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IG Metall moniert Verlagerung von Produktion nach Osteuropa

Arbeitsplätze in Deutschland abbauen und im Osten Europas fertigen lassen. Das ist für die IG Metall ein Ärgernis. Sie fordert mehr Fertigung hierzulande.

Roman Zitzelsberger
Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter Baden-Württemberg der Gewerkschaft IG Metall, spricht. Foto: Bernd Weißbrod/dpa Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Stuttgart.

Stuttgart (dpa/lsw) - Der baden-württembergische IG-Metall-Vorsitzende Roman Zitzelsberger hat die Autozulieferer dafür kritisiert, dass sie die auslaufende Produktion von Teilen für den Verbrennungsmotor nach Osteuropa verlagerten. Der Gewerkschaftsfunktionär sagte in Stuttgart: «Das geht zulasten hiesiger Arbeitsplätze und verschärft die Risiken des Wandels. Das sehen wir äußerst kritisch.» Inzwischen würden auch viele Komponenten für Elektroantriebe in Osteuropa angesiedelt.

Zitzelsberger ergänzte, es gebe auch positive Beispiele. «Schaeffler etwa produziert im badischen Bühl E-Motoren, und Daimler wird E-Motoren in Berlin herstellen. Ich wünsche mir mehr solcher Beispiele.» Zugleich mahnte der Gewerkschafter, die Abhängigkeit von Asien bei Halbleitern zu verringern. «Wir brauchen eine europäische Halbleiterindustrie. Dafür braucht es eine industriepolitische Initiative.» Bei den Batteriezellen habe das inzwischen geklappt, und die fast hundertprozentige Abhängigkeit von asiatischen Herstellern nehme schrittweise ab. «Das war ein langer Weg.»

Einige Unternehmen in Deutschland überlegen nach Darstellung von Zitzelsberger ernsthaft, Kooperationen zur Herstellung von Halbleitern in Deutschland einzugehen. «Dass man auch in Deutschland Halbleiter herstellen kann, zeigen die Beispiele von Infineon, Globalfoundries und Bosch in Dresden sowie Bosch in Reutlingen.»

Der Gewerkschafter lobte die Industriepolitik der Grünen im Südwesten. Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe sich eindeutig in die richtige Richtung bewegt. «Er und die Grünen haben verstanden, dass der Wohlstand im Land wesentlich mit von der Autoindustrie abhängt. Diese Einsicht war zu Beginn von Kretschmanns Regierungszeit im Jahr 2011 noch nicht so richtig vorhanden.»

Die Politik begleite den Wandel der Fahrzeugindustrie grundsätzlich gut. Aber er wünsche sich, dass sie auch beim Thema Regulatorik mit mehr Maß vorgehe. «Man darf sich schon fragen, ob es notwendig ist, die Abgasgrenzwerte für Verbrenner immer weiter zu verschärfen, obwohl klar ist, dass ab Anfang der 2030er-Jahre überwiegend vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt kommen werden.»

© dpa-infocom, dpa:211227-99-512006/2

IG Metall Baden-Württemberg