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Großteil der Südwest-Kliniken rechnet mit Verlusten

Die Pandemie ist für die Kliniken mit hohen Kosten verbunden. Viele rechnen laut Krankenhausgesellschaft mit roten Zahlen in diesem Jahr. Die Häuser richten deshalb einen klaren Appell an die Politik.

Krankenhaus
Ein Patient liegt auf einer Intensivstation in einem Zimmer. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Ein Großteil der Kliniken in Baden-Württemberg sieht sich aufgrund der Belastungen durch die Corona-Pandemie in finanziellen Schwierigkeiten. Etwa 65 Prozent der Häuser rechnen mit Verlusten in diesem Jahr, wie die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) zu einer Befragung der Kliniken am Freitag in Stuttgart mitteilte. Eine solch hohe Defizitquote gab es bei der Umfrage der BWKG den Angaben zufolge noch nie.

Das Pandemiejahr 2021 drohe für die Krankenhäuser zum finanziellen Desaster zu werden, teilte der BWKG-Vorsitzende Heiner Scheffold mit. Die Politik müsse hier umgehend tätig werden. Als Gründe nannte die Krankenhausgesellschaft überdurchschnittlich hohe Kosten für die Behandlung von Covid-Patientinnen und -Patienten und wegbrechende Erlöse etwa durch einen Rückgang der Patientenzahlen in den Ambulanzen und fehlende Einnahmen durch Parkhäuser und Cafeterien.

Die Kliniken sehen deshalb die Bundesregierung in der Pflicht, ihr Versprechen zu halten, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für die Krankenhäuser auszugleichen. Die neue Bundesregierung müsse umgehend handeln und den finanziellen Rahmen der Krankenhäuser schnell und nachhaltig absichern, forderte Scheffold. Auch die Landesregierung sieht die BWKG am Zug, die Kliniken wie im Jahr 2020 finanziell zu unterstützen. Kritik äußerte die Gesellschaft in diesem Zusammenhang an der jüngst erfolgten Vorgabe des Landes zur Bereithaltung von mindestens 40 Prozent der Intensivkapazitäten für Covid-Patienten. Wer die Freihaltung von Betten anordne, müsse dies auch finanzieren, sagte Scheffold.

Ein weiteres Problem der Kliniken ist der große Fachkräftemangel. Rund 93 Prozent aller Häuser im Südwesten haben demnach Schwierigkeiten, offene Stellen in der Pflege zu besetzen. Noch nie seit dem Beginn der Befragungen der Kliniken im Jahr 2010 haben diese demnach von so großen Problemen bei der Besetzung von Stellen in der Pflege berichtet.

Der Geschäftsführer der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim, Jörg Martin, begründete dies am Freitag auch mit der außergewöhnlichen Lage auf den Intensivstationen. Liege die Sterblichkeit im Intensivbereich in normalen Zeiten bei etwa 20 Prozent, so seien es aktuell 40 bis 60 Prozent. «Das halten viele einfach nicht aus», sagte Martin.

© dpa-infocom, dpa:211126-99-151774/5