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Schwarz mit grünen Einsprengseln

Wahlkreis 14 Bietigheim-Bissingen: Seit 1976, als die Landtagswahlkreise neu zugeschnitten wurden, eine Domäne der Schwarzen.

Ludwigsburg. Seit 40 Jahren holt die CDU regelmäßig das Direktmandat, das jeweils an jenen Kandidaten oder jene Kandidatin der Partei geht, die die meisten Stimmen erhält. Für die Zweit-, Dritt- oder gar Viertplatzierten bestehen noch Chancen, einen Sitz im Landtag durch die auf Landesebene vorgenommene Zweitzuteilung zu ergattern. 18 Abgeordnete seit 1976 gab es, immer von CDU und SPD, je zweimal von FDP und Republikanern, seit Jahren regelmäßig von den Grünen.

 Wahlkreis 14

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Ein Wahlkreis mit prominenten Namen. Viele Jahre Späth-Land: Der frühere Bietigheimer Finanzbürgermeister Lothar Späth gab sein Mandat erst zurück, als er wegen der sogenannten Traumschiffaffäre 1991 von seinem Amt als Ministerpräsident zurücktrat. Vier Jahre hielt es in dem Wahlkreis mit Anette Schavan die baden-württembergische Kultusministerin aus, dann wechselte sie nach Ulm fürs dortige Bundestagsmandat der Union und einen Sitz im Bundeskabinett. Dann kam die Affäre um ihre Doktorarbeit mit nicht sauber ausgewiesenen Zitaten, seitdem vertritt sie Deutschland als Botschafterin im Vatikan.

 

Für die SPD holte 1996 der seinerzeitige Umweltminister Harald B. Schäfer ein Zweitmandat, verabschiedete sich aber schon wenige Tage nach Beginn der Legislaturperiode im Juni 1996 vom Landtag, weil er nicht mehr an den Kabinettstisch zurückgekehrt war. Schäfer zog sich in seine Heimat in der Ortenau zurück.

 

Für die Prominenten rückten jeweils Lokalmatadore nach: Bietigheim-Bissingens OB Manfred List, Murrs Bürgermeister Manfred Hollenbach und die Freiberger Stadträtin Christine Rudolf. Sie lieferten gediegene Arbeit im Landtag ab und verteidigten jeweils ihre Mandate mit Bravour. Den Abschied von der Landespolitik bestimmten sie selbst: List 2001, Rudolf 2011 und Hollenbach jetzt. Immer schwer hatte es die FDP, die mit Wolfgang Weng, dem Apotheker aus Gerlingen, und der Gemmrigheimer Bürgermeisterin Monika Chef in vier Jahrzehnten nur zweimal zum Zuge kam. Eine stabile Basis bauten sich die Grünen auf, denen es seit 32 Jahren immer zu einem Mandat reichte. Allerdings kam ihr 2005 eine Abgeordnete abhanden: Heike Dederer aus Bietigheim-Bissingen wechselte zur CDU. Seit Juni 2011 ist sie Protokollchefin und zugleich Pressesprecherin des Hessischen Landtags. Ihr Ehemann Michael Jacobi ging den Weg zur Union mit – er saß vor seiner Frau im Landtag.

 

Ergebnisse_Wahlkreis_BiBi

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Der jetzige Umweltminister Franz Untersteller befürchtete 2011 den Mandatsverlust für die Grünen, weil der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen verkleinert worden war: Er wechselte in einen sicheren Stuttgarter Wahlkreis, und seine Rechnung ging auf. Doch mit Daniel Renkonen kam im Ludwigsburger Nordkreis ein anderer Grüner zum Zuge.

 

CDU-Land mit stark grünen Einsprengseln, so das Ergebnis 2011. In allen Städten und Gemeinden war die CDU wieder die Nummer eins. Ihr bestes Ergebnis: 49 Prozent in Hessigheim. Doch in 19 Kommunen lagen die Grünen deutlich über 20 Prozent. Ihr Spitzenwert: 29,1 Prozent in Marbach. Die SPD holte am meisten in Löchgau mit 27,2 Prozent. Durchweg einstellig schnitt die FDP ab, kam nirgendwo über ihre 9,3 Prozent in Gemmrigheim hinaus. Linke und Republikaner blieben überall deutlich unter fünf Prozent. Die Wahlbeteiligung war in Mundelsheim mit 66,6 Prozent am höchsten, in Bietigheim mit 53,1 Prozent am niedrigsten.