarf mit osteuropäischen Mitgliedsstaaten eingeräumt. «Wir brauchen außergewöhnliche Umstände, um diese Art von Beschränkungen zu rechtfertigen, und derzeit sehen wir, dass es keine Störung oder Verzerrung auf dem Markt dieser fünf Mitgliedstaaten gibt», sagte EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis am Rande eines Treffens der EU-Finanzminister. Die Kommission werde die Situation weiter beobachten und bereit sein, auch wieder Beschränkungen einzuführen, «wenn die Marktsituation dies rechtfertigt».

Die bisherigen Einschränkungen hatten es den östlichen EU-Mitgliedern Ungarn, Polen, Slowakei, Rumänien und Bulgarien erlaubt, den Handel mit Produkten wie Weizen, Mais, Raps oder Sonnenblumen aus der Ukraine auf ihren Märkten zu beschränken. Polen, Ungarn und die Slowakei gaben nach der Entscheidung Brüssels vom Freitag bekannt, dass sie auch ohne die Zustimmung der EU an Importbeschränkungen für bestimmte ukrainische Agrarprodukte festhalten wollten.

Russland: Angriffe mit Drohnen Richtung Krim und auf Moskau abgewehrt

Russland hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums sechs ukrainische Drohnen auf dem Weg zur Halbinsel Krim zerstört. Am frühen Sonntagmorgen habe die Luftabwehr Drohnenangriffe vor der westlichen, nordwestlichen und östlichen Küste der Krim gestoppt, teilte das Ministerium laut Staatsagentur Tass in Moskau mit. Darüber hinaus sei ein Drohnenangriff auf Moskau abgewehrt worden.

Medien: Ukrainische Soldaten in lange besetztem Klischtschijiwka

Am Sonntag gab es Berichte, die auf einen weiteren Erfolg der ukrainischen Truppen an der Front im Osten hindeuteten. Der Chef des Präsidialbüros in Kiew, Andrij Jermak, veröffentlichte ein Foto mit ukrainischen Soldaten, das ukrainische Medien in der lange von russischen Truppen besetzten Ortschaft Klischtschijiwka verorteten. «Die Ukraine holt sich das ihre immer zurück», unterschrieb Jermak am Sonntag auf seinem Telegram-Kanal das Foto.

Zuletzt gab es schwere Gefechte um Klischtschijiwka. Offiziell hat Kiew eine Befreiung noch nicht bekanntgegeben. Der Ort war im Januar 2023 von den Russen besetzt worden. Die Einnahme Klischtschijiwkas würde die taktische Lage der russischen Besatzer in Bachmut deutlich verschlechtern, die Gefahr laufen würden, vom Süden und Norden her in die Zange genommen zu werden.

Stoltenberg: Müssen Militärausgaben wie im Kalten Krieg schaffen

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat den Druck auf Deutschland verstärkt, seine Verteidigungsausgaben zu erhöhen. «Im Kalten Krieg, als Konrad Adenauer oder Willy Brandt regierten, lagen die Verteidigungsausgaben bei drei bis vier Prozent der Wirtschaftsleistung», sagte Stoltenberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). In seiner norwegischen Heimat sei es ähnlich gewesen. «Wir haben das damals geschafft, und wir müssen es heute wieder schaffen.» Stoltenberg erinnerte an den Beschluss des Nato-Gipfels in Vilnius, wonach zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Militärausgaben «das Minimum» seien.

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