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Verdacht auf Impf-Manipulation: Patienten lassen sich testen

Hat ein Hausarzt reihenweise Corona-Schutzimpfungen von Patienten nur vorgetäuscht? Die Kripo geht diesem Verdacht nach. Die Gesundheitsbehörden wollen unterdessen herausfinden, ob die Patienten einen Schutz gegen das Virus haben oder nicht.

Impfung
Ein medizinischer Mitarbeiter impft eine Frau. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Symbolbild
Donauwörth.

Donauwörth (dpa) - Nach möglicherweise falsch bescheinigten Corona-Impfungen in Nordschwaben haben am Montag erste Patienten das Testangebot des Landratsamtes Donau-Ries angenommen. Es gebe ein reges Interesse an den Tests, sagte ein Sprecher der Kreisbehörde in Donauwörth. Am Dienstag will das Landratsamt zusammen mit der Polizei weitere Informationen zu dem Fall bekanntgeben.

Ein Hausarzt aus dem Landkreis steht im Verdacht, seinen Patienten Impfausweise über Corona-Schutzimpfungen ausgestellt zu haben, ohne tatsächlich einen Impfstoff gespritzt zu haben. Alle Patienten der Praxis sind deswegen nun aufgerufen, eine Antikörperbestimmung durchführen zu lassen. Von der Praxis selbst war am Montag keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten.

Die Kriminalpolizei hatte in der vergangenen Woche die Wohnung und die Praxis des niedergelassenen Mediziners durchsucht und Beweismittel sichergestellt. Die Auswertung dieser Dokumente dauere an, sagte am Montag der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft, Andreas Dobler. Zudem würden Vernehmungen durchgeführt. Derzeit könnten keine weiteren Details zu den Ermittlungsergebnissen genannt werden.

Völlig unklar ist bislang, wie es zu den mutmaßlich falsch dokumentierten Schutzimpfungen gekommen war. Es ist offen, ob die Patienten möglicherweise davon wussten, dass sie tatsächlich keinen Impfstoff erhalten haben. Oder ob den Männern und Frauen unwissentlich beispielsweise einfache Kochsalzlösung injiziert wurde.

Einen ähnlichen Fall gab es im Impfzentrum des norddeutschen Kreises Nordfriesland. Dort soll eine Krankenschwester Spritzen mit Kochsalzlösung statt mit dem Impfmedikament aufgezogen haben. Etwa 10 000 Betroffene sollen deswegen dort nachgeimpft werden.

Im Fall der Patienten der schwäbischen Praxis bietet das Landratsamt in dieser Woche an drei Tagen Antikörpertests im ehemaligen Impfzentrum in Nördlingen an. Bei den ersten Terminen am Montag war auch die Polizei mit zahlreichen Beamten vor Ort, um weiter zu ermitteln.

Bis zur Abklärung des tatsächlichen Impfschutzes dürften die Betroffenen ihre Impfnachweise auch nicht mehr verwenden, betonte das Landratsamt. Vorläufig müssten sich die Patienten der Hausarztpraxis wie ungeimpfte Personen verhalten.

Laut dem Bayerischen Rundfunk äußerten sich Patienten in Nördlingen darüber sauer und enttäuscht, dass sie möglicherweise wieder Einschränkungen hinnehmen müssten, wenn sie nicht korrekt geimpft sind. Die Mehrheit habe aber weiter Vertrauen in den Hausarzt. Auch die «Augsburger Allgemeine» berichtete von Verunsicherung unter den Betroffenen.

© dpa-infocom, dpa:211004-99-475837/4

Polizeimitteilung

Mitteilung Landratsamt